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Ein Netz voller Idealisten

Matthias Sdun
Quelle: Tagesspiegel

Ein Netz voller Idealisten Nicht-Regierungs-Organisationen aus aller Welt schließen sich im Internet zu einer globalen Bewegung zusammen Matthias Sdun Soziale Bewegungen und Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) haben das politische Potenzial des Internet für sich entdeckt. Zahlreiche Initiativen haben sich mittlerweile über WWW-Seiten, Mailinglisten, Newsgroups und Chats miteinander vernetzt. Über die Online-Medien rekrutieren sie ihr Personal, koordinieren Projekte rufen weltweit zur Teilnahme an ihren Online-Kampagnen auf - mit Erfolg. Für Fouad Hamdan, Leiter der Kommunikationsabteilung von Greenpeace Deutschland, ist das Internet das Protestmedium der Zukunft: "Auf diesem Weg erreichen wir die Menschen viel schneller, direkter und kostengünstiger als früher. Gleichzeitig motivieren wir sie zum Mitmachen bei unseren Online-Aktionen." Oder zur Spendenbeschaffung. Erfolgreicher Protest gegen Nestlé Wie im Fall der Butterfinger-Kampagne: 2500 Leute stellten Fotos auf eine von Greenpeace eingerichtete Website, um gegen den genmanipulierten Schokoriegel der Firma Nestlé zu demonstrieren. Der Konzern nahm den Butterfinger schon nach kurzer Zeit wegen mangelnder Nachfrage vom Markt. "Für solche Verbraucherthemen eignen sich Online-Kampagnen besonders gut" meint Greenpeace-Stratege Hamdan. "In diesen Fragen können die Menschen mit Online-Aktionen sehr schnell etwas bewirken. Schließlich ist es leichter, ein Produkt aus dem Supermarktregal zu verbannen als das Abschalten eines Atommeilers zu erzwingen." Auch die Hilforganisation "Ärzte ohne Grenzen" (www.msf.org) nutzt das Internet, um weltweit für die Unterstützung ihrer Projekte zu werben. Zuletzt sammelten sie im Rahmen einer Online-Petition fast 300 000 Unterschriften. Unterzeichner aus 132 Ländern protestierten damit gegen eine Sammelklage großer Pharmakonzerne, die damit die Einfuhr bezahlbarer Medikamente für das von AIDS gebeutelte Südafrika verhindern wollten. Fast drei Jahre war der Fall vor Gericht, erst die Online-Petition brachte die Pharma-Industrie zum Einlenken. Besonders für kleine, finanzschwache NGOs stellt das Internet oftmals die einzige Möglichkeit dar, ihr Anliegen öffentlich zu machen. Ebenso wie Start-up-Unternehmen müssen auch sie sich die Frage stellen, wie denn überhaupt Leute auf die eigene Internet-Seite gelangen sollen. Dabei kommt den Akteuren aus dem Bewegungssektor, wie sie im sozialwissenschaftlichen Fachjargon bezeichnet werden, ihre netzwerkartige Struktur zu Gute. Ob Umwelt- oder Friedensbewegte, Menschenrechts-Initiativen oder Hilfsorganisationen - immer schon organisierten sie sich zumeist in lokalen Gruppen, die über Brief, Fax oder Telefon mit Gleichgesinnten an anderen Orten in Kontakt standen. Das Internet als ein Netz der Netze kam den Bewegungsorganisationen somit sehr gelegen, da es diese Arbeiten vereinfachte. Heute existieren im World Wide Web viele Kommunikationsplattformen, über die sich solche Initiativen mit erheblich weniger Aufwand weltweit austauschen können. Die Association for Progressive Communication (www.apc.org) hat sich zum Ziel gesetzt, die weltweite Vernetzung kleiner NGOs weiter voranzutreiben. Dazu bieten die Betreiber der Seite neben Softwarepaketen und technischem Support auch Online-Seminare an, um die Kommunikation unter den Idealisten im globalen Dorf weiter zu verbessern. Und unter www.idealist.org ist ein Zusammenschluss von über 22 000 NGOs aus 150 Ländern enstanden, die auf der gemeinsamen Website über ihre Arbeit informieren. Der virtuelle Idealist dient vor allem als riesige Stellenbörse. Besonders Organisationen aus Entwicklungsländern suchen hier nach freiwilligen Helfern mit speziellem Know-how. Früher war so was noch mühevolle Arbeit mit ungewisser Aussicht auf Erfolg. Heute geht das kinderleicht: über die Website, die mittlerweile 500.000 Seitenabrufe pro Woche verzeichnet, finden die NGOs oftmals in wenigen Tagen die richtigen Leute. Häufig sind es Bewerber aus den reichen Ländern, die sich freiwillig und ohne Bezahlung in solchen Projekten engagieren. Durch die Mitarbeit sammeln sie Auslandserfahrung und erhalten tiefe Einblicke in andere Kulturen.


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