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Anschluss gesucht - Der größte Teil der Weltbevölkerung muss ohne neue Medien auskommen

Uwe Afemann, Universität Osnabrück
Quelle: E+Z - Entwicklung und Zusammenarbeit (Nr. 4, April 2001, S. 108)

Wer hat Zugang zum Internet? Das Internet breitet sich schneller aus als jedes andere Medium zuvor. Kurz nach seinem Start im August 1981 gab es nur 213 Internet-Server weltweit. Diese Zahl hat sich bis heute auf knapp 80 Millionen erhöht. Während sich die Zahl der Server zunächst jährlich verdoppelte, hat sich das Wachstum in jüngster Zeit verlangsamt. Mehr als eine Verdoppelung war in 1999 nur in Lateinamerika zu verzeichnen (Wachstum: 136 %), an zweiter Stelle folgte Nordamerika mit 74 %, an dritter Stelle Asien mit 61 %, dann Europa mit 30 %. Ein vergleichsweise niedriges Wachstum verzeichnete Afrika mit 18 %. Gut 85 % aller Internet-Server befinden sich in den G7-Staaten, in denen 11 % der Weltbevölkerung leben. Dagegen stehen in den bevölkerungsreichsten Staaten Asiens, Afrikas und Lateinamerikas - China, Indien, Nigeria und Brasilien -, in denen 43 % der Weltbevölkerung leben, zusammen nur 0,75 % aller Server, wobei allein der Anteil von Brasilien bei 0,62 % liegt. In den meisten Entwicklungsländern gibt es volle Internet-Anschlüsse mit allen möglichen Diensten wie E-mail oder World Wide Web (WWW) nur in größeren Städten. Außerhalb der Metropolen beschränkt sich das Angebot zumeist auf E-Mail-Anschlüsse. Im November 2000 waren weltweit 378 Millionen Menschen oder 6 % der Weltbevölkerung im Internet (siehe Grafik). Von den Nordamerikanern hatten 54 %, von den Deutschen 22 %, von den Chinesen nur 1,3 % und von den knapp 800 Millionen Afrikanern nicht einmal 0,4 % Zugang zum Internet. Von den gut drei Millionen Afrikanern mit Internetzugang kommen allein 1,8 Millionen aus der Republik Südafrika. In den anderen afrikanischen Ländern hat durchschnittlich nur einer von 10 000 oder 0,01 % der Bevölkerung Zugang zum weltweiten Datennetz. Laut "Bericht zur menschlichen Entwicklung 1999" des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP, www.undp.org) gehören rund 93 % der Internet-Nutzer weltweit zu den reichsten 20 % der Weltbevölkerung, während die ärmsten 20 % auf einen Anteil von nur 0,2 % kommen. Für einen Anschluss an das Internet braucht man eine Telefonverbindung, einen Computer mit Modem und elektrischen Strom. Die Erfüllung dieser Voraussetzungen - jeder einzelnen und erst recht aller drei zusammen - ist in den armen Ländern, zumal in ländlichen Regionen, die Ausnahme. Die technische Dimension des digitalen Grabens So haben 80 % der Weltbevölkerung nicht einmal einen Telefonanschluss, und in 49 Ländern, davon 35 in Afrika, gibt es weniger als ein Telefon pro hundert Einwohner. Die durchschnittliche Telefondichte in den Entwicklungsländern beträgt 5,2 pro 100 Einwohner, während die Industrieländer auf eine Telefondichte von 54 kommen. Doch auch zwischen den Entwicklungsregionen gibt es große Unterschiede: Lateinamerika kommt auf eine Telefondichte von immerhin 10,2, im Nahen Osten und in Nordafrika liegt der Wert bei 6,5, in Ostasien und der Pazifik-Region bei 4,1. Schlusslichter sind Südasien und Afrika südlich der Sahara mit Telefondichten von jeweils nur 1,4. Rund 90 % aller Telefonanschlüsse in Afrika südlich der Sahara befinden sich in Südafrika. Innerhalb der Entwicklungsländer gibt es zudem ein starkes Stadt-Land-Gefälle: Die meisten Telefonanschlüsse gibt es in den Städten und davon die Mehrzahl wiederum in den Hauptstädten. So befinden sich 50 % aller Anschlüsse in Afrika in den Hauptstädten des Kontinents, obwohl dort nur etwa 10 % der Bevölkerung leben. In Südasien, wo die meisten Menschen (in Relation zur Gesamtbevölkerung) auf dem Land leben, ist das Gefälle zwischen städtischer und ländlicher Telefondichte mit 7 zu 1 am größten (siehe Tabelle 1). Verschlimmert wird die Situation zusätzlich durch die im Durchschnitt schlechte Qualität der Telefonleitungen, denn Internet über Telefon ist nur bei guter Leitungsqualität möglich. Ein Maßstab zur Messung der Qualität eines Telefonnetzes sind die jährlichen Störungen pro 100 Anschlüsse. Nach Angaben der Economic Commission for Africa (ECA, www.uneca.org) von 1999 beträgt der entsprechende Wert für die Industrieländer sieben, der für die gesamte Welt 22 und der für Afrika südlich der Sahara 116. Auch die große Mehrzahl der Computer weltweit steht in den Ländern des Nordens, zwei Drittel allein in den G7-Staaten. Nach den jüngsten verfügbaren Angaben der International Telecommunication Union (ITU, www.itu.int) besaßen 1999 in den USA 51 % der Bevölkerung einen Computer, in Europa (inklusive Transformationsländer) waren es 14,6 %, in Asien 2,5 % und in Afrika 0,88 %. Und in Indien, dem Land, das immer wieder als Musterbeispiel dafür angeführt wird, dass auch arme Länder von den neuen Medien profitieren können, hatte 1999 lediglich die winzige Minderheit von 0,33 % einen Computer. Auch die dritte Voraussetzung für einen Internetanschluss - eine hinreichende Stromversorgung - ist in Entwicklungsländern selten erfüllt. Charakteristisch sind vielmehr die Instabilität der Stromversorgung, häufige Stromausfälle in den Städten und das völlige Fehlen von Elektrizität auf dem Lande. Jeder Dritte weltweit muss ohne elektrischen Strom auskommen; in Afrika haben 70 % der Landbevölkerung keinen Zugang zu Elektrizität; in den indischen Bundesstaaten Bihar und Westbengalen sind nur 15 von 100 Häusern an das Stromnetz angeschlossen; der Pro-Kopf-Verbrauch an elektrischer Energie ist in den reichen Industriestaaten mehr als zehnmal so hoch wie in allen Entwicklungsländern zusammen und mehr als 100mal so hoch wie in den am wenigsten entwickelten Ländern. Uwe Afemann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Rechenzentrum der Universität Osnabrück (Uwe.Afemann@rz.uni-osnabrueck.de). Die Fortsetzung des Beitrags und die genannten Tabellen und Grafiken sind unter der u. g. URL zu finden.


Mehr erfahren Sie unter:
http://www.dse.de/zeitschr/ez401-4.htm

Im Angebot der SDC seit 18.09.01 (jcr)

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Wirtschaftspolitik, Nachhaltigkeit, Internationale Aspekte, Forschung, Infrastruktur




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