Menschen auf dem Lande > Artikel
Artikel
München 21 - Städte und Regionen im Netz
Eberhard Sinner MdL, CSU Main-Spessart
Die Informationsgesellschaft
In seinem Buch "Der fünfte Kondratieff" hat Nefiodow die Entwicklung von der Industriege-sellschaft zur Informationsgesellschaft beschrieben. Er knüpft an den russischen Volkswirt-schaftler Nikolai D. Kondratieff an, der 1926 in seiner Publikation "Die langen Wellen der Konjunktur" das Aufeinanderfolgen von langen Konjunkturzyklen mit einer Dauer von 40 bis 60 Jahren nachgewiesen hat, die später nach ihm als "Kondratieff" bezeichnet wurden. In den letzten 250 Jahren des Industriezeitalters sind 4 lange Wellen der Konjunktur beschrieben. Am Beginn eines Konjunkturzyklus stand jeweils eine bahnbrechende Innovation, von der die entscheidenden Wachstumsimpulse ausgegangen sind:
Die erste Welle vom Ende des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war gekennzeichnet von der Basisinnovation Dampfmaschine.
Die zweite Welle von Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts war gekennzeichnet durch die
Basisinnovation Eisenbahn.
Die dritte Welle dauerte von Anfang des 20. Jahrhunderts bis nach dem 2. Weltkrieg.
Ba-sisinnovationen sind Chemie und Elektrizität, Automobilbau und Stahlindustrie.
Die vierte Welle begann nach dem 2. Weltkrieg und kulminierte in den siebziger Jahren.
Basisinnovationen sind die Petrochemie und das Automobil
Nefiodow beschreibt den fünften Kondratieff, gekennzeichnet durch die Informationstechnik als wichtigste Basisinnovation seit den achtziger Jahren....
...
Al Gore prägt den Begriff vom InformationHighway.
" Seit einem Dutzend von Jahren bin ich einer der Urheber und Fürsprecher eines Vorschlags zum Bau eines landesweiten Netzwerkes von "Informationssuperautobahnen", die Supercomputer, Terminals und "digitale Bibliotheken" zu "Kommunikationslabors" verknüpfen und den Menschen die Zusammenarbeit ermöglichen, auch wenn sie sich an unterschiedlichen Orten befinden." Vernetzung bedeutet Bereitstellung physischer Infrastruktur wie ISDN flächendeckend. Vernetzung bedeutet auch Aufbau logischer Netze wie Internet, Compuserve, AOL und andere, um weltweit kommunizieren zu können.
Bayern hat eine dezentrale Struktur
Die 12 Millionen Bayern leben in 2031 kreisangehörigen Gemeinden, 25 kreisfreien Städten und 71 Landkreisen. Darüber befinden sich 7 Regierungsbezirke und 18 Planungsregionen.
Die bayerischen Großstädte lassen sich an einer Hand aufzählen: München ( 1,28 Mio.), Nürnberg (0,5 Mio.), Augsburg (0,25 Mio.), Würzburg (0,127 Mio.) und Regensburg (0,124 Mio).
In den Verdichtungsräumen leben 41,2 Prozent der Bevölkerung = 4.888.796 Mio. ( 572 E/qkm), im ländlichen Raum 58,8 Prozent der Bevölkerung = 6.974.517 Mio. (112,5 E/qkm),
im Landesentwicklungsprogramm werden als eigene Kategorie ausgewiesen:
Ländliche Teilräume, deren Entwicklung nachhaltig gestärkt werden soll, mit 29,9 Prozent der Bevölkerung = 3,547.279 Mio. E (100 E/qkm).
Ein Ungleichgewicht ergibt sich bei den Arbeitsplätzen:
In den Verdichtungsräumen sind 48,7 % der Arbeitsplätze,
in den ländlichen Gebieten 51,3 % der Arbeitsplätze.
Die Industriegesellschaft hat die Konzentration von Menschen und Arbeitsplätzen in Ballungsgebieten begünstigt. In anderen Bundesländern und anderen Staaten ist dies noch weit deutlicher.
Die UNO-Tagung Habitat II, die vor wenigen Tagen in Istanbul stattfand, hat deutlich gemacht, dass das weltweite Wachstum von Ballungszentren zu unseren größten ungelösten Problemen gehört.
Kennzeichen Ländlicher Räume sind:
hohe Umweltqualität, niedrigere Lebenshaltungskosten für Bauen und Wohnen,
geringere Chancen der Berufsausbildung, Berufs- und Arbeitsplatzwahl und geringeres Kultur- und Freizeitangebot, Einkommensniveau unter dem der Verdichtungsräume.
Kennzeichen der Verdichtungsräume sind:
in der Regel hohe Lebenshaltungskosten, Einschränkungen der Umweltqualität, Verkehrsinfarkt, höheres Einkommensniveau, hohe Bildungschancen, bessere Arbeitsplätze,
soziale Probleme wie Kriminalität, Drogen
Unsere Vision für das Informationszeitalter:
Hohe Umweltqualität und hohe Arbeitsplatzqualität lassen sich verbinden. Wirtschaftliches Wachstum kann vom Energie-, Rohstoff- und Land-Verbrauch abgekoppelt werden. Fiktive Mobilität ersetzt faktische Mobilität. Wohnen und arbeiten an einem Ort
Die Multimediawelt braucht ein "Grundgesetz"
Zur Zeit werden gesetzliche Grundlagen für die Anwendung von Online-Diensten in Deutschland diskutiert. Als Alternativen stehen zur Debatte Staatsvertrag zwischen 16 Ländern
Bundesgesetz auf Grundlage der Eckwerte von Bundesminister Rüttgers...
...
Städte und Regionen im Netz
Über 70 Städte und Regionen Deutschlands, 2324 (18.06.1996) weltweit, präsentieren sich mittlerweile im WWW. Mit der Eingabe "www.Hinterdupfingen.de" besteht eine gute Chance, ein umfassendes Informationsangebot aus dem hintersten Winkel der Republik zu erschließen, ironisiert die Zeitung com in der Ausgabe vom Juni 1996.
In Bayern hat sich im Dezember ein Bürgernetzverband mit zahlreichen Bürgernetzvereinen nach dem Vorbild des amerikanischen Free-Net gebildet. Daneben schießen regionale kommerzielle Anbieter wie Pilze aus dem Boden. Junge Unternehmen und traditionsreiche Zeitungsverlage konkurrieren um den lokalen und regionalen Markt. Zahlreiche Fragen sind noch offen:
Abgrenzung zwischen kommerzieller und nicht kommerzieller Tätigkeit
Abgrenzung staatlicher und privater Aktivitäten
Wettbewerbsneutraler Einsatz öffentlicher Mittel
Datenschutz
Angesichts der raschen Entwicklung lassen sich noch keine abschließenden Aussagen machen. Der aktuelle Diskussionsstand läßt sich so kennzeichnen:
Bürgernetzvereine(z.Zt. 30) als Mitglieder des Bürgernetzverbandes sollen sich als gemeinnützige Fördervereine regionaler Angebote konstituieren. Ihre Aufgabe ist, unter der Adresse des BayNet eine vergleichbare Oberfläche zu gestalten, den Zugang zum Behörden- und Hochschulnetz anzubieten, Bildungsveranstaltungen mit dem Ziel der Netzwerksvertrautheit (Network-literacy) zu organisieren und als politische Plattform für Kommunen, Unternehmen und Bürger zur Forcierung regionaler Netze zu fungieren. Ziel ist das digitale dialogfähige Amtsblatt als offizielles Bürgerinformationssystem. Im Auftrag der Fördervereine sollen Trägervereine = Zusammenschlüsse privater Provider die technischen und organisatorischen Voraussetzungen wie Einwahlknoten, Server, Standleitungen zum
Hochschulnetz organisieren, finanzieren und betreiben. Dafür steht auch das jetzt vorhandene
Hochschulnetz zur Verfügung. Das BayNet mit regionalen Ablegern soll eine Kioskfunktion erfüllen. Ähnlich wie bei einem Kiosk für Printmedien sollen alle verfügbaren Angebote gegen Entgelt vorhanden sein. Der gegenseitige Nutzen entsteht für die privaten Provider in dem Angebot einer attraktiven Adresse, in dem offiziellen Kiosk als digitales Amtsblatt, in der staatlichen Förderung über die Nutzung der Standleitungen des BayNet, für die Kommunen und den Freistaat im Einbringen des technischen und
organisatorischen Know-hows der privaten Provider. Was wir nicht anbieten können, ist der kostenlose, durch den Staat finanzierte Internetzugang für alle. Es gibt kein Freibier und kein Freibit auf staatliche Kosten. Dies führt zu Wettbewerbsverzerrungen und widerspricht unseren Vorstellungen von Subsidiarität. Angesichts der vorhandenen Engpässe wären die Folgen eines solchen Angebotes ähnlich wie beim 15,- DM Wochenendticket der Bahn AG.
Wir erhoffen uns von der Bürgernetzbewegung eine Popularisierung der Online-Dienste. Die Fähigkeit, mit Netzwerken umzugehen, ist eine wichtige Voraussetzung für die geistige und wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit des Standorts Bayern. Waren früher Regionen rückständig, die einen hohen Anteil an Analphabeten hatten, werden es im 21. Jahrhundert Regionen sein, deren Bevölkerung die network-literacy ( Die Netzwerksvertrautheit ) fehlt. Wir sehen deshalb in dieser Frage eine Schlüsselfrage für unsere Zukunft.
Mit dem Projekt Bayern Online starten wir in 16 Einzelprojekten und mit 145 Mio. DM aus den Privatisierungserlösen in Bayern in das Informationszeitalter. Der Bayerische Landtag hat in einem Antragspaket der CSU-Fraktion unter der Überschrift "Wirtschaftsstandort Bayern-
Telekommunikation" im Februar 1993 dieses Thema angestoßen. Wir wollen mit weiteren Initiativen in dieser Legislaturperiode die bayerischen Spielräume zu eigenständiger politischer Gestaltung nützen. Wir werden im Bildungsbereich an Schulen aller Kategorien verstärkt den Umgang mit diesem Medium forcieren. Wir fordern auch die kommunalen Mandatsträger, Landräte und Bürgermeister, Stadträte und Kreisräte auf, die Bürgernetzbewegung zu unterstützen und den Bürgernetzvereinen beizutreten. Aufgabe dieser Bürgernetzvereine ist auch die Artikulation der Forderungen der Nutzer gegenüber den Telekommunikations-Anbietern. Wir erwarten uns deutliche Kostensenkungen bei den
Gebühren für Online-Nutzer . Kommunen und Regionen online und nicht offline! Dies ist unsere Vision für Bayern.
Wer offline ist,
wird sehr bald out sein, wer online ist, bleibt in.
Mehr erfahren Sie unter:
http://www.eberhard-sinner.de/
Im Angebot der SDC seit 13.09.01 (pko)
- Verwandte
Themenbereiche:
- Ländliche Regionen, Bürgernetze, Infrastruktur