|
![]() |
|
||||
|
Start |
||||||
Humor kann als harmloser Spaß daherkommen, er kann allerdings auch verletzen, er kann bösartig sein und aggressiv. Selbst ein belangloser Scherz kann persönliche Gefühle verletzen, weil eine Person, eine gesellschaftliche Gruppe oder eine Weltanschauung dem Gelächter preisgegeben wird. Und sogar alberne Sketche erscheinen aus Sicht des Jugendschutzes mitunter als erziehungsabträglich.
Eine gemeinsam von der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) und der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM) organisierte Tagung ging daher am Freitag, dem 29. Januar in Berlin der Frage nach, ob es Kategorien gibt, die dem Humor Grenzen vorgeben, wie Kinder Humor und verstehen, welche Auswirkungen er auf ihr Wertesystem haben kann und wie das Internet die Präsentation, Rezeption und Produktion von Humor verändert.
In dem einleitenden Podiumsgespräch gab der TV-Moderator Thomas Hermanns zunächst eine ebenso kurzweilige wie intellektuell anregende Analyse des Humors in der deutschen Kultur. Nach wie vor werde hierzulande Sinn und Zweck von Humor schnell in Frage gestellt. Und dort, wo Humor als Teil der Kultur akzeptiert werde, sei er stark von dem Bedürfnis nach Harmonie und Konsens geprägt. Allerdings, so Hermanns, sei in den letzten Jahren ein humorkultureller Wandel festzustellen. Humor werde realistischer und trockener. Zugleich würde sich das Publikum stärker ausdifferenzieren und an Humorkompetenz gewinnen.
Die wahren Tabus der Comedy, so verriet der Entertainer, lägen übrigens weniger im Bereich Sex und Gewalt, es seien vielmehr Markennamen, die in gewissen Kontexten nicht thematisiert werden dürften.
Dass Humor sowohl Ausdruck sozialer Kompetenzen ist als auch ein Medium, um diese zu erwerben, hob die Psychologin Dr. phil. habil. Marion Bönsch-Kauke hervor. Anhand zahlreicher Beispiele schilderte sie kindliche Humorstrategien in verschiedenen sozialen Kontexten und verdeutlichte damit die Fähigkeit von Kindern, Witze oder Wortspiele zur Klärung oder gar Lösung von Konflikten einzusetzen. Die Humorentwicklung verliefe dabei analog zur kognitiven Entwicklung der Kinder und ihrer Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen.
Doch nicht nur auf individualpsychologische oder kulturelle Prozesse hat Humor Einfluss. Auch für technische Entwicklungen ist Humor ein Katalysator, wie die Medienwissenschaftlerin Dr. Karin Wehn anhand des Internets aufzeigen konnte. Technische Neuerungen ermöglichten dabei neue Humordarstellungen, und neue Humorformen machten neue Technologien notwendig, wie Wehn mithilfe vieler kurzweiliger Beispiele illustrieren konnte.
In der abschließenden Podiumsdiskussion kamen der Medienwissenschaftler Dr. habil. Gerd Hallenberger und der Leiter des Referats "Film und medienpolitische Grundsatzfragen" der Deutschen Bischofskonferenz Dr. Peter Hasenberg darin überein, dass es Grenzen des Humors geben muss, die nicht nur rassistische oder sexistische Diskriminierung betreffen, sondern auch Rücksicht auf persönliche Gefühle nehmen müssen, diese seien allerdings stark kulturabhängig. Den festlichen Abschluss der Veranstaltung bildete die dritte Verleihung des wissenschaftlichen Nachwuchspreises "medius" an vier junge Nachwuchswissenschaftler und -wissenschaftlerinnen, deren herausragende medienwissenschaftliche Abschlussarbeiten für ihre Innovativität, Interdisziplinarität und Praxisorientierung ausgezeichnet wurden.