Das International Center for Media & the Public Agenda (ICMPA) der Universität von Maryland hat eine Studie zum Thema "A day without Media" durchgeführt: 200 Studenten des Kurses "JOUR 175: Media Literacy" (Medienliteratur) nahmen zwischen Februar und März 2010 an einem Experiment teil, 24 Stunden lang keine Medien zu nutzen. Nach Beendigung der Medienabstinenz sollten die Studenten über ihre Erfahrungen sowie über ihre Erfolge und Misserfolge berichten. Dabei stellte sich die Frage, was die Teilnehmer über ihren eigenen Medienkonsum gelernt hatten und wie es sich angefühlt hatte, ohne Medien leben zu müssen.
Die fünf Kernaussagen der Studie sind:
- Eine wichtige Erkenntnis der Studie war: Studenten nutzten wörtliche Begriffe der Sucht, um ihre Abhängigkeit von Medien zu charakterisieren: Sie beschrieben die Reaktionen ähnlich wie die von Drogen- und Alkoholabhängigen, genannt wurden Begriffe wie "Entwöhnung", "wahnsinniges Verlangen", "extrem nervös" oder "elend". Einige gaben an, sie würden die medienfreie Zeit hassen und es insbesondere hassen, soweit entfernt von ihren Handys zu sein.
- Studenten können laut Studie nicht damit umgehen, ohne Medien zu sein. Denn in ihrer Welt ist es gleichbedeutend, Medien bei sich zu haben und Familie sowie Freunde in der Nähe zu wissen. Die Studie zeigt auch, dass die Studenten ihr Mobiltelefon nicht nur nutzen, um ständig zu ihren Liebsten Kontakt zu haben, sie texten und tweeten (Twitter nutzen) auch gerne während des Unterrichts, während sie über den Campus spazieren und wann immer sie sich mit Freunden abstimmen möchten. Das Mobiltelefon ist das wichtigste Medienwerkzeug, nicht nur für die Kontaktpflege, auch für das Schreiben wichtiger E-Mails oder zum Spielen.
- Ersichtlich wurde, dass Studenten gegenüber Nachrichtenplattformen oder Nachrichtenprogrammen keine nennenswerte Verbundenheit zeigen. Zudem machen sie keine feinen Unterschiede zwischen Meldungen und persönlichen Informationen, sie erhalten Meldungen oft über Freunde oder durch Soziale Netzwerke. Eine wichtige Feststellung der Studie ist jedoch, dass die Nutzung von iPods, iPhones oder Fernsehen die moralischen Empfindungen der Studenten für Menschen in ihrem Leben beeinflussen. Die Studenten erkannten durch die Teilnahme an der Studie, dass sie durch den Konsum von Medien oft am Leben anderer Menschen Anteil nahmen und dadurch viel an ihre Liebsten dachten.
- Die 18 bis 21-jährigen Studenten texten laut Studie kontinuierlich auf Facebook, um mit anderen, insbesondere den Freunden, in Kontakt zu bleiben. Die Studienteilnehmer registrierten während des Experiments, dass sie Facebook oft nutzten, um Langeweile zu bekämpfen. Einige Studenten gaben an, das Netz für die Erstellung einer Hausarbeit oder eines Projekt zu nutzen. Die Mehrzahl der Studienteilnehmer sagte, sie hätten die Übersicht über ihr Soziales Netzwerk im Netz vermisst.
- Eine weitere wichtige Aussage der Studie war, dass Studenten zwar ohne Zeitung und Fernseher leben können, aber nicht ohne ihr iPod. Einer der Teilnehmer schrieb, es sei sehr hart gewesen, den Tag zu überstehen, ohne iPod zu hören, weil es eine Möglichkeit sei, mit den Gedanken abzuschweifen und den Kopf frei zu bekommen. Laut Studie sind viele Studenten verwirrt und beunruhigt, wenn sie nicht während des Lernens oder beim Betreten des Klassenraums Musik hören könnten.
Die Studienteilnehmer erkannten die Vorteile des Experiments: Sie verbrachten mehr Zeit mit Studieren. Da viele Studenten den Tag ohne Medien nicht genießen konnten, konzentrierten sie sich auf Examen oder lasen Novellen. Einige Studenten waren sehr verwundert, wie produktiv sie tatsächlich sein konnten. Studenten, die Laptops im Unterricht benutzten und parallel dazu E-Mails checkten, konnten bei dem Experiment die Erfahrung machen, dass sie ohne die Medien im Unterricht viel mehr aufnehmen konnten. Einige Studenten sagten beim Reflektieren über die medienfreie Zeit, sie hätten ihre Prioritäten neu geordnet und würden mehr Zeit mit ihren Liebsten verbringen.