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Die ZDF-Medienforschung ist für das Qualitätscontrolling des Fernsehsenders zuständig und hat im April 2010 eine Grundlagenstudie zum Thema "Medien und Tabus" von den Expertinnen Dr. Ursula Dehm und Gerlinde Schumacher veröffentlicht. Die Studie hat untersucht, welche Tabus Jugendliche heutzutage noch haben, welche moralischen Grundsätze sie in Bezug auf Tabus vertreten und welche Funktionen Medien aus Sicht der Heranwachsenden bei Tabuverletzungen einnehmen. Der Begriff "Medien" impliziert in diesem Zusammenhang Fernsehen, Internet, Computer- und Online-Spiele sowie die Kommunikation via Mobiltelefon. Für die Untersuchung wurden 800 junge Menschen zwischen 16 und 39 Jahren befragt.
Die ZDF-Medienforschung hat die sieben wichtigsten Ergebnisse der Studie zusammengestellt:
Während Mädchen sich miteinander über ihre Wahrnehmungen und ihre Gefühle austauschen und grenzwertige Inhalte vermeiden, reden Jungen weniger über ihre Emotionen, aber sie beschäftigen sich dennoch in Computerspielen oder im direkten Umfeld mit dem Thema.
Männliche Heranwachsende spielen eher mit Tabus als junge Frauen: 36 Prozent der Jungen zwischen 16 und 20 Jahren und nur 10 Prozent der Mädchen im gleichen Alter kennen pornografische Inhalte im Netz. Zudem haben 32 Prozent der Jungen zwischen 16 und 20 Jahren, aber nur 17 Prozent der gleichaltrigen Mädchen Kenntnisse von Webseiten, auf denen Cyber-Mobbing vorkommt. Darunter wird das Verleumden und erniedrigen anderer Internetnutzer verstanden.
Insgesamt 50 Prozent der 16 bis 20-jährigen Männer schauen ab und zu Horrorvideos, hingegen nur 22 Prozent der jungen Frauen in der gleichen Altersklasse. 21 Prozent der 16 bis 20-jährigen Männer schauen manchmal pornografische Videos, jedoch nur sechs Prozent der jungen Frauen, die in diesem Alter sind.
Insgesamt zwei Drittel der 16 bis 20-Jährigen Männer spielen gelegentlich Shooter- und Actionspiele, doch nur 14 Prozent der jungen Frauen im gleichen Alter. Ähnlich verhält es sich mit Killer- und Kampfspielen: 59 Prozent der jungen Männer zwischen 16 und 20 Jahren spielen ab und zu Killerspiele, dafür begeistern sich jedoch nur neun Prozent der gleichaltrigen jungen Frauen.
Während Mädchen sich bereits unwohl fühlen, wenn es um erniedrigende Situationen in Castingshows oder um pornografische Inhalte geht, fühlen junge Männer anders: Laut Studie stellen pornografische Darstellungen keinen Tabubruch dar, die Grenze ist erst bei Gewaltvideos, die im Netz gezeigt werden und nicht nachgestellt werden, erreicht.
Wann eine Tabuverletzung in den Medien tatsächlich vorliegt, hängt aus Sicht der Jugendlichen von mehreren Faktoren ab: Ob es sich um reale oder fiktionale Gewalt handelt, ob Nahestehende davon beeinflusst wurden und wie sehr jemand körperlich oder seelisch verletzt wurde. Doch für Jungen und Mädchen ist auch klar, dass die Grenze bei kriminellen sexuellen Handlungen erreicht ist.
Die Expertinnen der Studie kommen zu dem Schluss, dass Tabus bei den Heranwachsenden erkennbar seien, gerade bei den jungen Männern werde aber eine zunehmende Enttabuisierung erkennbar.