Veröffentlicht am: 03.12.10

Rechnen, Schreiben, Lesen, Internet?

Carolin Bretl, Jutta Croll, Sven Weber, Stiftung Digitale Chancen
Quelle: eigener Bericht vom 03.12.10

Mit der Nutzung von digitalen Medien bieten sich neue Möglichkeiten, die Zielgruppe der Analphabeten zu erreichen und sie auf diese Weise zum Erwerb von Lese- und Schreibkompetenzen zu motivieren. Menschen, die nicht gut lesen und schreiben können, nutzen das Internet gerne, wenn auch anders', erklärt Timm Helten vom Bundesverband Alphabetisierung e.V. bei der Auftaktveranstaltung der Reihe UdL Digital Roundtable - Gespräche zur Digitalen Integration am 2. Dezember 2010 in Berlin.

Teilnehmende des UdL Digital Roundtable

Rund 30 Expertinnen und Experten diskutierten in den Räumen der E-Plus Gruppe Unter den Linden zum Thema 'Grundbildung in der Informationsgesellschaft - welche Rolle spielt Medienkompetenz heute?'. Ziel der Veranstaltung, die gemeinsam von dem Unternehmen E-Plus und der Stiftung Digitale Chancen durchgeführt wurde, war es, sich über die Vermittlung von Medien- und Internetkompetenz an Menschen, die das Lesen und Schreiben nicht oder nur in geringem Umfang beherrschen, auszutauschen. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass mit der Einbeziehung des Internet in die Alphabetisierungsarbeit eine hervorragende Möglichkeit besteht, das Thema zu enttabuisieren und bestehende Barrieren abzubauen.

Als ein wichtiger Ansatz bei der Internetarbeit mit Analphabeten wurde die Förderung der Medienkompetenz bei den Pädagogen in der Alphabetisierungsarbeit genannt; Lehrer und Mitarbeitende der Volkshochschulen - genauso wie Eltern - müssen für diese Lernformen sensibilisiert werden und benötigen die Kompetenz, um adäquat mit der Zielgruppe mit Medien arbeiten zu können. Dabei sind unterschiedliche Herangehensweisen für jugendliche und erwachsene Analphabeten notwendig. Vor allem für Erwachsene gebe es noch zu wenig Online-Lernangebote, erläuterte Katharina Schuster vom Deutschen Volkshochschulverband. Darüber hinaus wurde der Bedarf an einer (Weiter-) Entwicklung von barrierefreien Webseiten oder Browser-Plug-Ins für Analphabeten angesprochen.

Dr. Verena Metze-Mangold, Vizepräsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission, wies darauf hin, dass das Internet und insbesondere Web 2.0 eine Möglichkeit der sozialen Teilhabe darstelle, die allen Mitgliedern der Gesellschaft offen stehen solle. Für die Betroffenen ist die Nutzung von Computer und Internet ein Zeichen, dass man dazugehört', erklärte Urda Thiessen vom Verein Lesen und Schreiben e.V.

Teilnehmende am 1. UdL Digital Roundtable im Gespraech

Grundsätzlich sei weiterer Forschungsbedarf zum Thema Alphabetisierung dringend notwendig, war die einhellige Meinung aller Teilnehmenden. Analphabetismus sei, vor allem in der (Bildungs-)Politik, noch zu sehr ein Tabuthema und es bedarf einer besseren Öffentlichkeitsarbeit, um gegen gängige Vorurteile und Barrieren anzukämpfen.

Die Veranstaltungsreihe UdL Digital Roundtable - Gespräche zur Digitalen Integration wird im Februar 2011 mit einem Roundtable zum Thema Kinderrechte - Elternpflichten in der digitalen Welt' fortgesetzt.

Die Roundtable-Gespräche werden vorbereitet durch eine themenbezogene Onlineumfrage in Verknüpfung mit den UdL Digital-Aktivitäten der E-Plus Gruppe. Fünf provokante Statements im Twittermaß von 140 Zeichen werden im Vorfeld unter www.alle.de/diskussionen veröffentlicht und laden zu ebenso kurzen Kommentaren ein. Die ausführliche Diskussion der verschiedenen Positionen findet anschließend mit jeweils rund 30 geladenen Teilnehmenden am Roundtable statt.




Mehr erfahren Sie unter:
www.alle.de/diskussionen...

UdL Digital Roundtable


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Themenbereiche:
Bildungspolitik / Bildungswesen, Erwachsenenbildung, Zielsetzung, Vorgehensweise zur Überwindung der Digitalen Spaltung