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Unter diesem Motto trafen sich am 10. Juni 2010 rund 250 Teilnehmer zum D21-Jahreskongress in Hannover auf dem Expo-Gelände im Deutschen Pavillon, wo die Initiative vor 10 Jahren ihren Anfang nahm. War das Verhältnis von Internetnutzern zu Nichtnutzern seinerzeit 30 % zu 70 %, so ist es heute umgekehrt: Rund 70 % der Bundesbürger nutzen das Internet, nur noch knapp 30 % haben bisher keine Erfahrungen im Umgang damit gesammelt. Hier setzt die Initiative Internet erfahren des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie an, die auf dem Jahreskongress ihre Maßnahmen präsentierte.
Die Heranführung an das Internet und die Vermittlung der zur Nutzung erforderlichen Fähigkeiten bilden den Kern der Initiative. Wer für die Vermittlung von Medienkompetenz verantwortlich sei, wurde auch in der Podiumsdiskussion mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière erörtert. Er mahnte zur Gelassenheit und verwies auf das bisherige Wachstum der Nutzerzahlen sowie die gerade bei der jüngeren Generation durchaus vorhandenen Kenntnisse.
Eigenverantwortlichkeit der Bürgerinnen und Bürger im Umgang mit Daten setzt nach Ansicht von Philipp Schindler, Vertreter des Unternehmens Google auf dem Podium etwas voraus, das er eher als Datenkompetenz denn als Medienkompetenz bezeichnen möchte. Das Podium war sich einig, dass es die absolute Datensicherheit im Netz nicht geben wird. Dennoch müsse man differenzieren zwischen Datenschutz und Datensicherheit. In Deutschland sei das Verständnis von Datenschutz noch immer durch die Debatte um die Volkszählung 1987 geprägt. Heute hätten aber die Bürger ein ganz anderes Verhältnis zur Preisgabe von Daten, und in den Profilen, die die Bundesbürger in sozialen Online-Netzwerken hinterlegen, finden sich mehr persönliche Informationen, als die Volkszählungsbögen seinerzeit erhoben haben. Für Constanze Kurz, Sprecherin des Chaos Computer Club sind Datenschutz und Datensicherheit ein Paar Schuhe
, das man nicht trennen sollte.
Dr. Stefan Groß-Selbeck von der XING AG hält Daten eher für Rohstoff als für eine Leitwährung. Er beklagte ebenso wie der Vertreter von Google die komplizierte Gesetzeslage, die es Unternehmen oft schwer mache, zu erkennen, ob bestimmte Angebote und Maßnahmen gesetzeskonform sind. Hier gelte es, mehr Klarheit zu schaffen, aber es bestehe nicht unbedingt die Notwendigkeit zu mehr Regulierung. Die entscheidende Frage lautet seiner Ansicht nach: Was können wir tun, um Innovationen voran zu treiben? Im europäischen Vergleich haben deutsche Nutzerinnen und Nutzer besonders hohe Anforderungen an Vertrauen, gleichzeitig bietet das Vertrauen der Nutzer den Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil. Philipp Schindler ergänzte Vertrauen ist mit Abstand das höchste Gut, was wir haben.
Constanze Kurz riet den Unternehmen, die Kompetenz ihrer Datensicherheitsabteilungen offensiv im Marketing einzusetzen. Bisher würden die Informationen darüber, wie viele Mitarbeitende hier für welche Datenschutz- und Datensicherheitsaufgaben tätig sind, den Nutzerinnen und Nutzern zu wenig angeboten. Sie könnten aber eine wesentliche Grundlage des Vertrauens in die Angebote schaffen.
Prof. Dr. Jo Groebel führte die Diskussion zurück zur Ausgangsfrage, ob die Daten heute als Währung gelten können. Darüber hinaus wurde diskutiert, wie es einzuschätzen sei, wenn der Bürger, um handlungsfähig zu bleiben, mehr Daten preisgeben muss, als er eigentlich gern möchte. Philipp Schindler verwies dazu erneut auf die erforderliche Datenkompetenz. Dazu gehöre auch, dass die Konsumenten lernen zu verstehen, an welchem Punkt es sinnvoll ist, bestimmte Daten preiszugeben, um dadurch einen Mehrwert zu erlangen. Vermittlung von Datenkompetenz innerhalb der Gesellschaft ist nach seiner Ansicht der einzige Weg, das Innovationspotenzial des Internet auszunutzen.
Auf die Schlussfrage des Moderators: Was ist das Wichtigste für die Zukunft, wenn Daten die Leitwährung der digitalen Gesellschaft sind?
antworteten die Diskutanten:
York von Heimburg: Offenheit der Unternehmen ist erforderlich, sie müssen offen über den positiven Nutzen und die Gefahren reden.
Constanze Kurz: Wir zahlen nicht alle mit derselben Währung, wer sich exponiert, zahlt anders, als derjenige, der weiß, was seine Daten wert sein können. Darüber müssen sich die Nutzerinnen und Nutzer im Klaren sein.
Dr. Stefan Groß-Selbeck: Das Wichtigste ist, dass wir neue Nutzer begeistern. Innovationen müssen in Europa und explizit in Deutschland geschehen.
Philipp Schindler: Wir müssen die Datenkompetenz und das Verständnis in der Bevölkerung massiv stärken. Das Spannungsfeld zwischen Regulierung und Innovation müssen wir verstehen und auf keinen Fall in Richtung Überregulierung und Abschaltung gehen.
Jo Groebel: Ich habe weiterhin einen ungebrochenen Enthusiasmus die Nutzung des Internet betreffend. Wir können auch darauf setzen, dass das positive verantwortungsbewusste Handeln in jedem drin ist, und sollten mehr Vertrauen in die Kompetenzen der Konsumenten haben.
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