Die städtische Bibliothek der Stadt Tampere in Finnland war vom 15. bis 18. Februar 2007 der Treffpunkt für die Projektpartner der Stepping Stones Lernpartnerschaft aus Dänemark, Italien, Lettland, Norwegen, Portugal, Schweden und Deutschland.
Tampere ist die drittgrößte Stadt Finnlands. War diese im 19. Jahrhundert ein Zentrum der frühen Textilindustrie, so ist sie heute in erster Linie geprägt durch die Universität, die einer Vielzahl von Menschen Arbeit und Ausbildung bietet. Die finnische Bevölkerung belegt im Hinblick auf den Ausbildungsstand den ersten Platz unter den Ländern der Europäischen Union, mehr als ein Drittel der Menschen im Alter zwischen 25 und 64 Jahren verfügt über eine Hochschulausbildung. Ebenfalls rangiert Finnland bei der Ausstattung der Haushalte mit Computern (71 %) und Internetzugang (65 %, davon 58 % Breitbandzugang) weit vorn in Europa. Von den Frauen im Alter zwischen 25 und 54 Jahren sind 86 % außerhalb des Haushalts beruflich tätig. Solche Fakten im Hinblick auf ihre Bedeutung für die Frage der Digitalen Integration zu bewerten und in Beziehung zu setzen zu den Gegebenheiten in den jeweiligen Ländern, ist Bestandteil der Arbeit der Lernpartnerschaft.
Der Besuch in Skandinavien war für die Lernpartner aus Portugal und Italien sowie für die deutsche Delegation der Stiftung Digitale Chancen auch ein Ausflug in den hierzulande in diesem Jahr raren Winter. Angesichts der kalten Temperaturen drängte sich so die Überlegung auf, ob die Menschen in Finnland vielleicht lieber zu Hause am Rechner sitzen oder ein Buch lesen, als sich draußen eine kalte Nase und rote Ohren zu holen. Sowohl das hohe Bildungsniveau als auch die beeindruckenden Buchbestände und Ausleihstatistiken der Bibliothek scheinen diese Annahme zu stützen.
In Finnland haben die Mitglieder der Lernpartnerschaft zunächst die verschiedenen Maßnahmen und Aktivitäten zur Medienkompetenzvermittlung in den Einrichtungen der Städtischen Bibliothek Tamperes kennen gelernt. Dazu zählen die in den Zweigstellen angesiedelten NetSquares, die Erwachsenen und Kindern und Jugendlichen während der Bibliotheksöffnungszeiten die Nutzung von Computern, Internetzugang und Peripheriegeräten kostenlos ermöglichen. Für Fragen und Unterstützung ist ausgebildetes Personal vor Ort. Darüber hinaus werden Computer- und Internetkurse angeboten, die speziell Anfängerinnen und Anfänger adressieren.
Das Angebot der Bibliothek wird ergänzt durch den Internetbus Nettinysse, der als mobiler Internetzugangs- und Lernort in der Stadt und Region Tampere unterwegs ist und von Nachbarschaften oder Gruppen explizit für den Einsatz im jeweiligen Gebiet angefordert werden kann. Auch im Nettinysse sind immer mehrere Mitarbeitende im Einsatz, die die Besucherinnen und Besucher an die Internetnutzung heranführen und ihnen die benötigte Medienkompetenz vermitteln.
Neben diesen Bibliotheksprogrammen unterhält die Stadt zusätzlich ein – allerdings eher unscheinbares – kommunales Internetcafé. Zudem gibt es trotz der ohnehin hohen Internetnutzerrate in der Bevölkerung zahlreiche unabhängige Initiativen, die sich an diejenigen wenden, die bisher noch keinen Zugang gefunden haben. Mit der Einrichtung Mukanetti besuchten die Lernpartner eine Organisation, die Seniorinnen und Senioren als Zielgruppe hat. Ihnen werden Kurse geboten, aber auch Unterstützung bei der Installation von Computer und Internetanschluss im heimischen Umfeld. Für die meisten Menschen in Finnland ist Englisch beinahe eine zweite Muttersprache, so dass die sprachliche Barriere, die vielfach gerade Seniorinnen und Senioren in Deutschland vor der Computernutzung zurückschrecken lässt, hier eine deutlich geringere Rolle spielt. Unsicherheiten im Umgang mit der neuen und ungewohnten Technik sind allerdings auch hier relevant, ebenso wie Befürchtungen im Hinblick auf Datenschutz, Verletzung der Privatsphäre, Missbrauch und Betrug.
Die Mitglieder der Lernpartnerschaft konnten daher viele gemeinsame Aspekte feststellen, die eine Rolle spielen, wenn es um die Inhalte von Kursen zur Medienkompetenzvermittlung geht. Interessante Unterschiede bestehen allerdings vielfach in der Art der Vorgehensweise und den didaktischen Konzepten. Das nächste Treffen der Lernpartner, das vom 14. bis 17. Juni in Berlin stattfindet, ist daher dem Kennenlernen der Methoden und Ansätze der beteiligten Einrichtungen gewidmet. So sollen Best-Practice-Beispiele ermittelt und – wo dies möglich ist – über die Ländergrenzen hinweg in die verschiedenen Organisationen transferiert werden.
Eine englische Übersetzung dieses Artikels finden Sie
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