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Berlin, 19. Oktober 2011 - 85,7 % der Teilnehmenden an einer Online-Umfrage der Stiftung Digitale Chancen sind der Ansicht, dass das Internet die selbständige Lebensführung von älteren Menschen unterstützt, 87,8 % sehen vor allem im sozialen Bereich Vorteile.
Die Ergebnisse der Umfrage wurden auf Einladung der Stiftung Digitale Chancen am Dienstagabend in Berlin in den E-Plus Unternehmensräumen Unter den Linden mit Expertinnen und Experten - darunter Mitglieder des Deutschen Bundestages ebenso wie Vertreter von Greenpeace Team50, VDI/VDE, der Wohlfahrtspflege und der Wissenschaft - diskutiert.
Das Internet hat gerade älteren Menschen viel zu bieten, darin waren sich die Teilnehmer des Roundtable Gesprächs schnell einig. Dass die Nutzerzahlen insbesondere bei den über 65-Jährigen dennoch weit hinter denen anderer Altersgruppen zurückbleiben, erklärte Dr. Eva Schulze vom Berliner Institut für Sozialforschung in ihrer Keynote. Feststellen ließ sich, dass die Mehrheit der über 70-jährigen Frauen (80 Prozent) den Weg ins Internet noch nicht gefunden hat, während bei den über 70-jährigen Männern immerhin bereits etwas mehr als ein Drittel online (36,4 Prozent) ist.
Prof. Dr. Herbert Kubicek stellte zu Beginn die These in den Raum, dass es nicht nur quantitative sondern auch qualitative Unterschiede in der Nutzung gibt und möglicherweise Chats und Foren nicht die Kommunikationsmittel der Wahl für Senioren seien. Wolfgang Plantholt (Greenpeace Team 50) hingegen erklärte, dass besonders der Chat für die interne Kommunikation der im gesamten Bundesgebiet lebenden Team 50 Mitglieder von Greenpeace unverzichtbar sei. Herbert Schmidt (Bayerisches Senioren Netz Forum) verwies darauf, dass gerade Senioren vorwiegend daran interessiert seien, Informationen im Netz zu suchen. Es sei wichtig, den Nutzen der Angebote im Internet für sich selbst zu erkennen. Réne Lamsfuß (Nielsen Online) ergänzte, dass verschiedene Generationen andere Wertvorstellungen und Handlungsgewohnheiten haben, die sich wiederum in einem unterschiedlichen Nutzungsverhalten niederschlagen. Er belegte diese These damit, dass eine E-Mail als Briefersatz auch bei Senioren häufig genutzt würde, während bisher Social Networking Sites nur wenig genutzt werden. Dort würden - nach Ansicht der Senioren - vorwiegend Belanglosigkeiten ausgetauscht und mitgeteilt.
Arne Schoening der beim Pro Seniore Pflegenetz verantwortlich für Internetcafés in Seniorenwohneinrichtungen der Pro Seniore Gruppe in Berlin ist, führte aus, dass diese Angebote von den Bewohnern gut genutzt werden. Die Neigung älterer Menschen, ihnen bekannte Angebote und Marken zu nutzen, führe dazu, dass auch bekannte Nutzungsformen aus der analogen Offlinewelt häufig auf die digitale Welt übertragen würden. Aus diesem Grund seien beispielsweise moderne Softtouch-Keyboards für Senioren, die an Schreibmaschinen gewöhnt seien, weniger gut zu bedienen.
Das Verlangen nach Bekanntem wird nach Ansicht von Frau Dr. Keck (BASGO) auch bei der Nutzung von feierabend.de sichtbar: Die Nutzer vertrauen dieser Seite, die sich primär an Senioren wendet und möchten sowohl die Organisation als auch die Menschen kennen, bevor sie sich auf die Nutzung einlassen. Klaus Tembrink vom DRK Bildungswerk schlug die Schaffung regionaler Kommunikationsplattformen vor, diese können das Offline- und Onlineleben besser verschränken. Feierabend.de hat dies mit der Einführung von Regionalgruppen berücksichtigt und stellt eines der bekanntesten Seniorenportale in Deutschland dar.
Eine große Mehrheit der Teilnehmenden äußerte die Meinung, dass für Senioren Angebote zwar existieren, diese aber entweder nicht die richtigen Themen bedienen oder zu schwer zu finden sind.
Einen anderen Schwerpunkt brachte Christine Weiß vom VDI/VDE in die Diskussion ein: Sie legte dar, wie technische Endgeräte in das Leben älterer Menschen integriert werden können und äußerte die Vorstellung vom Smartphone als einen ständigen digitalen Alltagsbegleiters, der grundlegende Aufgaben übernimmt und so das Leben älterer Menschen mit Hilfe von Automatisierungs- und Erinnerungsfunktionen sowohl erleichtern als auch erweitern kann.
Birgit Kampmann vom Kompetenzzentrum Technik Diversity Chancengleichheit unterstrich, dass gerade Seniorenorganisationen auf den sozialen Kommunikationsplattformen im Internet präsent sein müssten, damit die Stimme von Seniorinnen und Senioren im Internet vernehmbar ist, um eine angemessene Berücksichtigung ihrer Interessen zu gewährleisten.
Der Bundestagsabgeordnete Florian Bernschneider (FDP) stimmte dem zu und betonte die Bedeutung intergenerativer Ansätze, um einen breiten gesellschaftlichen Austausch zwischen den Generationen zu ermöglichen.
Die weitere Debatte wurde von der Frage, welche Medienkompetenz Ältere benötigen und wie man ihnen das Internet und mobile Endgeräte näher bringt, beherrscht. "Wir müssen die unterschiedlichen Zugangswege von älteren Menschen berücksichtigen", erklärt Jutta Croll, geschäftsführendes Mitglied des Vorstands der Stiftung Digitale Chancen: Für die einen ist der Computer ein grauer Kasten, dessen Bedienung man erlernen muss, für andere sind Tablet oder Smartphone das ideale Einstiegsgerät, welches Alltagsunterstützung und Kommunikation ermöglicht. Und in der Unabhängigkeit von Zeit und Ort liegt ein besonderer Reiz."
Das Internet stelle nach Meinung von René Lamsfuß nichts weiter als eine technologische Kommunikationsplattform dar, die nur entsprechend der jeweiligen Nutzerbedürfnisse genutzt werden müsse.
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