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Internet im Irak, knapp und kostbar
Quelle: Digital Divide List, Benton Foundation vom 16.12.01
Irakische Männer lernen an Computern in einem von der Regierung in Bagdad unterhaltenen Netcafé das Internet kennen.
Bagdad, Irak: Ein klimatisiertes Internetcafé in Bagdad, im Hintergrund dudelt amerikanische Popmusik, hier entflieht Ziad Abdel Hady der irakischen Isolation.
Abdel Hady surft zu Informationen über das Leben in arabischen Nachbarstaaten und zu den neuesten wissenschaftlichen Forschungserkenntnissen in Ingenieurwesen und Medizin. Der 45-Jährige Ingeniuer, der noch nie außerhalb seines Landes gereist ist, sagt, er würde sein Auto verkaufen, um mit einen Computer von zu Hause aus das Internet nutzen zu können.
Aber private Internetanschlüsse gibt es nicht im Irak.
Abdel Hady besucht eines von ungefähr fünf von der Regierung betriebenen Internetcafés in Bagdad, who die Browser nur Zugang zu von der Regierung kontrollierten Sites haben, viele Seiten gar nicht erreichbar sind und die Verbindung sehr langsam ist. Anfangs hat er sich in Zusammenhang mit seinem Beruf vor allem für Informationen über Pumpen interessiert.
Die Iraki leben in einer kontrollierten Welt. Satellitenschüsseln und Modems sind verboten, für den Anschluss eines Faxgeräts ist eine behördliche Erlaubnis nötig.. Lokale Medien sind entweder staatlich betrieben oder sie sind von der Regierungspartei gesponsert und zeigen die offizielle Version der Nachrichten. Das Internet bietet ein Fenster zum Rest der Welt, wenn auch ein sehr kleines, das nur wenigen offen steht.
Die Nutzer im Irak surfen durch das Internet unter den wachsamen Augen von Regierungsangestellten, und es ist unwahrscheinlich, dass sie zu oppositionellen Websites und verbotenen Inhalten gelangen, sei deren Inhalt auch noch so harmlos.
Verginie Locussol, eine Expertin für den mittleren Osten bei der Organisation Reporter ohne Grenzen in Paris sagt, das Internet zu kontrollieren, sei typisch für Diktaturen, die versuchen die Bevölkerung in totaler Isolation von der restlichen Welt zu halten."
Irakische Behörden machen den Westen für den von den Verheerungen des Krieges gekennzeichneten Zustand des Kommunikationswesens im Lande verantwortlich. Abdel-Razzak al-Hashimi, ein Vertreter der regierenden Baath-Partei sagt, es seien die Sanktionen und die dahinter stehenden Länder, die die Iraker am Aufbau einer funktionierenden Informations- und Kommunikationsinfrastruktur behinderten, und nicht die Regierung.
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Alan Mauldin von TeleGeography, ein Internet- und Telekommunikationsberater in Washington sagt, Irak sei mit 22 Mio Einwohnern das letzte oder zumindest eines der letzten Länder, die Anschluss an die Internet-Community finden. Für die Top Level Domain von Irak .iq gibt es bisher nur 225 Anmeldungen. Nach Schätzungen von TeleGeography verfügt der Irak im internationalen Vergleich nur über minimale Internetbandbreite, weniger als 10Mb/s. Irak hat vermutlich weniger Bandbreite als Syrien, dessen geschätzte 4,3Mb/s als die niedrigste Bandbreite in den arabischen Ländern gilt. Das Nachbarland Jordanien verfügt über 75 Mb/s.
Trotz aller Beschränkungen, das Internet wird hochgeschätzt von den Iraki, die es nutzen. Der Ingenieurstudent Talib Dagher Kathim sieht im Internet das einzige Tor zu einer besseren Zukunft. Als Student höheren Semesters an der Universität von Bagdad sucht Kathim im Web vor allem nach Kanadischen Universitäten, die ihm ein Doktorandenstipendium gewähren können."Die Sanktionen haben unser Land isoliert,aber das Internet hat eine neue Tür zum Wissen für uns geöffnet und mein Ergeiz kennt keine Grenzen", sagt Kathim, der im Ausland studieren möchte aufgrund der wissemschaftlichen Entwicklung im Irak. Ich wünsche mir, dort zu studieren und zurückzukehren in mein Heimatland, damit wir hier davon profitieren und die Diskrepanz zwischen uns und den anderen Ländern überwinden.
Im Angebot der SDC seit 21.12.01 (jcr)
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