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Und wie soll es heißen? Vornamen googlen für's eigene Kind

Jutta Croll, Stiftung Digitale Chancen
Quelle: eigener Bericht / Int. Herald Tribune v. 28.11.2011 vom 02.02.12

Der Eigenname eines Menschen ist nicht etwa wie ein Mantel, der bloß um ihn herumhängt und an dem man allenfalls noch zupfen und zerren kann, sondern ein vollkommen passendes Kleid, ja wie die Haut selbst, ihm über und über angewachsen...”, schrieb schon Johan Wolfgang von Goethe im 18. Jahrhundert, und unterstrich damit die Bedeutung des Namens für die jeweilige Person. Eltern verbinden mit der Wahl des Namens für ihre Sprösslinge Erwartungen an deren Zukunft und persönliche Entwicklung. Häufig offenbart die Namenswahl geheime Wünsche und unerfüllte Sehnsüchte. So spiegelte sich in den in der ehemaligen DDR besonders häufigen Namen wie Enrico und Sandy oder Mandy das Fernweh der dort lebenden Menschen wider.

Ebenso sind Stars und Sternchen als Vorbilder der Namensgebung beliebt. Und Fußballhelden der Bundesliga - wie Uwe Seeler und Kevin Keegan - haben ganze Jahrgänge vornamensmäßig geprägt. Die jährlich von der Deutschen Gesellschaft für Sprache veröffentlichte Liste der beliebtesten Vornamen zeigt die Modetrends, denen die Vornamenwahl unterworfen ist. Eine neue Entwicklung bei der Namensfindung wird seit einiger Zeit in den USA beobachtet, wie die International Herald Tribune in ihrer Ausgabe vom 28.11.2011 berichtete. Eltern informieren sich im Internet über die Häufigkeit des gewählten Vornamens. Neben Webseiten wie http://www.vorname.com soll vor allem Google Aufschluss geben darüber, ob ein Name besonders oft vorkommt und von Personen getragen wird, mit denen man das eigene Kind eher nicht assoziiert sehen will. Kalia sei ein Name für eine Stripperin, aber nicht in der Schreibweise Kaleya fand ein künftiges Elternpaar lt. Herald Tribune heraus. Und wählte prompt die ungewöhnlichere Schreibweise, was in den USA bei einer vergleichsweise liberalen Namensrechtsgebung durchaus möglich ist. In Deutschland sind der Wahl der Vornamen engere rechtliche Grenzen gesetzt, und trotz einiger Lockerungen seit Beginn der 2000er Jahre müssen Vornamen in Deutschland anerkannt sein und einen eindeutiger Rückschluss auf das Geschlecht des Namensträgers zulassen. Ist dies mit dem ersten Vornamen nicht gegeben, so ist ein zweiter geschlechtsspezifischer Vorname hinzuzufügen. Zu weiteren rechtlichen Aspekten s. a. Wilfried Seibicke, Rechtliche Unsicherheiten.

Hinter der Vornamens-Googelei stehen lt. Herald Tribune bei den künftigen Eltern unterschiedliche Intentionen. Da gibt es einerseits diejenigen, die für ihr Kind einen besonders häufigen Namen wählen, damit es später in der Menge der Julias und Lukas anonym bleiben kann. Eine Überlegung die insbesondere mit Blick auf die zunehmende Bedeutung des persönlichen Profils in sozialen Netzwerken wie facebook durchaus relevant ist. Für andere Eltern bietet ein besonders außergewöhnlicher Vorname oder eine solche Schreibweise die Möglichkeit, die Einzigartigkeit des Kindes zu unterstreichen und es aus der Menge hervorzuheben. Die Chance, die dem Vornamen und Nachnamen entsprechende Domain für das eigene Kind zu reservieren, ist bei den selteneren Namen auf jeden Fall größer.

Lt. der Studie Digital Diaries des Unternehmens AVG haben die meisten Kinder schon im Alter von sechs Monaten irgendeine Art von Präsenz im Internet, 23 % der Eltern haben sogar bereits vorgeburtliche Ultraschallaufnahmen ihrer Kinder ins Netz gestellt. Die Wahl des Vornamens und dessen Einzigartigkeit oder Häufigkeit wird bei der Zuordnung derartiger frühkindlicher Daten und Informationen zu der jeweiligen Person künftig tatsächlich eine immer größere Rolle spielen.

In der häufig geführten Diskussion um die Frage, ob Eltern in der Lage sind, ihren Kindern einen sicheren und verantwortungsbewussten Umgang mit dem Medium Internet zu vermitteln, muss daher künftig auch die Vorbereitung der Eltern auf eine verantwortungsbewusste Preisgabe von Daten ihrer Kinder, bevor diese selbst aktiv werden im Netz berücksichtigt werden.




Im Angebot der SDC seit 02.02.12 (jcr)

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