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Klicken und Lernen - Bildung im Wandel: Jahreskongress 2008 der Initiative D21

Jutta Croll, Susanne Bernsmann, Solveig Eckold, Stiftung Digitale Chancen
Quelle: eigener Bericht vom 21.11.08


Ausstellung beim D21-Jahreskongress 2008
© Initiative D21

Mit dem Thema Bildung in der Informationsgesellschaft befasst sich die D21-Jahrestagung 2008, die am 14. 11. 2008 im Berliner Estrel Convention Center stattfand. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie der technologische Fortschritt in einen Bildungsfortschritt umgewandelt werden kann. Hannes Schwaderer, Vizepräsident der Initiative D21 eröffnete die Veranstaltung und begrüßte als Hauptrednerin Bundesbildungsministerin, Dr. Annette Schavan.

Sie lobte Initiativen der Wirtschaft, mit denen Impulse zur engen Verknüpfung von IKT und Bildung gegeben werden. Schavan hob hervor, dass die neue Lernkultur durch IKT eine hohe Individualisierung und gleichzeitig eine größere Unabhängigkeit von Institutionen mit sich bringe.

Zu einer modernen Pädagogik gehört eine digitale Lernkultur. Die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) bieten heute ganz neue Zugänge zu Bildungsinhalten. In der Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts ist der sichere Umgang mit Computer und Internet elementar für alle Bildungsverläufe. So müssen auch alle Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit haben, den verantwortungsvollen und intelligenten Umgang mit den neuen Medien zu lernen und zu praktizieren.

Auch mit Blick auf den Fachkräftebedarf betonte die Ministerin die Notwendigkeit der Vermittlung von Medienkompetenz, um mit der schnellen Entwicklung in den naturwissenschaftlichen Fächern mithalten zu können. Kritik an den Ergebnissen des Bildungsgipfels wies die Ministerin mit dem Hinweis zurück, dass heute die Weichen für die zukünftige Bildungslandschaft in Deutschland gestellt würden. In einigen Jahren werde man den Bildungsgipfel 2008 als einen Meilenstein dieser Entwicklung betrachten.

In der anschließenden Keynote hob Professor Dr. Gunter Dueck, IBM Distinguished Engineer die Bedeutung der Infrastruktur hervor. Solange nicht an jedem Ort in Deutschland Breitbandzugang zu erschwinglichen Kosten zur Verfügung stehe, sei eine wirklich innovative Entwicklung nicht zu erwarten. Zu viele Hürden stünden noch auf dem Weg zur Informationsgesellschaft und würden sowohl im privaten als auch im wirtschaftlichen Bereich weitere Entwicklungen verhindern. Der Weg in die Zukunft müsse durch Ausbau der Infrastrukturen vorangetrieben werden, dabei sei es wichtig, genaue Termine festzuschreiben, um Investitionssicherheit zu gewährleisten. Die von Dueck vorgestellte Idee eines Raum füllenden Monitors, der den Großeltern und ihren hunderte von Kilometern entfernten Enkeln die Illusion eines gemeinsamen Frühstücks ermöglichen soll, löste beim Publikum Erstaunen und Heiterkeit aus ebenso wie der Vorschlag, anstelle einer vom Lehrer vergebenen Note Schülerleistungen durch die Community mittels einer Web 2.0-Anwendung bewerten zu lassen.

Im Rahmen des Jahreskongresses wurden auch die Gewinner des D21-Projektes "Die besten Lehrkräfte für Deutschlands Schulen der Zukunft!" gekürt. In Camps wurden Referendar/innen und Junglehrkräfte auf die gezielte Vermittlung von Medienkompetenz vorbereitet. Neue Konzepte für pädagogisch innovative Lehrmethoden sowie moderne Schulorganisation wurde diskutiert und erarbeitet. Die in den Camps entstandenen Ideen werden auf dem Projektblog unter www.blog.initiatived21.de präsentiert. Die besten Vorschläge für Schule und Unterricht aus den Projekt-Workshops wurden dabei mit Flugreisen zum PISA-Gewinner Finnland prämiert.

Am Nachmittag wurden in verschiedenen Foren unterschiedliche Themenschwerpunkte diskutiert. Die Foren beschäftigten sich mit den Themen

  • Problem Fachkräftemangel - Der IKT Nachwuchs an den Hochschulen
  • Medienkompetenz und Digitale Didaktik - Lern- und Lehrkultur an den Schulen
  • E-Learning in der Verwaltung - Neue Chancen der Aus- und Weiterbildung
  • IKT und Gesundheit - Lebenslanges Lernen für das eigene Wohl

Im Forum Medienkompetenz und digitale Didaktik - Lehr- und Lernkultur an unseren Schulen waren sich die Teilnehmer einig darüber, dass es derzeitig noch zu wenig didaktische Konzepte für den Einsatz von Computer und Internet in den einzelnen Fächern gibt. Die vorhandenen Konzepte sind oft noch nicht bei der Allgemeinheit der Lehrerschaft angekommen. Digitale Kompetenz sollte nicht in einem separaten Fach gelehrt werden, sondern in alle Fächer integriert werden. Dazu muss sich die Lehrerausbildung verändern, damit die jungen Lehrer auf die neuen Herausforderungen vorbereitet sind. Alle Lehrer müssen für den Einsatz der neuen Medien in ihrem Fach ausgebildet werden. Fortbildungen sollten als fester Bestandteil in den Schulalltag integriert werden. Und schließlich müssen die Schulen entsprechend ausgestattet werden. Ein Computerraum in der Schule reicht nicht aus, um den Einsatz von digitalen Medien in allen Fächern möglich zu machen. Im 45-Minutentakt kann die Integration von Computer und Internet nicht gelingen.

Gabi Reinmann (Professorin an der Universität Augsburg) gab zu bedenken, dass es nicht darum gehen kann Kindern und Jugendlichen technische Basisfertigkeiten am Computer und im Internet beizubringen. Die KIM- und JIM-Studie haben erwiesen, dass Kinder und Jugendliche in der Lage sind, sich technische Grundkompetenzen von Computer und Internet alleine beizubringen. Viel wichtiger ist laut Gabi Reinmann das Thema Sprache als Handwerkszeug. Sprach-, Urteils- und Kritikfähigkeit sind die Kernkompetenzen, um digitale Medien zur Information, zur Kommunikation und zur Partizipation am virtuellen Leben zu nutzen. Wenn wir Sprach-, Urteils- und Kritikfähigkeit ins Zentrum der Diskussion stellen, dann ist die Beschäftigung mit diesen Themen wieder ureigenstes Kerngeschäft der Schule. Wir müssen begreifen, dass digitale Kompetenz nicht nur etwas Technisches ist, so Gabi Reinmann.

Die am Vormittag durch die zündenden Ideen von Professor Dueck geweckte Aufbruchstimmung konnte auch durch die teilweise ernüchternde Bestandsaufnahme in den Foren nicht getrübt werden. Dazu trugen auch die innovativen Bildungsangebote bei, die im Rahmen einer Ausstellung präsentiert wurden. Etablierte Unternehmen wie Fujitsu Siemens oder Intel zeigten ihre Produkte ebenso wie der Newcomer scoyo, der spielerisches Lernen mit Spaß auf einer Internetplattform propagiert, während Projekte wie die Initiative klicksafe oder Jugend online die Notwendigkeit von Sicherheit und Jugendmedienschutz betonten.

So fällt denn auch das Fazit trotz der noch zu bewältigen Aufgaben hoffnungsvoll aus: Wer die Notwendigkeit zur Veränderung erkannt hat, hat schon einen großen Schritt in Richtung Zukunft getan. Wie schnell sich das träge deutsche Bildungssystem allerdings dahin bewegt, hängt auch davon ab, wie viele Beteiligte bereit sind, sich auf den Veränderungsprozess einzulassen und dieser Veränderung vielleicht sogar noch ein wenig Spaß abzugewinnen.




Mehr erfahren Sie unter:
http://www.initiatived21.de

Im Angebot der SDC seit 21.11.08 (jcr)

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Themenbereiche:
Bildungspolitik / Bildungswesen, Zielsetzung, Vorgehensweise zur Überwindung der Digitalen Spaltung, Infrastruktur




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