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Bewerbung im Handwerk lieber offline?

Jutta Croll, Stiftung Digitale Chancen
Quelle: PM Stiftung Digitale Chancen vom 31.08.07

Jugendliche probieren den IT-Fitness-Test im Rahmen des Workshops Surfen, chatten, mailen - Sind Jugendliche heute fit für die Arbeitswelt von morgen?
© Stiftung Digitale Chancen

Sind Jugendliche heute fit für die Arbeitswelt von morgen?

Rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich am 28. August 2007 in Düsseldorf im Rahmen eines Workshops mit der Frage befasst, welche Voraussetzungen junge Menschen für die Informationsgesellschaft mitbringen und welche Hindernisse einer Nutzung des Internet entgegenstehen. Mehr Menschen für die Chancen des Internet zu interessieren, das ist das Ziel der Stiftung Digitale Chancen, die den Workshop in Düsseldorf zusammen mit der Stiftung Partner für Schule in NRW und der Initiative IT-Fitness organisierte.

Der Workshop, der sich an junge Menschen und deren Ansprechpartner in Ausbildung und Beruf wendete, wurde von einer Gruppe von Jugendlichen besucht, die am SCI Moers ein berufsvorbereitendes Jahr in den Bereichen Tischlerei und Garten- und Landschaftsbau absolviert. Das Internet ist den jungen Männern mehr oder weniger vertraut und einige haben den IT-Fitness-Test, der im Rahmen des Workshops vorgestellt wird, schnell absolviert. Nicolay hat sogar schon einen Ausbildungsplatz über das Internet gefunden, den habe er mit seiner Mutter gegoogelt, berichtet der junge Mann stolz, und eine Zusage erhalten. Für die Bewerbung selbst würden die Jugendlichen aber doch lieber eine Mappe auf dem Postweg versenden, als eine E-Mail zu schreiben oder ein Onlineformular auszufüllen. Und damit liegen sie nach Einschätzung der teilnehmenden Lehrer und Sozialarbeiter richtig, denn der Weg zu einem Ausbildungsplatz in einem Handwerksbetrieb führe nur selten über das Internet. Handwerksmeistern ist ein persönlicher Eindruck des Jugendlichen oft wichtiger, berichtet ein Lehrer, der selbst auch Meister für Sanitär- und Heizungsbau ist, über seine Kollegen. E-Mails würden in vielen Betrieben nur unregelmäßig abgefragt, so dass eine Onlinebewerbung hier schnell in's Leere laufen kann.

Wozu Jugendliche das Internet nutzen und mit welcher Motivation sie das tun, wurde in den Arbeitsgruppen am Nachmittag thematisiert. Chatten und Community-Plattformen stehen hoch im Kurs, und die Jugendlichen sind sich sehr sicher, dass sie die damit potentiell verbundenen Risiken gut im Griff haben. Die anwesenden Pädagogen beurteilen dies allerdings weitaus kritischer und sehen einen großen Bedarf für die weitere Auseinandersetzung mit Fragen des Jugendschutzes. Für die bei einer ganzen Reihe von Jugendlichen fehlende Medienkompetenz seien unter anderem die unzureichende Ausstattung der Schulen mit internetfähigen PCs und die vielfach deutlich zu großen Gruppenstärken verantwortlich, aber auch fehlende Qualifizierungsangebote für diese Aufgabe, die sich an Lehrerinnen und Lehrer richten. Zudem hätten in einige Klassen bis zu 50 Prozent der Jugendlichen zu Hause keinen Zugang zum Internet. Eine persönliche Homepage, mit der man sich bei Firmen um einen Arbeitsplatz bewerben kann, hat der Pädagoge Klaus Büchi im Rahmen eines Projektes mit Bochumer Hauptschülerinnen und Schülern erstellt. Wenn bei dem 24 Unterrichtseinheiten umfassenden Kurs Selbstdarstellung und Gestaltung gelingen und Aspekte des Datenschutz nicht zu kurz kommen sollen, darf die Gruppe nicht mehr als zehn Personen umfassen, so Büchi.

Dass die Handwerksbetriebe nachziehen und in zwei bis drei Jahren ebenfalls Onlinebewerbungen erwarten, wie sie heute bereits bei vielen großen Unternehmen üblich sind, ist nach Ansicht der Workshopteilnehmer eine absehbare Entwicklung. Um dann gerade auch Jugendlichen mit niedrigerem Bildungsniveau, die zu Hause über keinen Internetzugang verfügen, die Teilhabe an der Informationsgesellschaft zu ermöglichen und ihnen Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu eröffnen, seien vielfältige Maßnahmen erforderlich. Von den Schulen allein könne diese Aufgabe nicht bewältigt werden, so das Fazit am Ende der Veranstaltung.

Die Veranstaltungsreihe wird am 5. September mit einem Workshop für Frauen in Bremen fortgesetzt. Im Rahmen einer Schlusskonferenz werden am 17. September im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie in Berlin die Ergebnisse aller Workshops öffentlich vorgestellt und diskutiert.

Weitere Informationen zur Veranstaltungsreihe sowie Onlineanmeldung unter www.digitale-chancen.de/gleichheit

Über die Veranstaltungsreihe 'Chancengleichheit in der Informationsgesellschaft'

Anlässlich ihres 5-jährigen Bestehens führt die Stiftung Digitale Chancen im Jahr 2007 insgesamt 5 bundesweit regional verteilte Workshops durch. Thema sind Hindernisse und Barrieren, die einer Internetnutzung entgegenstehen, sowie Angebote und Maßnahmen, durch die diese überwunden werden können. Die im Rahmen der Veranstaltungsreihe 'Chancengleichheit in der Informationsgesellschaft' gewonnenen Erkenntnisse werden von der Stiftung Digitale Chancen ausgewertet und am 17. September 2007 in einer Schlusskonferenz im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie öffentlich vorgestellt. Die Veranstaltungsreihe wird gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie sowie im Rahmen der Nationalen Strategie für das Europäische Jahr der Chancengleichheit für alle 2007 beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Sie wird durchgeführt von der Stiftung Digitale Chancen gemeinsam mit Partnerinstitutionen und -organisationen vor Ort. Von Unternehmensseite sind als Partner dabei: Alcatel-Lucent Stiftung, AOL Deutschland Medien GmbH und Kabel Deutschland GmbH sowie die Unternehmensinitiative IT-Fitness.




Mehr erfahren Sie unter:
http://www.digitale-chancen.de/gleichheit

Im Angebot der SDC seit 03.09.07 (jcr)

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Themenbereiche:
Jugendschutz, Bildungspolitik / Bildungswesen, Grund-, Haupt- und Realschulen, Gymnasien, Medienkompetenz, Berufliche Aus- und Weiterbildung, Mediennutzung durch Jugendliche / Aktivitäten für Jugendliche, Zielsetzung, Vorgehensweise zur Überwindung der Digitalen Spaltung




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