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Der 3. Zukunftskongress der Grünen in Bayern zum Thema Digitaler Wandel fand am 21. Mai in Augsburg statt. Knapp 150 Teilnehmende folgten der Einladung, sich im Annahof gemeinsam mit der Veränderung der Gesellschaft durch digitale Medien zu beschäftigen.
Der Tag begann mit einem Datenspaziergang durch die Ausgburger Altstadt: iPhone-Shop, UMTS-Antennen und das städtische Rathaus waren Stationen, die auf die Datensammelwut von Unternehmen und Staat verweisen. Bundesvorsitzende Claudia Roth erinnerte an die Rolle der Grünen bei den Protesten gegen die Volkszählung in den 80er Jahren und das mit dem Verfassungsgerichsturteil von 1983 festgeschriebene Recht auf informationelle Selbstbestimmung, während Konstatin von Notz, MdB und Mitglied der Enquete-Kommission Internet und Digitale Gesellschaft betonte, dass die Grünen heute den Zensus nicht grundsätzlich ablehnten, aber mit der Detaillierung der Erhebungen ebenso wenig einverstanden seien wie mit der sehr langen Speicherberechtigung der Behörden.
In den Eröffnungsvorträgen von Prof. Dr. Christoph Bieber von der NRW School of Governance und Anke Domscheit, selbständige Open Government Beraterin rückte dann das eigentliche Thema des Kongresses in den Mittelpunkt. Beide befassten sich mit der Frage, wie sich die Gesellschaft durch digitale Medien verändert und zeigten Beispiele, wie das Netz durch die Community zu einer Plattform digitaler Teilhabe wird. In insgesamt sieben Workshops beschäftigten sich die Teilnehmenden anschließend mit verschiedenen Aspekten der digitalen Gesellschaft. Politische Partizipation, Transparenz und Datenschutz, Veränderung der Medienlandschaft durch das Internet und die Frage der Digitalen Integration wurden am Vormittag behandelt. Gemeinsam mit Konstantin von Notz stellte sich die Geschäftsführerin der Stiftung Digitale Chancen, Jutta Croll, den Fragen der Teilnehmenden am Workshop Anschluss oder Ausschluss - das Potenzial der digitalen Medien. Dabei standen die mangelnde Breitbandversorgung und fehlende Angebote zum Erwerb von Medienkompetenz im Vordergrund der Diskussion. Chancengleichheit in der Informationsgesellschaft können nur erreicht werden, wenn schnelles Internet überall zur Verfügung stehe, so Croll, das Interesse der Bevölkerung sei vorhanden, aber es fehle in vielen Regionen noch immer an der technischen Infrastruktur. Gleichzeitig wies sie auf die Notwendigkeit hin, Angebote auch inhaltlich so zu gestalten, dass die Teilhabe aller möglich sei. Konstantin von Notz hob hervor, dass die Informationsflut und -geschwindigkeit nicht nur ungeübte Internetnutzerinnen und -nutzer vor große Herausforderungen stelle. Die Enquete-Kommission habe sich, so von Notz, dem Thema Medienkompetenz ausführlich gewidmet, hier seien weitere Maßnahmen erforderlich, damit die Gesellschaft den Digitalen Wandel bewältigen kann.
Themen wie Open Government und Open Data und die Nutzung von Web 2.0 für die parteiinterne Kommunikation sowie die Vermittlung von Medienkompetenz im Bildungssystem wurden am Nachmittag kontrovers diskutiert. Eltern und SchülerInnen äußerten ihre Erwartungen an die Bildungsinstitution Schule, Jugendliche angemessen und praxisorientiert für den technischen Umgang mit dem PC und die Nutzung von Office-Programmen zu qualifizieren, während die MedienpädagogInnen im Raum eher dafür plädierten, Medienkompetenz als die Fähigkeit zur Bewertung von medialen Inhalten zu verstehen: Facebook und andere Soziale Netzwerke angemessen und sich selbst schützend zu nutzen, lerne man eben nicht einfach von allein. Diese Positionen kollidierten, aber es bestand dennoch Einigkeit darüber, dass Medienkompetenz - wie auch immer man diese Fähigkeit definiere - den Schlüssel zur digitalen Gesellschaft darstellt. Die Veranstaltung endete mit einer kurzen Zusammenfassung der Ergebnisse im Plenum. Sie lässt nur ein Fazit zu: Die Zukunft wird digital - und grün!