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Analphabeten fanden spielend leicht Zugang zum Internet: Indische Wissenschaftler testen Internet erfolgreich in Slums

Harald Zaun
Quelle: Telepolis 29.08.2001

Im High-Tech-Land Indien, das vor und während der Green-Card-Aktion noch in aller Munde war, sind 50 Prozent der Männer und 65 Prozent der Frauen Analphabeten. Dass diese Menschen, die im Leben niemals eine Chance hatten, einen Beruf oder gar das Lesen und Schreiben zu erlernen, keineswegs abgeschrieben werden dürfen, dass jede(r) von ihnen eine zweite und noch weitere Chancen verdient, belegt ein Experiment der besonderen Art, das indische Forscher kürzlich mit Slum-Kindern auf dem Subkontinent durchgeführt haben. Wie die BBC News am Montag berichtete, konnten die Wissenschaftler kürzlich in besagter Studie nachweisen, dass die getesteten Kinder, die Analphabeten sind und kein Englisch verstehen, das Surfen im Internet spontan im Laufe weniger Stunden erlernten. Für seine Versuchsreihe montierte Sugata Mitra, Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung des Software-Unternehmens NIIT India, einen Computer mit Internetanschluss an die Außenwand seines Büros, das an einen Slum angrenzt. Bereits kurz nach der Installation versammelten sich Slum-Kinder um das technische Gerät und erkundeten ohne fremde Hilfe das Verhalten des Computers. "Sie begannen damit, auf dem Touchpad herumzustreichen und merkten, dass ihre Fingerbewegungen auf dem Bildschirm etwas bewirkten", sagt Mitra. "Dies löste einige Verblüffung aus, und sie riefen Freunde herbei, um ihnen dieses "neuartige Fernsehgerät" zu zeigen, wo man Bilder mit dem Finger bewegen konnte." Es dauerte nicht lange und die Kinder erkannten, dass der Cursor sich in ein Händchen verwandelte, sobald er sich einem Link näherte. Bereits nach acht Minuten fingen die Kinder an, im Internet zu surfen, so Mitra. Innerhalb weniger Tage fanden die Slum-Kinder heraus, wie man Ordner anlegt, etwas kopiert und einfügt - und wie man Datei- und Programmsymbole im Drag-and-Drop-Verfahren verschieben kann. Zwei Monate nach der Installation des Computers entdeckten die Kinder das Herunterladen von MP3-Musikdateien. "Soweit ich das alles beobachten konnte, war es immer ein Lernen von Fall zu Fall und unter Gleichaltrigen", sagt Mitra. Das Computer-in-der-Wand-Experiment wurde auch in anderen indischen Städten wiederholt und zeigte überall ähnlich überraschende Ergebnisse. Ob die Früchte dieser Forschungsreihe auch jenen Kindern zugute kommt, die in dem Experiment ungewollt in die Rolle von Versuchskaninchen gedrängt wurden, darf aber getrost bezweifelt werden.

Siehe dazu auch folgenden Stern-Artikel.


Mehr erfahren Sie unter:
http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/9415/1.html

Im Angebot der SDC seit 04.10.01 (mps)

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Themenbereiche:
Mediennutzung durch Kinder / Aktivitäten für Kinder, Mediennutzung durch sozial Benachteiligte / Aktivitäten für sozial Benachteiligte


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