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Reger Andrang bei der Informations- und Auftaktveranstaltung des Projekts "Internet goes Ländle": Rund 80 Seniorinnen und Senioren informierten sich am Dienstag, 2. März 2010 im Zentrum für Allgemeine Wissenschaftliche Weiterbildung (ZAWiW) der Universität Ulm, über ehrenamtliches Engagement älterer Menschen im Bereich Computer und Internet im ländlichen Raum.
"Die gleiche Sprache sprechen" - ein wichtiger Grundsatz, weshalb so genannte Senior-Internet-Initiativen so gut funktionieren und von Älteren gerne angenommen werden. Das Konzept dieser Anlaufstellen: Computererfahrene Senioren helfen PC- und Internet-Einsteigern ihrer Generation im Umgang mit Neuen Medien. "Eigene Erfahrungen mit der Arbeit mit Computern sind bei den ehrenamtlichen Helfern, die älteren Bürgern Computer und das Internet erklären, oft selbst noch präsent. Die Fragen werden besser verstanden, geduldig wird den Interessierten Zeit zum Lernen gegeben - das macht das Prinzip "von Senioren für Senioren" aus", erklärt Ralph Schneider, Mitarbeiter am ZAWiW.
Das Internet wird immer wichtiger für die Gemeinschaft, beispielsweise bei der Pflege von Kontakten. Nach Meinung von Bodo Kleineidam, dem Vorsitzenden des Netzwerks Senior-Internet-Initiativen Baden-Württemberg e.V., gewinnt das Internet gerade bei der Kommunikation von Seniorinnen und Senioren mit ihren Kindern und Enkeln an Bedeutung. Besonders für Seniorinnen und Senioren mit Mobilitätseinschränkungen sei dies ein wichtiger Anreiz, sich mit PC und Internet zu beschäftigen. "Man muss das Leben im Alter aktiv gestalten und neugierig bleiben", ermutigte Kleineidam die Interessenten. Auch Carmen Stadelhofer, Direktorin des ZAWiW, stellte klar: "Wir haben keinen Leistungsdruck. Es geht um Engagement und die Freude, in der Gesellschaft etwas zu bewegen. Wichtig sind die Menschen dahinter und die Pflege von Kontakten in einer Gemeinschaft."
Um den Teilnehmern konkrete Beispiele und Zusprüche zu vermitteln, wurden drei Senior-Internet-Initiativen präsentiert. Elisabeth Bellmann, engagierte Seniorin in der Initiative Computeria in Rielasingen, berichtete von anfänglichen Herausforderungen und einer letztlich sehr positiven Entwicklung. Um den großen Zulauf an lernwilligen Seniorinnen und Senioren zu bewältigen, erstellten die ehrenamtlichen Helfer in der Computeria-Initiative beispielsweise Stundenpläne. Bernhard Peitz aus einer Initiative in Reichenbach betonte, dass die Senioren den Anschluss nicht verlieren dürften. Vielmehr sollten Brücken zwischen den Generationen gebaut und den älteren Menschen die Angst vor PC und Internet genommen werden. Auch Heinz "Dr. Oldie" Kraus engagiert sich seit über fünf Jahren in der Pfullendorfer Initiative. Auf deren Weblog www.webdrei.blogspot.com können Senioren selbst ein Maustraining durchführen, um sich nach und nach mit dem Computer vertraut zu machen. Bruno Schüle vom Reutlinger "Treffpunkt Internet" bekräftigte: "Jeder soll sich die Zeit nehmen, die er braucht, um mit Computer und Internet zurecht zu kommen."
Auch Bürgermeister Wolfgang Wörner möchte in seiner Gemeinde Dürmentingen eine eigene Senior-Internet-Initiative ins Leben rufen. Er nutzte die Informationsveranstaltung in Ulm, um sich bei den Experten vor Ort über Formen des ehrenamtlichen Engagements in Senior-Internet-Initiativen und Möglichkeiten einer Initiativen-Gründung zu erkundigen. In Arbeitsgruppen am Nachmittag wurden konkrete Fragen der ehrenamtlich Engagierten beantwortet sowie nützliche Tipps weiter gegeben. Neben der organisatorischen Arbeit im Vorfeld einer Initiativengründung wurden auch pädagogische Hilfestellungen im Unterricht mit Seniorinnen und Senioren vermittelt.
Weitere Workshop-Tage gibt es im weiteren Verlauf des vom Ministerium für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz geförderten Projekts "Internet goes Ländle". Diese Veranstaltungen richten sich direkt an ehrenamtlich Interessierte in den ländlichen Gebieten Baden-Württembergs, die sich umfassend informieren möchten und Unterstützung bei der Gründung einer eigenen Initiative benötigen. Interessierte können sich bei Hannah Fesseler (fesseler@mfg.de) von der MFG Baden-Württemberg für weitere Einladungsschreiben und Informationen registrieren lassen.