- Das Internet entwickelt sich in Deutschland zunehmend zur Bankfiliale
- 32 Prozent der Bundesbürger führen inzwischen online ein Konto
- Finanzprodukte werden im Internet so stark beworben wie nie zuvor
Das Internet wird immer mehr zur Bankfiliale. 2006 hat bereits jeder dritte
Deutsche zwischen 16 und 74 Jahren (32 Prozent) online ein Konto geführt ?
ein Plus von 6 Prozentpunkten im Vergleich zu 2004 (26 Prozent). Im
laufenden Jahr steigt die Quote auf voraussichtlich 35 Prozent. Gleichzeitig
werden Kredite, Konten und andere Finanzprodukte im Internet so stark
beworben wie nie zuvor. Investierten Banken und Versicherungen im 1. Quartal
2007 etwa 18 Millionen Euro in grafische Online-Werbung, so waren es im 2.
Quartal 23 Millionen Euro (+28 Prozent) und im 3. Quartal schon 28 Millionen
Euro (+22 Prozent). Das teilte der Bundesverband Informationswirtschaft,
Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) heute in Berlin mit. Grundlage
ist eine exklusive Untersuchung von Thomson Media Control.
Ein Zehntel der
grafischen Online-Werbung entfällt damit inzwischen auf Finanzprodukte. Beim
Vertrieb folgen viele Anbieter ihren potenziellen Kunden - ins Internet
,
sagte Prof. August-Wilhelm Scheer, Präsident des BITKOM.
Banken und Versicherungen zeigen damit einen Trend an, der für die
Wirtschaft insgesamt gilt. So kletterten die Ausgaben für grafische
Internet-Werbung über alle Branchen hinweg in den ersten drei Quartalen 2007
auf zusammen 627 Millionen Euro - ein Zuwachs von 68 Prozent (erste drei
Quartale 2006: 373 Millionen Euro). Mit 69 Millionen Euro entfiel ein
Großteil davon auf den Finanzsektor. Besonders stark wurden hier Konten und
Kredite beworben. In diesem Segment summierten sich die Ausgaben auf 32
Millionen Euro. Dahinter folgten Versicherungen und Altersvorsorge mit 16
Millionen Euro auf Platz 2 sowie Fonds und andere Geldanlage-Produkte mit 15
Millionen Euro auf Platz 3.
Zentrales Thema bei Bankgeschäften per Internet bleibt unterdessen die
Sicherheit. Banken und Versicherer setzen auf moderne Technologien, um
Betrugsfälle zu verhindern. Aber auch die Kunden können helfen,
Transaktionen vor unberechtigten Zugriffen zu schützen. So sollten Nutzer
niemals ihre Zugangsdaten für ein Konto an Dritte weitergeben oder auf dem
Computer speichern. Dort könnten sie ausgespäht werden. Genauso wichtig ist
es, die Internetadresse der eigenen Bank von Hand in die Adresszeile des
Browsers einzutippen. Gerade in jüngster Zeit sind per Email viele Links zu
gefälschten Internetseiten verschickt worden. Gibt der Kunde hier seine
Geheimzahlen ein, lesen die Betrüger mit. Die BITKOM-Experten empfehlen
außerdem, stets die aktuellste Version des Betriebssystems oder des Browsers
zu verwenden. Bekannt gewordene Sicherheitslücken sind in der neuesten
Software bereits geschlossen.
Zur Methodik: Sämtliche Angaben zu Werbeumsätzen basieren auf Erhebungen von
Thomson Media Control für den BITKOM und umfassen alle Formen klassischer
Online-Werbung. Dazu zählen grafische Werbemittel wie Banner, Pop-Ups und
Streaming Ads. Suchwort-Marketing und Affiliate-Marketing sind nicht
eingeschlossen. Ausgewiesen ist der hochgerechnete Nettoumsatz. Im Gegensatz
zum Bruttoumsatz gibt er nicht die Summe der Listenpreise wieder, sondern
berücksichtigt unter anderem geschätzte Rabatte und Agenturprovisionen. Der
Unterschied zwischen Brutto- und Nettoumsatz stellt also den Unterschied
zwischen formell ausgewiesenen und tatsächlich bezahlten Anzeigenpreisen
dar. Grundlage für die Angaben zur Nutzung von Online-Banking sind
Erhebungen der europäischen Statistikbehörde Eurostat. Zum Online-Banking
zählen auch andere Finanzdienstleistungen per Internet, beispielsweise der
Aktienkauf. Als Nutzer gilt, wer solche Dienstleistungen in den drei Monaten
vor der Befragung in Anspruch genommen hat.