Bereich net.werker Bereich Experten Bereich Presse Bereich Einsteiger Bereich Experten
Logo der Stiftung Digitale Chancen
Über die Stiftung
Service für Experten
Schriftgrad ändern  
Schriftgrad 1Schriftgrad 2Schriftgrad 3
   Start    Suche News    Termine  Forum    Newsletter    Broschüren    Kontakt


MigrantInnen > Artikel
Zugangsorte finden:
:   

  ::  detailliert suchen
  ::  Zugangsort melden

E-Learning und Nachhaltigkeit: Digitale Medien im Kontext der Integrationskurse

Susanne Bernsmann, Carolin Bretl, Jutta Croll, Stiftung Digitale Chancen
Quelle: eigener Bericht vom 27.01.11

Mit dem 4. Integrationsgipfel im November 2010 fiel der Startschuss für den Aktionsplan zur Umsetzung des Nationalen Integrationsplans. Vor diesem Hintergrund veranstaltete das Goethe-Institut zusammen mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und dem Bundesministerium des Innern eine Konferenz des Dialogforums 'Sprache - Integrationskurse', um sich mit Vertreterinnen und Vertretern aus dem Bereich der Erwachsenenbildung über die Einbindung digitaler Medien in die Integrationskurse in Deutschland auszutauschen. Die Stiftung Digitale Chancen wurde eingeladen, die Konferenz mit einem Vortrag zu eröffnen und über ihre Erfahrungen in der Arbeit mit Migrantinnen und Migranten zu berichten.

Unter dem Titel 'Der Einsatz digitaler Medien im Integrationskontext - eine nationale Bestandsaufnahme mit europäischem Ausblick' erläuterte Jutta Croll, Geschäftsführerin der Stiftung Digitale Chancen, zunächst die grundsätzlichen Zusammenhänge zwischen Internetnutzung und Lerngewohnheiten von Migrantinnen und Migranten. Es zeigt sich in den bisherigen Studien - wie dem (N)Onliner-Atlas oder der ARD/ZDF-Online-Studie -, dass die Internetnutzung mit dem Bildungsniveau korreliert: Bei denjenigen, die keine Berufsausbildung abgeschlossen haben, liegt die Zahl der Internetnutzer unter 50 Prozent. Laut Mikrozensus ist das Bildungsniveau der in Deutschland lebenden Bevölkerung mit Migrationshintergrund niedriger als das der deutschstämmigen Bevölkerung - während 32 Prozent der deutschen Bevölkerung keine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen können, liegt die Zahl bei den Migrantinnen und Migranten bei über 59 Prozent. Demzufolge gehören Migrantinnen und Migranten eher der Gruppe der Niedrigqualifizierten an, für die eine niedrigere Internetnutzung nachgewiesen ist. Als Korrektiv wirkt die Korrelation der Internetnutzung mit dem Alter: In den jüngeren Altersgruppen (14-39 Jahre) liegt die Zahl der Internetnutzenden bei über 90 Prozent, gleichzeitig ist der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung in Deutschland ab dem Alter von 37 Jahren deutlich rückläufig - Migrantinnen und Migranten sind somit überrepräsentiert in den jüngeren Altersgruppen und die Internetnutzung ist dementsprechend gut ausgeprägt.

Hinsichtlich der Vermittlung von Kompetenzen wie Lese- und Schreibfähigkeiten zeigen verschiedene Projekte und Studien auf nationaler und europäischer Ebene, dass IKT eine wichtige Rolle beim Lernen spielen - und geeignet sind, die Motivation zu fördern sowie den Spracherwerb zu unterstützen. Während man sich früher mit dem Computer vorwiegend als Lerninhalt im Informatikunterricht beschäftigte, sind PC und Internet heute als Instrument des Lernens in allen Fächern geeignet, wenngleich der Einsatz noch nicht überall gleichermaßen verbreitet ist.

In einem Fachgespräch erläuterte Wolfgang Reuter, Geschäftsführer des Bundesverbands Berufliche Qualifizierung e.V., auf dem Podium, wie digitale Medien in Bildungszusammenhängen eingesetzt werden können. Auf Basis des vom Verband durchgeführten Leonardo-Projekts 'Go4Job', welches die Nutzung digitaler Medien als Brücke in Ausbildung und Beruf erprobt, wurde die Übertragbarkeit dieser Erfahrungen auf das allgemeine Lernen und Lernprozesse von erwachsenen Migrantinnen und Migranten diskutiert und über die Voraussetzungen gesprochen, um digitale Medien mehr als bisher zum Bestandteil von formellen Bildungsprozessen zu machen. Aus Unternehmensperspektive zeigte Willi Kaczorowski von der Cisco Systems GmbH in seinem Vortrag anschließend auf, welche Entwicklung in den letzten Jahren stattgefunden hat - vom klassischen E-Learning zum webbasiertem interaktiven Lernen - und welche technischen Möglichkeiten die digitalen Medien im Bildungskontext bieten.

Eine Einführung in den bisherigen Einsatz digitaler Medien im Kontext der Integrationskurse durch Christoph Köck, Direktor des Hessischen Volkshochschulverbands e.V. - hvv-Institut, eröffnete den zweiten Konferenztag. Dieser war der Vorstellung praktischer Anwendungsbeispiele von Anbietern aus Bildungseinrichtungen, Verlagen und Medieninstitutionen gewidmet, die für den Einsatz in den Integrationskursen geeignet sein können und zum Teil auch schon zur Anwendung kommen. Ob nun der Multimediaführerschein sowie andere webgestützte Zusatzqualifikationen für Lehrkräfte, Online-Lernplattformen für Kursteilnehmende oder offene Lernangebote - integriertes Lernen durch die Kombination von E-Learning und Präsenzveranstaltungen, das sogenannte Blended Learning, hat seinen Weg in die Integrationskurse vielfach schon gefunden.

Zusammenfassend wurde durch die Konferenz deutlich, dass der Einsatz von IKT in den Integrationskursen großes Potenzial hat, um sowohl die Motivation der Teilnehmenden zu steigern als auch durch die Flexibilität des zeit- und ortsungebundenen Lernens den individuellen Bedürfnissen der Teilnehmenden besser gerecht zu werden. Zudem können durch die Nutzung digitaler Medien die Kursinhalte stärker an den Interessen und Bedarfen der Teilnehmenden orientiert werden. Voraussetzungen dafür sind allerdings eine umfassende Qualifizierung der Lehrkräfte, die Bereitstellung der notwendigen technischen Infrastruktur sowie der Abbau von generellen Vorbehalten gegenüber der Techniknutzung im Kursangebot.




Im Angebot der SDC seit 27.01.11 (cbr)

Verwandte
Themenbereiche:
Bildungspolitik / Bildungswesen, Erwachsenenbildung, Mediennutzung durch Menschen mit Migrationshintergrund / Aktivitäten für Menschen mit Migrationshintergrund, E-Learning




 Nach oben

Copyright 2012, SDC.