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Auf einem Treffen des Internet-Verwaltungsforums (Internet Governance Forum, IGF) begrüßte die Europäische Kommission heute in Sharm El-Sheikh (Ägypten) die Ankündigung, dass "internationale Domänennamen (IDN)" auf der obersten Domänenstufe eingeführt werden, als einen Meilenstein auf dem Weg zu einem wirklich globalen (und gleichzeitig lokalen) Internet. Bisher mussten Internet-Domänennamen zwingend entweder ganz oder zumindest teilweise aus Schriftzeichen des lateinischen Alphabets (von a bis z) bestehen. ICANN, die Zentralstelle für die Vergabe von Internet-Namen und -Adressen (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers), die das zentrale Stammverzeichnis des Internet verwaltet, gab heute den Beginn eines Schnellverfahrens bekannt, mit dem die Länderdomänen (wie z. B. ".eu" in europa.eu) für nicht-lateinische Schriftzeichen geöffnet werden sollen. Das bedeutet, dass die Europäer, besonders natürlich die Griechen, Bulgaren und Zyprer, bald Domänennamen in ihren eigenen Alphabeten verwenden können. Viviane Reding, die für Internet und Telekommunikation zuständige EU-Kommissarin, stellte diese für die Mehrsprachigkeit wichtige Entwicklung heraus und rief dazu auf, den Zeitrahmen des Internet-Verwaltungsforums, das eine einzigartige Plattform für den multilateralen Dialog der weltweiten Internetgemeinschaft darstellt, zu verlängern.
Die Online-Welt sollte ein Spiegel der kulturellen und sprachlichen Vielfalt in der Offline-Welt sein. Deshalb sollte es das Internet nicht nur auf Englisch geben, sondern auf Arabisch, Bulgarisch, Griechisch, Farsi, Hindu und Chinesisch. Ich bin hocherfreut über die jüngsten ICANN-Schritte zur weiteren Öffnung der Domänennamen für andere Alphabete und Zeichensysteme. Die Kommission fordert dies schon seit Jahren" , sagte EU-Kommissarin Reding. "In Europa sind wir mit unseren Plänen, griechische und kyrillische Buchstaben noch vor Jahresende in Domänennamen der ".eu"-Domäne zu ermöglichen, schon weit vorangekommen und drängen darauf, auch auf der obersten Domänenstufe für ".eu" griechische und kyrillische Versionen zu bekommen."
Der ICANN-Beschluss wird es ermöglichen, ganze Internet-Domänennamen (wie beispielsweise europa.eu ) mit Schriftzeichen zu registrieren und zu benutzen, die nicht zum englischen Alphabet (a-z und 0-9) gehören. Auf der zweiten Stufe der Internetadressen ("europa" in europa.eu ) werden Domänen mit nicht-lateinischen (z. B. arabischen, chinesischen oder kyrillischen) Schriftzeichen zwar bereits verwendet, vollständig internationale Domänennamen waren bisher aber nicht möglich. Nach der ICANN-Ankündigung, Anträge für Länderdomänen (wie ".bg" oder ".eu" nun auch in lokalen Schriftzeichen anzunehmen, werden demnächst Millionen von Internetnutzern in aller Welt grundsätzlich in der Lage sein, sich ganz in ihrer eigenen Sprache im Internet zu bewegen.
Bereits im Juni 2009 änderte die Europäische Kommission ihre Vorschriften für Internet-Domänennamen entsprechend, damit in Europa die Schriftzeichen aller 23 EU-Amtssprachen verwendet werden können ( IP/09/1044 ). Ab 10. Dezember 2009 wird es möglich sein, Namen unter ".eu" zu registrieren, die Zeichen wie "à", "a", "ä", "?" oder "?" enthalten. EU-Bürger und -Unternehmen werden Domänennamen mit nicht-lateinischen Schriftzeichen registrieren lassen können, was für Sprachen wie Griechisch und Bulgarisch eine große Rolle spielt. Auch Spanier und Basken werden dann Domänennamen mit "ñ" und Franzosen, Portugiesen und Katalanen mit "ç" registrieren können. Außerdem wird die EU internationale Domänennamen auch für ihre eigene Domäne oberster Stufe ".eu" so bald wie möglich einführen. Unter .eu' gibt es bereits mehr als 3 Millionen Domänennamen, die im gebräuchlichen lateinischen Zeichensatz registriert sind (IP/09/536 ) .
EU ruft zur Verlängerung des Internet-Verwaltungsforums auf
Das Internet-Verwaltungsforum (IGF) wurde nach dem Weltgipfel über die Informationsgesellschaft (WSIS) 2003-2005 eingerichtet und bietet eine globale multilaterale Plattform, auf der Regierungen, Privatsektor und Zivilgesellschaft zusammentreffen können, um wichtige Fragen im Zusammenhang mit der Lenkung und Verwaltung des Internet zu diskutieren. Dabei handelt es sich um einen neutralen, unverbindlichen und Doppelarbeit vermeidenden Prozess. Das erste IGF-Treffen wurde 2006 in Athen veranstaltet, es folgten Zusammenkünfte in Rio de Janeiro (2007) und Hyderabad (2008). Das vierte Treffen findet derzeit in Sharm El-Sheikh (Ägypten) statt.
Der ursprünglich vorgesehene Zeitrahmen von 5 Jahren endet nächstes Jahr mit dem fünften Treffen in Wilna (Litauen). Bis dahin werden die Mitgliedsländer der Vereinten Nationen darüber beraten, ob eine Verlängerung des ursprünglichen Zeitrahmens notwendig ist. "Bis zum nächsten Treffen wird es Diskussionen darüber geben, ob das IGF auch nach 2010 zusammenkommen soll. Für mich ist die Antwort klar: Das IGF muss fortbestehen" , erklärte EU-Kommissarin Reding.
Hintergrund
Internet-Domänennamen und -Adressen sind die Voraussetzung dafür, dass Daten im weltweiten Internetverkehr ihr Ziel erreichen. Die für die weltweite Koordinierung des Domänennamensystems (DNS) verantwortliche Stelle ist die ICANN, ein privates, gemeinnütziges Unternehmen mit Sitz in Kalifornien (USA).
Seit ihrer Gründung im Jahr 1998 arbeitete die ICANN im Rahmen mehrerer Vereinbarungen mit der US-Regierung, in denen die politischen Ziele für die Gestaltung und den Betrieb des Domänennamensystems festgelegt wurden. Die letzte Vereinbarung lief am 30. September 2009 aus und wurde durch eine "Bekräftigung der Verpflichtungen" zwischen der US-Regierung und der ICANN abgelöst.
Im Juni 2009 rief die Kommission die ICANN auf, ihrer weltweiten Verantwortlichkeit besser gerecht zu werden und Akteure außerhalb der USA stärker in ihre Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Die US-Regierung kündigte eine Reform der ICANN für Ende September an. Die Kommission hat die neue Regelung im Grundsatz begrüßt. ICANN hat bereits Vorbereitungen für internationale Domänennamen (IDN) auf der obersten Stufe getroffen und kündigte an, solche IDN-Länderdomänen ab 16. November 2009 im Schnellverfahren einzuführen.
Weitere inhaltlich zusammenhängende Materialien finden Sie hier.