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Kassel/Berlin, 06. 07. 2007 Unter dem Motto "Dabei sein, dazu gehören, mitmachen: Welche Rolle spielt das Internet?" trafen sich rund 40 Menschen mit und ohne Behinderungen am 05. Juli im Haus der Kirche in Kassel, um der Frage nachzugehen, wie das Internet zu mehr Selbständigkeit im Alltag von behinderten Menschen beitragen kann. Mehr Menschen für die Chancen des Internet zu interessieren, das ist das Ziel der Stiftung Digitale Chancen, die den Workshop in Kassel zusammen mit dem Aktionsbündnis für barrierefreie Informationstechnik organisierte.
Wenn der blinde Vertreter des Kasseler Behindertenbeirats, Helmut Ernst, das Internet benutzt, sind vor allem seine Ohren gefragt. Auf seinem Computer ist ein so genannter Screenreader installiert, ein Programm, das dem Nutzer vorliest, was andere Menschen auf dem Bildschirm sehen können. Er habe sich noch vor zehn Jahren nicht vorstellen können, dass er einmal selbständig seinen Kontostand bei der Bank feststellen und Überweisungen vornehmen könne, so Helmut Ernst. Das sei erst durch das Internet möglich geworden. Damit das funktioniert, ist eine barrierefreie Programmierung der Internetseiten erforderlich. Wenn eine Internetseite Bilder enthält, muss der Inhalt zusätzlich mit Worten beschrieben werden, damit auch Blinde erfahren, was dort zu sehen ist
, erklärt Jutta Croll, Geschäftsführerin der Stiftung Digitale Chancen, die für die Veranstaltungsreihe verantwortlich zeichnet. Mit unseren Workshops
, so Croll weiter, wollen wir eine breite Diskussion anstoßen zu den Chancen, die das Internet den Menschen bietet, aber auch die Schwierigkeiten dabei in den Blick nehmen.
Bilder, die blinden Menschen Probleme bereiten können, wenn der erklärende Text fehlt, helfen andererseits Menschen mit Lernschwierigkeiten bei der Orientierung im Internet. Für Petra Groß vom Verein 'Netzwerk Mensch zu erst' aus Kassel ist es außerdem wichtig, dass die Texte im Internet in leichter Sprache geschrieben werden, damit sie sie versteht. Das wünscht sich auch Ingeborg Röll, die mit 79 Jahren älteste Teilnehmerin an der Veranstaltung. Die rüstige Dame aus Soest ist gehörlos und unternimmt gerade ihre ersten Schritte im Internet. Eine Webcam auf dem Computer könnte ihr in Zukunft dabei helfen, sich mit anderen Menschen per Internet in Gebärdensprache zu auszutauschen.
Das Internet bietet Menschen mit Behinderungen vielfältige Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe, darin waren sich die Workshopteilnehmerinnen und -teilnehmer einig. Vom Online-Einkauf über Bankgeschäfte bis zur Arbeits- und Ausbildungsplatzsuche oder zur Partnervermittlung reichen die Angebote in der digitalen Welt. Man müsse lernen, das Internet zu verstehen und richtig damit umzugehen, meint eine Teilnehmerin aus dem Bremer Martinsclub. Dann sei es schon eine tolle Sache, im Chat Menschen aus aller Welt zu treffen, aber gelegentlich müsse es auch ein gemeinsames Bier unter Freunden in der Eckkneipe geben.