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Ältere Leute und Technik - ein sozialer Bedarf, eine wirtschaftliche Chance? Teil 2

Dr. Gail Bradbrook, Citizens Online

Die e-Health Unit am Sotiria-Hospital hat die Nutzung von IKT in die klinische Praxis integriert, um eine Gesundheits- und Sozialfürsorge und das Management von chronischen Krankheiten zu Hause und in der Gemeinschaft zu entwickeln. Patienten oder Pfleger nutzen TV, Echtzeit-Video und stationäre oder mobile "Wearable"-Geräte. Dieser Ansatz reduziert die Aufnahmen ins Hospital und die Verweildauer. Für Patienten, die an abgelegenen Orten wohnen, kann dies von besonderer Bedeutung sein, wenn Überwachung und Unterstützung angeboten werden, wenn die Fahrt zum Krankenhaus aufgrund schlechter Wetterbedingungen nicht möglich ist.

Natürlich gibt es bei diesen Projekten und Bestrebungen eine Reihe von ethischen Fragen zur Anwendung. Werden die Würde und die Privatsphäre respektiert? Welche Triebkräfte unterstützen die Verbreitung und Anwendung von Technik? Und so weiter. Die Themen wurden einem detaillierten Review und Stakeholder-Dialog3 unterzogen; es gab eine Reihe von Vorschlägen, wie die Europäische Kommission diesen Bereich regulieren könnte.

Wenn ethische Fragen angemessen behandelt werden, ist die Entwicklung eines inklusiven digitalen Zeitalters in Europa eine soziale Notwendigkeit angesichts der gemeinsamen Ziele der Chancengleichheit für alle und der Lebensqualität. Darüber hinaus gibt es auch wirtschaftliche Chancen.

Europas Bevölkerung altert: die Lebenserwartung ist von 55 im Jahre 1920 auf heute über 80 gestiegen. Mit der in Rente gehenden Baby-Boom-Generation wird die Zahl der Menschen im Alter zwischen 65 und 80 zwischen 2010 und 2030 um fast 40 % steigen.4 Diese demographische Veränderung bedeutet eine signifikante Herausforderung für die Gesellschaft und Wirtschaft Europas. Die Anzahl der Menschen über 80 wird sich bis 2050 fast verdoppeln.5 Die Ausgaben für Renten, Gesundheit und Pflege werden in den kommenden Jahrzehnten um 4-8 % des BIP steigen. Das Verhältnis von Arbeitnehmern (die diese Ausgaben schultern) zu Rentnern wird bis 2050 von 5:1 auf 2:1 fallen.6

Europas alternde Bevölkerung ist eine Herausforderung für den Arbeitsmarkt und die Sozial- und Gesundheitssysteme. IKT gestattet den älteren Menschen eine längere Zeit der Aktivität und Produktivität; sie können sich länger gesellschaftlich engagieren und eine gesünderes und qualitativ besseres Leben führen. Das Potenzial kann wie folgt gezeigt werden:

  • 68 Mio. Menschen hatten 2005 mehrere Arten von altersbedingten Beeinträchtigungen. Diese Zahl wird auf 84 Mio. im Jahre 2020 steigen.7
  • Europäer über 65 verfügen über Mittel und Einkünfte von über 3000 Milliarden.7
  • Der Markt für smarte Heimanwendungen (altersgemäße Hilfe beim Einkaufen, Anziehen, Sich-Eigenständig-Bewegen) wird sich zwischen 2005 und 2020 verdreifachen von 13 Mio. auf 37 Mio.7
  • Die frühe Entlassung von Patienten aus dem Krankenhaus wegen der Einführung von mobiler Gesundheitsüberwachung würde jährlich 1,5 Milliarden Euro in Deutschland einsparen.

Care Coordination/Home Telehealth (CCHT) ist ein landesweites Programm in den USA, das von der Veterans Health Administration (VHA) durchgeführt wird. Die Kosten von CCHT liegen im Durchschnitt bei 1.150 Euro pro Jahr pro Person; das wurde verglichen mit den 9.400 Euro pro Jahr für den Pflegedienst der VHA und den 55.700 Euro pro Jahr für die Pflege in einem privaten Pflegeheim. Informationen über die Zufriedenheit der Patienten werden alle drei Monate gesammelt, und die Bewertung der Zufriedenheit liegt bei bis zu 86 %. Die Reduzierung der Krankenhauseinweisungen von 19,7 % und die Bettenbelegung pro Tag von 25,3 % wurden sehr begrüßt.

Ein Bericht über das Telepflege-Entwicklungsprogramm in Schottland kommt zu dem Schluss, dass in den Jahren 2007/2008 11,15 Mio. GBP eingespart wurden, weil 7.902 Menschen eine Telepflege-Ausstattung erhalten hatten. Geschätzt wird, dass in den Jahren 2007 bis 2010 insgesamt mindestens 43 Mio. GBP eingespart werden.8

Es gibt jedoch viele Hindernisse für das Wachstum auf dem Markt für Produkte und Dienstleistungen bei IKT und Altern (fehlende Standards, Unsicherheit bezüglich der Nachhaltigkeit der Businessmodelle und Fragmentierung sind einige davon). Fallstudien zu den politischen Maßnahmen, der Beschaffungspraxis und den Programmen, mit denen die Implementierungshindernisse überwunden wurden, werden in der EU geprüft mit dem Ziel, gute Praxis bekannt zu machen und die Vorteile in größerem Maßstab zu realisieren.

Ältere Leute ins Internet einzuführen und für die digitale Welt vorzubereiten wird für diese ein Vorteil sein; es wird aber auch die Möglichkeit eröffnen, Lösungen für eine nachhaltige Sozial- und Gesundheitsversorgung von hoher Qualität für eine alternde Bevölkerung zu finden. Die potenziellen wirtschaftlichen Chancen sind riesig, solange die Markthindernisse kontinuierlich bearbeitet werden und die ethischen Dimensionen vollständig berücksichtigt werden. Hier sind überzeugende Maßnahmen auf europäischer und staatlicher Ebene gefragt. Das erfordern die sozialen Notwendigkeiten und die wirtschaftlichen Chancen gleichermaßen.

Gail Bradbrook arbeitet bei Citizen Online, einer unabhängigen, landesweit tätigen, gemeinnützigen Organisation in Großbritannien, die sich ausschließlich mit der Förderung der digitalen Inklusion befasst. Ihre Vision ist, "die Vorteile der digitalen Technik leicht zugänglich und für alle verwendbar zu machen und eine gerechte und inklusive Gesellschaft zu fördern".

Gail leitet die Beratungsabteilung von Citizen Online, zu deren Kunden die Europäische Kommission, Becta und das Welsh Assembly Government gehört. Ihre Rolle beinhaltet auch die strategische Schwerpunktsetzung der Organisation einschließlich Lobbyarbeit auf nationaler Ebene sowie die Arbeit mit Partnern zur Projektentwicklung und Zusammenarbeit.

Die Europäische Kommission beauftragte Citizen Online, einen pan-europäischen Austausch zum Thema Inklusion zu entwickeln.

Das Programm von Lissabon will die EU "bis 2010 zur dynamischten und wettbewerbsfähigsten wissensbasierten Wirtschaft der Welt machen, in der nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum mit mehr und besseren Arbeitsplätzen, einem stärkeren sozialen Zusammenhalt und Respekt für die Umwelt verwirklicht werden".9 Ein wichtiger Teil davon ist der 2005 herausgebrachte Politikrahmen i2010.10

Die drei wichtigsten Ziele von i2010 sind folgende:

  • die Schaffung eines einzigen europäischen Informationsraums zur Förderung eines offenen und wettbewerbsfähigen Binnenmarkts für die Informationsgesellschaft und Mediendienste,
  • die Stärkung von Investitionen und Innovationen in der IKT-Forschung,
  • die Unterstützung von Inklusion, besseren öffentlichen Dienstleistungen und Lebensqualität durch die IKT-Nutzung.

Informationen über politische Maßnahmen zur e-Inklusion unter

http://ec.europa.eu/einclusion

und über Politik zur alternden Gesellschaft unter

http://ec.europa.eu/information_society/activities/einclusion/policy/ageing/index_en.htm


[3]ICT and Ageing: Users, Markets and Technologies, Compilation report on ethical issues, Januar 2009, Empirica, WRC & TUW für die Generaldirektion Informationsgesellschaft und Medien sowie SENIOR-Projekt unter FP7
[4]Europäische Kommission COM (2005)658, Review of the Sustainable Development Strategy; COM (2006) 57, The demographic future of Europe - from challenge to opportunity.
[5]Ageing well in the information society, Europäische Kommission, Juni 2007; http://eurlex.europa.eu/LexUriserv/LexUriServ.do?uri=CELEX:52007DC0332:EN:NOT
[6]Europäische Kommission COM (2006) 571, The demographic future of Europe - from challenge to opportunity.
[7]Europäische Kommission COM (2007) 332, Ageing well in the information society - Action plan on information and communication technologies and ageing.
[8]Regierung von Schottland, Joint Improvement Team, Telecare Development Programme: Monitoring Telecare Progress, Mai 2009. http://www.jitscotland.org.uk/downloads/1242917400-Telecare%20Development%20Programme%20%282008-2010%29_%20Evaluation%20-%20Monitoring%20Progress%20Final%20Report%202008_9%20-%20May%202009.pdf
[9]Europäische Kommission 2000
[10]ec.europa.eu/information_society/eeurope/i2010


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