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Laut dem OECD Bericht "Mehr Ungleichheit trotz Wachstum" sind die Einkommensungleichheit und die Armut in Deutschland stärker angestiegen als in den übrigen 30 OECD Ländern - diese Entwicklung ist den letzten 5 Berichtsjahren (von 2000 bis 2005) stärker vorangeschritten als in den 15 Jahren zuvor (1985-2000). Insgesamt gesehen wird der zu beobachtenden Anstieg in zwei Drittel aller OECD-Länder in dem Bericht als deutlich, aber moderat bezeichnet.
Die OECD Länder wurden in fünf Gruppen eingestuft. In Dänemark und Schweden sind sehr geringe Disparitäten zu verzeichnen, sie liegen mehr als 25% unter dem OECD Durchschnitt. Die zweite Gruppe liegt zwischen 3% und 17% unter dem Durchschnitt, wozu Länder wie Österreich, Frankreich, Deutschland und Australien zählen. Länder wie Kanada, Spanien und Großbritannien liegen etwas über dem Durchschnitt (1% - 8%) - Polen Portugal und Italien übersteigen den Durchschnitt um 13 % bis 24%. Die Türkei und Mexiko (mit 38% und 52% über dem Durchschnitt) weisen die höchste Einkommensungleichheit auf.
Die Regierungen in den Industriestaaten haben die Steuern und Ausgaben - vor allem für Sozialpolitik - kontinuierlich erhöht, um dem Trend der anwachsenden Ungleichheit entgegenzuwirken. Anfangs dämpfte dieser Umverteilungseffekt den Anstieg der Armut (in den 80er Jahren), verstärkte ihn darauf jedoch (seit Mitte der 90er Jahre), da die Transferleistungen weniger gezielt auf niedrig verdienende Haushalte ausgerichtet wurden - in Deutschland weniger gezielt als in den anderen Ländern.
Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt und der Haushaltsstrukturen sind wesentliche Faktoren für wachsende Ungleichheiten: In Deutschland ist der Anteil der Arbeitslosenhaushalte um 4 Prozentpunkte auf 19 Prozent angestiegen, was den höchsten Wert aller OECD-Länder ausmacht - weiterhin hat die Anzahl der Einpersonenhaushalte und der Alleinerziehendenhaushalte zugenommen.
Bezogen auf die Gesamtbevölkerung ist die Einkommensarmut in Deutschland seit 1985 von 6 Prozent auf 11 Prozent in 2005 angestiegen - vor allem bei jungen Menschen und Familien mit Kindern. Bei älteren Menschen ist kein Anstieg zu Verzeichnen, dort ist die Quote bei ca. 7 % (66- bis 74-Jährge) und bei ca. 11% (über 75-Jährige) recht stabil geblieben. Die Kinderarmut hingegen hat in den Berichtsjahren überdurchschnittlich von 7 Prozent auf 16 Prozent zugenommen. Dies ist besonders besorgniserregend, da das Wohlergehen und die Versorgung im Kindesalter sehr wichtige Voraussetzungen für den weiteren Lebensweg sind. Auch bezogen auf alle untersuchten Länder liegt die Armutsquote der Kinder über dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung des OECD Raumes.
In dem Bericht wird jedoch auch darauf hingewiesen, dass es nicht allein auf das Einkommen der Bevölkerung ankommt - öffentliche Dienstleistungen wie Bildung und Gesundheit können auch sehr gut gegen die Ungleichheiten wirken. Die soziale Mobilität, das heißt die Bewegung zwischen sozialen Klassen und Schichten, ist in Deutschland höher als z.B. in den USA oder Italien. Der Bericht stellt jedoch erneut fest, dass der berufliche Status und das Einkommen der Eltern die Bildungserfolge der Kinder bestimmt. Dies bedeutet, dass eine größere Chancengleichheit mit einer höheren Einkommensgleichheit einhergeht.
Die Globalisierung und der technologische Wandel werden als starke Einflussfaktoren auf diese Entwicklung, d.h. die Zunahme der Ungleichheiten, benannt. Diejenigen, die das Internet zu nutzen wissen, werden hier als Gewinner bezeichnet, die sich immer weiter von denjenigen entfernen, die dazu nicht in der Lage sind.
Weitere Informationen entnehmen Sie bitte der Internetseite zum Bericht Mehr Ungleichheit trotz Wachstum.