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Kostengünstige Computer für alle

Rachel Anderson, Digital Divide Network
Quelle: The Digital Beat vom 23.08.01

Von dem kommunikationsgesättigten Standpunkt hier in Nordamerika aus kann man leicht vergessen, dass die Mehrheit der Weltbevölkerung noch nie telefoniert geschweige denn das Internet benutzt hat. In vielen Entwicklungsländern belaufen sich die bloßen Kosten eines Computers auf mehr als das durchschnittliche Jahresgehalt eines Arbeiters. In einem Versuch, die unbezahlbaren Kosten dieses zunehmend wichtigen Teils der IT-Hardware zu überwinden, haben Wissenschaftler in den Entwicklungsländern die Sache in ihre Hände genommen und beginnen, billige Computer zu entwickeln, die den speziellen Bedürfnissen der benachteiligten Bevölkerungsgruppen ihrer Länder entsprechen. Die brasilianische Regierung hat kürzlich ein Projekt angekündigt, mit dem abgespeckte Tischcomputer – "Volks-PCs" – für ca. 300 $ zur Verfügung gestellt werden sollen. Die Entwickler konnten dadurch Kosten einsparen, dass sie das kostenlose Open-Source Linux als Betriebssystem verwendeten anstelle von Windows von Microsoft. Indische Ingenieure haben - auch mit Linux, aber nicht als Tischgerät - einen Handcomputer entworfen, mit dem die ländliche Bevölkerung von der Informationstechnologie profitieren kann, selbst wenn sie nicht lesen kann. Beide Initiativen zeigen die innovativen Ansätze der Entwicklungsländer, um ihre Bürger in das digitale Zeitalter zu bringen. "Volks-PCs" Ivan Moura Campos, Vorsitzender des Internet-Steuerungskomitees Brasiliens und der führende Kopf des brasilianischen "Volks-PC"-Projekts, erklärte vor kurzem in einem Interview in Wired News, dass Länder wie Brasilien nie die digitale Kluft überwinden werden, wenn sie sich ausschließlich auf die aus reicheren Ländern importierte Technologie verließen. "Wir haben festgestellt, dass dies kein Problem der Ersten Welt ist," sagte er. "Wir fänden keine schwedische oder schweizerische Firma, die dies für uns lösen würde. Wir müssen es selbst machen." Brasilien ist zweifellos führend in Lateinamerika, was den Internetzugang betrifft. In einer vor kurzem von eMarketer (http://www.emarketer.com/welcome.html) durchgeführten Studie wurde festgestellt, dass sich 40 % der Internetnutzer Südamerikas in Brasilien befinden – obwohl nur 5 % der Einwohner einen Internetanschluss haben. Als Teil von umfassenden Maßnahmen der Regierung, den Zugang zur Informationstechnologie zu erweitern, beauftragte sie Ende letzten Jahres Wissenschaftler, eine möglichst billige Maschine für den Zugang zum Internet zu entwickeln. Daraufhin haben Wissenschaftler der Federal University Minas Gerais einen Prototyp des "Volks-PCs", oder auf portugiesisch "Computador Popular", geschaffen. Dieses Internetgerät, das weder ein Diskettenlaufwerk noch ein Festplattenlaufwerk aufweist, besitzt viele der Attribute, die man von einem erschwinglichen PC erwartet: einen 500 Mhz-Prozessor, 64 MB Speicher, eine Ethernet-Karte. ein 65K-Modem, einen 14-Zoll-Monitor, Sound- und Video-Karten, Serien- und USB-Eingänge, eine Maus und eine Tastatur. Die Kunden können auch preiswerte Festplatten und andere Peripheriegeräte zu ihren Computern kaufen. Mit der ersten Ladung der "Volks-PCs" werden Schulen, Bibliotheken und Gesundheitszentren mit einem Internetanschluss ausgestattet. Die staatliche Bank Caixa Economica Federal hat sich einverstanden erklärt, Haushalten mit geringem Einkommen Kredite für die Anschaffung der Computer zu gewähren, die sich auf ca. 15 Dollar pro Monat mit einer Laufzeit von 24 Monaten belaufen werden. Einige Kritiker haben zwar eingewandt, dass Brasilien dringendere soziale Probleme hat als die Bereitstellung von Computer für die breite Bevölkerung. Dennoch ist es eine Priorität der Regierung, die geringverdienenden Brasilianer dabei zu unterstützen, die sozialen und ökonomischen Vorteile des Internet zu genießen. Sie hat angekündigt, dass sie in diesem Jahr 5400 Millionen Dollar für die Verbreitung der Internetnutzung in Brasilien investieren wird. Mit Hilfe ihres Universal Access Plans will die Regierung die Erweiterung der Telekommunikationsinfrastruktur auf verarmte und geographisch isolierte Gebiete unterstützen. Zusätzlich hat die brasilianische Post ein Programm namens Porta Aberta, Offene Tür, gestartet, das der Öffentlichkeit freien Zugang zu Internetkiosken in den Postämtern der größten Städte des Landes bietet. Ein kleiner Computer kann es weit bringen In einem Land wie Indien, wo fast 50 % der Bevölkerung nicht lesen und schreiben können, reicht es nicht, den Zugang zu Computern und dem Internet bereitzustellen. Diese Tatsache motivierte ein Team aus indischen Wissenschaftlern und Ingenieuren, für Menschen mit beschränkter Lese- und Schreibfähigkeit und geringen Computerkenntnissen einen Weg zu schaffen, wie sie den Informationsreichtum im Netz für sich nutzen können. Das Team hat einen kleinen starken Computer entwickelt, den "Simputer" ("simple inexpensive mobile computer" – ein einfacher, billiger und mobiler Computer), der den Text von Webseiten in einer Reihe von Indiens zahlreichen Sprachen vorliest. Feldtests mit den ersten funktionierenden Prototypen des Simputer, der ca. 200 $ kosten wird, haben in diesem Monat begonnen. Er ist ein wenig größer als die beliebten Handheld-Computer und verfügt über einen Browser, E-Mail-Software, ein Text-Sprache-Programm für mehrere indische Sprachen und einen MP3-Player. Das Gerät, das ab März 2002 zum Verkauf stehen soll, läuft mit den allgemein verbreiteten AAA-Batterien. Eine Gruppe von sozial engagierten Akademikern und Technologen aus der Computerindustrie Indiens bildeten den gemeinnützigen Simputer Trust und bieten sowohl die Software als auch die Hardwäre für das Gerät als Open-Source-Technik an. Ihre Vision ist, nicht nur einen Computer zu schaffen, sondern auch eine "sich entwickelnde Plattform für soziale Veränderungen" weltweit, mit deren Hilfe die digitale Kluft überbrückt werden kann. Besonders faszinieren sie die Möglichkeiten, die die Simputertechnik für Indiens riesige Landbevölkerung bietet. Indiens Bauern könnten das Gerät z.B. nutzen, um die örtliche Wettervorhersage oder die letzten Marktpreise für ihre Erzeugnisse abzufragen. Die Schöpfer des Simputers weisen auch auf das Potential hin, das er als Zugangsmöglichkeit zu Verwaltungs- und Gesundheitsdienstleistungen bietet. Für die 99 % der Inder, die zur Zeit noch keinen Internetzugang haben, ist eines der praktischsten Leistungsmerkmale der Smart-Card-Eingang des Simputers. Der niedrige Preis des Computers übertrifft immer noch das, was sich die meisten Inder leisten können, daher suchten die Entwickler einen Weg, wie viele Personen sich ein Gerät teilen können: Sie aktivieren ihren persönlichen Account mit Smart Cards. Simputer könnten sogar in den allgegenwärtigen öffentlichen Telefonkiosken des Landes auftauchen, wo ein ganzes Dorf von dem Internetzugang profitieren könnte. Während globale Technologiefirmen sich nicht gerade überschlagen, um ihre Produkte den Menschen in weniger entwickelten Ländern zugänglich zu machen, ist es gut zu wissen, dass es Bemühungen an der Basis gibt, um den Massen Zugang zu digitalen Informationen zu verschaffen. Die Experimente in Indien und Brasilien könnten sogar zeigen, dass die Entwicklung von preisgünstigen Computern für den Massenverbrauch wirtschaftlich rentabel ist. Auf der Konferenz "Digital Dividends" vorigen Herbst in Seattle rief C. K. Prahalad, ein Betriebswirtschaftsprofessor der Universität von Michigan, die Teilnehmer dazu auf, die Art, wie die wirtschaftlich unteren Schichten der Gesellschaft betrachtet werden, zu überdenken und wies darauf hin, dass neue Geschäftsmodelle erforderlich seien, die sich an diese Schichten richten. "Wie kann man es schaffen, die Armen nicht länger als unlösbares Problem zu betrachten, sondern als ein Markt und eine Quelle der Innovation?" fragte er. Entsprechende Websites: Brazilian Committee for Internet Administration http://www.cg.org.br/ Simputer http://www.simputer.org/simputer/ Indian Institute of Science (IISc) http://www.csa.iisc.ernet.in/


Mehr erfahren Sie unter:
http://www.digitaldividenetwork.org/content/stories/index.cfm?key=178

Im Angebot der SDC seit 13.09.01 (jcr)

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