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Sicher leben im Netz - eine Frage der Technik?

Jutta Croll, Stiftung Digitale Chancen

Infografik: Internetnutzer weltweit

Die Entwicklung des Internet und der Zuwachs an Nutzern haben seit Entstehen des World Wide Web und damit der Erschließung breiter Bevölkerungsgruppen verschiedene Phasen durchlaufen. Während das Internet zunächst vorrangig als eine Quelle von Informationen fungierte, trat in der zweiten Phase die Nutzung als Kommunikationsmedium stärker in den Vordergrund. Am Beginn des neuen Jahrtausends waren interaktive Anwendungen wie E-Learning, E-Shopping und E-Government prägend. Nun stellen wir mit der wachsenden Popularität von Web 2.0 fest, dass ein mehr oder weniger großer Teil unseres sozialen Lebens praktisch im Netz stattfindet.

Gleichzeitig kann man beobachten, dass nicht alle Nutzerinnen und Nutzer diese Entwicklung in gleicher Weise vollziehen und daran teilhaben. Für diejenigen, die das Internet in der Phase kennen gelernt haben, als es von Information und Kommunikation geprägt war, ist es ein Bestandteil ihres Arbeitslebens ebenso wie ihres Privatlebens, der als Ergänzung zu bisherigen Arbeits- und Lebensformen hinzugetreten ist. Anders für diejenigen - vor allem jüngeren Nutzerinnen und Nutzer - die mit den vielfältigen Möglichkeiten und sozialen Funktionen des heutigen Internet praktisch aufgewachsen sind. Durch die weltweit stetig steigende Zahl der Nutzer wächst auch die Zahl derjenigen, für die das Internet von Anfang an ein selbstverständlicher Lebensbestandteil ist.

Dies wurde auch im Rahmen des 3. Projektreffens des Youth Protection Roundtable der Stiftung Digitale Chancen thematisiert. Die Gespräche mit den Jugendlichen des Young Roundtable haben die Überlegung angestoßen, ob aus der unterschiedlichen Internetsozialisation auch eine unterschiedliche Umgehensweise mit vermeintlichen Risiken und Gefahren resultiert.

Im realen Alltag ist es eine Selbstverständlichkeit, dass wir Technik nutzen, um die Sicherheit zu verbessern - das Sicherheitsschloss an der Haustür zum Beispiel oder Airbag und Sicherheitsgurt im Auto. Situationen, in denen wir die Grenzen der Sicherheit austesten oder gar uns selbst gefährden sind eher selten und erfolgen auch dann meist kontrolliert, beispielsweise bei sportlichen Aktivitäten. Dort, wo wir auf vorhandene Sicherheitsausstattungen vertrauen, treten im Allgemeinen Spielregeln des Umgangs hinzu. Trotz einem Höchstmaß an Sicherheitstechnik ist es nicht erlaubt, ein Auto ohne Führerschein zu steuern. Wir wissen, dass die Sicherheitsausrüstung ihre Wirkung nur entfalten kann, wenn wir zuvor die Kenntnis über Verhaltensregeln zu unserer eigenen Sicherheit erworben haben und uns entsprechend benehmen.

In der Onlinewelt müssen wir erst lernen, uns zu orientieren. Erfahrungswissen darüber, was wir ungefährdet tun können und wo es riskant werden könnte, ist bisher kaum vorhanden. Gleichzeitig kennen viele Nutzerinnen und Nutzer die verfügbaren Programme und Werkzeuge, um die eigene Sicherheit im Netz zu erhöhen. So sind laut einer aktuellen Befragung des Unternehmens AOL Virenscanner bei 94 % der Kunden bekannt, Spamfilter bei 79 %, und Kindersicherungsprogramme bei 49 %. Aber der Prozentsatz derjenigen, die diese tatsächlich anwenden, liegt in allen Fällen darunter. Nur 28 % aller Befragten wissen, wo man jugendgefährdende oder illegale Inhalte melden kann. Von denjenigen mit minderjährigen Kindern spricht nur ein Viertel mit diesen über Gefahren aus dem Internet.

Im Rahmen des Youth Protection Roundtable erarbeitet die Stiftung Digitale Chancen gemeinsam mit den 32 am Roundtable beteiligten Unternehmen und Organisationen Empfehlungen, die einerseits dazu beitragen sollen, die Zahl der Anwender zu steigern, gleichzeitig aber darüber aufklären, wie weit die Wirksamkeit der Technik reicht und welche ergänzenden Maßnahmen hinzu treten müssen. Während Erwachsene - Eltern und Pädagogen - entsprechende Informationen zumindest teilweise nachfragen, halten sich die Jugendlichen selbst für Experten in Sachen Sicherheit. Aber auch von den jungen Teilnehmenden am Young Roundtable, gab immerhin ein Viertel an, dass auf dem PC, den sie am häufigsten benutzen, keine Filtersoftware installiert sei, und rd. ein Drittel wusste dies nicht einmal. Das bedeutet nicht nur, dass diese Jugendlichen uneingeschränkten Zugriff auf gefährdende Inhalte haben, sondern auch, dass sie die Inhalte, zu denen sie Zugang erhalten, vielleicht falsch bewerten. Nicht jede Filtersoftware gibt eine Meldung an die Nutzer, wenn eine Seite geblockt wird. Art und Umfang der Ergebnisse einer Suche nach bestimmten Inhalten sind daher sowohl von der Kompetenz des Nutzers als auch den Einstellungen der möglicherweise installierten Filtersoftware abhängig. Die von der Unternehmensberatung Deloitte im Auftrag der EU-Kommission durchgeführte SIP-Benchmark Studie 2007 weist Raten aus von 40 % schädlichen Inhalten, die trotz installierter Filtersoftware angezeigt werden, und 20 % erwünschten Seiten, die ungerechtfertigt durch den Filter blockiert werden (so genanntes 'Underblocking' und 'Overblocking'). Dies zu wissen und Suchresultate entsprechend einschätzen zu können, ist wesentlicher Bestandteil der Medienkompetenz. Die Tests von SIP-Benchmark werden übrigens von Nutzerinnen und Nutzern selbst durchgeführt, Interessenten können sich unter der angegebenen Website noch für die Studie 2008 bewerben.

Ein weiteres technisches Instrument, um den Zugang für Kinder und Jugendliche zu nicht angemessenen Inhalten zu verhindern, sind so genannte Altersverifikationssysteme. Nur Personen, die gesichert nachweisen können, dass sie eine festgelegte Altersgrenze überschreiten, können damit zum Beispiel auf bestimmte pornographische Angebote zugreifen. Mit dem elektronischen Personalausweis, der am 23. Juli per Kabinettsbeschluss auf den Weg gebracht wurde, kann voraussichtlich ab dem Jahr 2010 eine Alterskontrolle für ab 16-Jährige online erfolgen; für Kinder und jüngere Jugendliche ist ein solcher Ausweis bisher nicht vorgesehen. Da aber gerade diese Gruppe zu den intensivsten Nutzern zählt, wird ein entsprechendes Instrument benötigt, um einen Altersnachweis im Internet zu ermöglichen, der gerade in sozialen Netzwerken helfen kann, unangemessene Kontakte und Selbstdarstellungen zu verhindern.

Kinder und Jugendliche haben ein hohes Sicherheitsbedürfnis, wie uns die Gespräche mit dem Young Roundtable bestätigt haben, und sie sind bereit, technische Unterstützung anzunehmen. Gemeinsam mit dem Young Roundtable haben wir im Klettergarten Pottenstein die Erfahrung gemacht, dass eine Sicherheitsausrüstung nicht lästig sein muss, sondern hilft, Spaß und Abenteuer miteinander zu verbinden. Die Bereitschaft, im Internet ebenfalls technische Sicherheitslösungen zu akzeptieren und einzusetzen, ist durch dieses Erlebnis bei allen Teilnehmenden gestiegen.




Im Angebot der SDC seit 30.07.08 (sbe)

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Datenschutz, Jugendschutz, Sicherheit




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