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Digital vernetzt - überall zu Hause

Carolin Bretl; Jutta Croll, Stiftung Digitale Chancen
Quelle: eigener Bericht

UdL Digital Roundtable - Gespräche zur digitalen Integration -

Das Internet als grenzüberschreitendes Kommunikationsmedium ermöglicht es, weltweit soziale Beziehungen zu pflegen. Gerade für Menschen mit Migrationshintergrund bietet es die Chance, mit ihrem Herkunftsland unmittelbar in Kontakt zu bleiben. Gleichzeitig kann die mobile Nutzung von online bereitgestellten Informationen und ortsbezogenen Diensten Migrantinnen und Migranten Orientierung und neue Kontakte im Lebensalltag bieten.

Die Fragen, wie diese Chancen genutzt werden und welche Rolle digitale Medien im Lebensalltag von Migrantinnen und Migranten spielen, wurden beim UdL Digital Roundtable "Mobil durchs Netz - Migranten in der digitalen Welt" diskutiert. Die UdL Digital Roundtable Gespräche sind eine gemeinsame Veranstaltungsreihe der Stiftung Digitale Chancen mit ihrem Zustifter, der E-Plus Gruppe. Die dort behandelten Themen der Digitalen Integration werden regelmäßig durch eine offene Onlinediskussion unter www.alle.de/diskussionen vorbereitet. Anschließend werden die Positionen der Netzcommunity im persönlichen Gespräch von eingeladenen Expertinnen und Experten vertieft.

Vom 3.-29. Mai 2011 konnten die Teilnehmenden online ihre Meinung zu fünf Statements über die mobile Internetnutzung in türkischer und deutscher Sprache abgeben, am 30. Mai 2011 fand im Base_camp, Unter den Linden 10 in Berlin, das 3. Roundtable Gespräch statt. Herbert Kubicek, wissenschaftlicher Direktor der Stiftung Digitale Chancen, stellte in seinem Impulsreferat den Zusammenhang zwischen der Altersstruktur der Bevölkerung mit Migrationshintergrund in Deutschland und den vorhandenen statistischen Daten über die Internetnutzung vor. Bei den überwiegend jüngeren Migrantinnen und Migranten sind hinsichtlich der Internetnutzung keine Unterschiede zur deutschlandstämmigen Bevölkerung erkennbar. Andere soziodemographische Aspekte wie Alter und Bildung haben einen stärkeren Einfluss auf das Internetnutzungsverhalten als die Herkunft. Bei der Grenzziehung zwischen Nutzern und Nichtnutzern spielt ein Migrationshintergrund heute kaum mehr eine Rolle.

Aufgrund der hohen Mobilfunkpenetration in der Bevölkerung mit Migrationshintergrund befasste sich die Roundtable Diskussion mit der Frage, inwieweit das mobile Internet ein Schlüssel zur Digitalen Integration von Migrantinnen und Migranten sein kann. Eine breite Mehrheit der Diskussionsteilnehmenden sieht das Potenzial der mobilen Nutzung: gesellschaftliche Partizipation könne so erleichtert werden. Voraussetzung dafür sei - so die Ansicht der Onlinediskutanten und Gesprächsteilnehmenden - ein kompetenter Umgang mit den Möglichkeiten des Internet. Als Vorteil wurden die geringeren Sprachbarrieren betont - das Social Web vereinfacht die Kommunikation unabhängig von der Herkunft und kann so die gesellschaftliche Integration unterstützen. Erwähnt wurde allerdings auch die aufgrund der Anonymität im Internet potentiell geringere Hemmschwelle für diskriminierende Äußerungen gegenüber Migrantinnen und Migranten.

Insbesondere jüngere Menschen mit Migrationshintergrund fühlen sich in zwei oder mehr Kulturen zu Hause, sie möchten - auch in verschiedenen Sprachen - auf Informationen aus beiden Kulturen zugreifen, dies war eine der Kernaussagen des Roundtable Gesprächs. Tamer Ergün Yikici, Geschäftsführer von Radio Metropol FM, Mitveranstalter und Moderator des Roundtable Gesprächs, bestätigte, dass "türkische Menschen in Deutschland sich nicht nur für die Türkei interessieren, sondern auch für das, was in Deutschland passiert. Sie wollen mehr wissen und sind bereit, sich der Gesellschaft zugehörig zu fühlen, nur die Wege sind oft schwierig. Hier kann mobiles Internet unterstützen."

Mehrsprachigkeit und interkulturelle Kompetenz ermöglichen es, im Internet die jeweils für die persönliche Lebensführung relevanten Inhalte zu nutzen. Voraussetzung dafür ist Medienkompetenz, d.h. dass man sich die Angebote erschließen und sie sicher und verantwortungsbewusst nutzen kann. Diese Fähigkeit bedarf allerdings bei Teilen der Bevölkerung - mit und ohne Migrationshintergrund - noch der Förderung.

Cicek Bacik vom Türkischen Bund Berlin-Brandenburg stellte fest: "Der Zugang zum Netz ist für die Jugendlichen leicht - aber was ist mit den älteren Migranten? Wie kommen diese an das Know-How?" Herbert Kubicek verwies in diesem Zusammenhang auf die Trainingskampagnen der Stiftung Digitale Chancen. Das Programm 'Surfen zum Job' qualifiziert Multiplikatoren in der Arbeit mit jungen Menschen - insbesondere türkischer oder russischer Herkunft - für die Nutzung des Internet zur Arbeits- und Ausbildungsplatzsuche; das Programm 'Inklusive Internet' wendet sich u.a. auch an Multiplikatoren in Migrantenorganisationen.

Hinweise auf die Motivation zur Internetnutzung geben erste Auswertungen einer bisher noch unveröffentlichten Studie von Viktoria Spaiser auf der Basis einer Befragung von 2082 Jugendlichen. Die Befragung zur politischen Internetnutzung bei jungen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund fand im Rahmen eines größeren Forschungsprojekts "Soziale Beziehungen und Konfliktpotentiale im Kontext von Erfahrungen verweigerter Teilhabe und Anerkennung bei Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund" unter der Leitung von Jürgen Mansel und Mitarbeit von Viktoria Spaiser an der Universität Bielefeld statt. Anhand der ersten Ergebnisse zeigt sich, dass Jugendliche mit türkischen und arabischen Wurzeln das Internet häufiger politisch nutzen als etwa deutsche Jugendliche ohne Migrationshintergrund oder Jugendliche mit anderen Migrationshintergründen und dies trotz ihrer starken Benachteiligung hinsichtlich formaler Bildung und sozio-ökonomischen Status. Viktoria Spaiser erläuterte in der Roundtable Diskussion, dass auf der Basis statistischer Analysen u.a. ein Zusammenhang zwischen der Nutzung des Internet für politische Partizipation und empfundener Diskriminierung, von der insbesondere türkisch- und arabischstämmige Jugendliche betroffen sind, angenommen werden kann.

Die Roundtable Diskussion kann mit den folgenden Kernaussagen zusammengefasst werden:

Im Internet weiß keiner, ob Du Migrant bist!
Im Bezug auf die Internetnutzung spielen heute andere soziodemographische Aspekte eine größere Rolle. Alter und Bildung haben einen stärkeren Einfluss auf das Internetnutzungsverhalten als die Herkunft.

Migranten sind in zwei Kulturen zu Hause
Das Internet bedient den Bedarf an Informationen aus den Kulturen, denen sich Migranten zugehörig fühlen. Mehrsprachigkeit und interkulturelle Kompetenz ermöglichen, die jeweils für die persönliche Lebensführung relevanten Inhalte herauszuziehen - Voraussetzung ist Medienkompetenz.

Digitale Integration bewirkt gesellschaftliche Integration
Das Internet bildet heute soziales Leben und soziale Strukturen ab. Selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilhabe am sozialen Netz trägt bei zu gesellschaftlicher Integration. Mobiles Internet ermöglicht die Nutzung in jeder Situation unabhängig vom jeweiligen Standort.

Dr. Susanne Eggert vom JFF - Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis wies abschließend darauf hin, dass die digitale Welt nicht getrennt werden kann von der realen Welt - diese Trennung ist nicht mehr legitim.'




Mehr erfahren Sie unter:
http://www.alle.de/diskussionen/archiv/index.cfm?action=stage1&fkey=4

Im Angebot der SDC seit 07.06.11 (cbr)

UdL Digital Roundtable


Weitere inhaltlich zusammenhängende Materialien finden Sie hier.

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Themenbereiche:
Medienkompetenz, Mediennutzung durch Menschen mit Migrationshintergrund / Aktivitäten für Menschen mit Migrationshintergrund, Mediennutzung allgemein




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