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Eltern sollten sich aktiv mit der Onlinenutzung ihrer Kinder auseinandersetzen, indem sie mit ihnen über das Internet sprechen und ab und zu dabeibleiben, wenn ihr Kind online ist. Anders als Verbote verringert die aktive Auseinandersetzung mit der Internetnutzung das Risiko belastender Erfahrungen, ohne gleichzeitig die mit dem Internet verbundenen positiven Erfahrungen zu behindern. Dies ist eine der Schlussfolgerungen eines neuen Berichts des europaweiten Forschungsverbunds EU Kids Online, der zum Safer Internet Day 2012 (7. Februar) veröffentlicht wird.
Der Bericht untersucht die Strategien, mit denen Eltern die Internetnutzung ihrer Kinder begleiten und unterstützen, und zeigt, welche dieser Strategien die Wahrscheinlichkeit negativer und belastender Erfahrungen mit dem Internet verringern. Die Studie basiert auf Interviews mit 25.000 Kindern zwischen neun und 16 Jahren und ihren Eltern in 25 europäischen Ländern. Der Forschungsverbund EU Kids Online wird von der London School of Economics and Political Science (LSE) koordiniert, deutscher Partner in diesem Verbund ist das Hans-Bredow-Institut für Medienforschung in Hamburg.
Aktive Eltern - kompetente und weniger gefährdete Kinder
Die aktive Auseinandersetzung von Eltern mit der Internetnutzung ihrer Kinder - zum
Beispiel gemeinsame Online-Aktivitäten oder die Ermutigung des Kindes, selbstständig mit
dem Internet umgehen zu lernen und dabei in der Nähe zu bleiben - geht mit einer
geringeren Wahrscheinlichkeit einher, dass Kinder mit Online-Risiken konfrontiert werden.
Jüngere Kinder, deren Eltern die Internetnutzung häufiger aktiv begleiten, machen auch
etwas seltener belastende Erfahrungen, etwa im Zusammenhang mit Cyber-Mobbing oder
sexuellen Nachrichten, obwohl sie das Internet ebenso vielfältig nutzen wie andere Kinder.
Auch restriktive Maßnahmen - das Blockieren bestimmter Webseiten oder Verbote, Fotos
oder andere Informationen hochzuladen - scheinen ein effizientes Mittel zu sein, um das
Risiko zu reduzieren, negative Erfahrungen zu machen. Da aber diese Strategie die
Internetnutzung der Kinder stark einschränkt, führt sie zugleich dazu, dass die positiven
Möglichkeiten des Internets im Sinne von Lernen, Kommunikation und Spaß nicht
ausgeschöpft werden und sich bei den Kindern auch weniger Internetkompetenz entwickelt.
Onlinerisiken verringern, ohne positive Erfahrungsmöglichkeiten zu beschneiden
Professor Sonia Livingstone (LSE), die das EU Kids Online-Projekt leitet, betont: "Mit
Kindern über das Internet zu sprechen, sie zu ermutigen, es selbstständig zu erkunden, und
für den Fall negativer Erlebnisse in der Nähe zu bleiben, sind die Maßnahmen, mit denen
Eltern am ehesten die Onlinerisiken verringern können, ohne die positiven
Erfahrungsmöglichkeiten zu beschneiden. Die Daten zeigen, dass es die Kinder begrüßen,
wenn sich ihre Eltern für ihre Internetnutzung interessieren und ihnen auch ein gewisses
Vertrauen entgegenbringen, dass sie mit dem Internet kompetent umgehen können.
Auf der anderen Seite gibt es auch Eltern, die sich kaum um die Internetnutzung ihrer Kinder
- auch von jüngeren Kindern - kümmern. Entsprechend wünschen sich einige Kinder von
ihren Eltern mehr Interesse an und eine aktivere Auseinandersetzung mit dem Thema. Es
sollte eine vordringliche Aufgabe für die Politik sein, gerade diese Eltern auf die möglichen
Risiken der Onlinenutzung aufmerksam zu machen und ihnen Informationen und
Hilfestellungen für wirksame Erziehungsmaßnahmen zur Verfügung zu stellen."
Unterschiedliche Erziehungsstile in Europa
Wie die Autorin des Berichts, Andrea Dürager (Universität Salzburg), betont, unterscheiden
sich die europäischen Länder zum Teil erheblich in den elterlichen Erziehungsmaßnahmen.
Während zum Beispiel in der Türkei restriktive Maßnahmen sehr häufig und aktive Formen
der Auseinandersetzung selten sind, ist dies in den skandinavischen Ländern umgekehrt.
Deutsche Eltern greifen vergleichsweise oft zu restriktiven Maßnahmen, setzen sich jedoch
auch überdurchschnittlich oft aktiv mit der Internetnutzung ihrer Kinder auseinander.
Weitere Ergebnisse:
Der vollständige Bericht (auf Englisch) - Andrea Duerager und Sonia Livingstone, How Can Parents Support Children’s Internet Safety? - ist ab dem 7. Februar 2012 auf www.eukidsonline.de verfügbar. Dort finden sich auch weitere Informationen zum Projekt.
Informationen zu EU Kids Online und zu der europaweiten Befragung
Der Forschungsverbund EU Kids Online verfolgt das Ziel, das Wissen über positive
und negative Erfahrungen von Kindern und Eltern mit dem Internet zu erweitern
und damit eine empirische Grundlage für Maßnahmen zur Förderung des sicheren
Umgangs mit dem Internet zu bieten. Das Verbundprojekt wird im Rahmen des EU
Safer Internet Programms gefördert.
Die Studie basiert auf persönlichen Interviews mit 25.000 neun- bis 16-jährigen Kindern, die das Internet nutzen, und ihren Eltern. In 25 Ländern wurden dazu repräsentative Stichproben befragt; für sensible Fragen wurden Bögen zum Selbstausfüllen verwendet.