Kinder und Jugendliche > Artikel
Artikel
Websites für Kinder - (k)ein Kinderspiel
Margit Kaiser, Stiftung Digitale Chancen
Quelle: Netzeitung.de vom 18.04.02
Der Usability-Experte Jakob Nielsen von der Nielsen Norman Group, USA, hat getestet, wie Kinder das Web wahrnehmen. Er kam zu dem Ergebnis, dass Kinder von schlechtem Design verwirrt werden und Werbung und Inhalt nicht unterscheiden können.
Auf 128 Seiten hält Nielsen die Untersuchungsergebnisse seines Tests mit 55 Kindern (39 Kids aus den USA und 16 in Israel) im Alter von 6 bis 12 Jahren fest. Die Kids testeten dabei 24 speziell für Kinder konzipierte Seiten und drei weit verbreitet genutzte Seiten für Erwachsene (Amazon, Yahoo! und Weather.com).
Kaum Untersuchungen zu Nutzungsverhalten von Kindern
Millionen von Kindern nutzen das Internet bereits und jährlich kommen mehr und mehr hinzu. Im gleichen Maß steigt die Anzahl der Seiten, die speziell für Kinder konzipiert werden und sowohl lehrende Inhalte transportieren wie auch eine frühe Bindung an Marken herbeiführen sollen. Mittlerweile stellt nahezu jede größere Firma auf ihrer Website einen eigenen Bereich für Kinder zur Verfügung.
Darüber, wie sich Kinder im Internet bewegen, gibt es kaum Untersuchungen. Nielsen kommt daher zu der Überzeugung, dass Webdesign für Kinder vorrangig „auf puren Ammenmärchen“ beruht. Im günstigsten Fall hätten die Webdesigner das Nutzungsverhalten ihrer eigenen Kinder abgeschaut, was jedoch kaum repräsentativ ist.
Das Kind als „Technologie-Experte“?
Erstaunlicherweise kommen die Kinder mit den drei für Erwachsene konzipierten Websites bestens zurecht. Wobei Seiten wie Amazon und Yahoo! auch von den Erwachsenen für ihre einfache Benutzbarkeit gelobt werden. Bei den Websites für Kinder ist die Navigation oftmals so komplex angelegt, dass die Kinder häufig die Lust verlieren und die Seite einfach verlassen.
Als Mythos bezeichnet Nielsen in seinem Bericht das Kind als „Technologie-Experte“. Langsame Downloads oder technische Probleme führen bei Kindern ebenso schnell wie bei Erwachsenen zu Frustration und zum „Wegklicken“. Ein Viertklässler drückt es so aus: „Wenn ich nicht weiß, was ich auf einer Website machen soll, suche ich mir etwas anderes.“
Da Kinder aber oftmals ausgediente und damit langsamere Computer von ihren Eltern bekommen oder in der Schule an Computern sitzen, die schon allein aufgrund der Kosten mehrere Jahre alt und nicht aufgerüstet sind, gilt es bei der Konzipierung von Kinderseiten ein besonderes Augenmerk auf die geringere Leistung dieser Rechner zu richten. Einfache, schlichte Sites entsprechen hier eher der Leistungsfähigkeit des Rechners.
Unterschiede im Nutzungsverhalten zwischen Kindern und Erwachsenen
Insgesamt differieren die Untersuchungsergebnisse der Kinder häufig von Testergebnissen mit Erwachsenen. Die Kinder empfinden Animationen und Sound-Effekte als sehr positve Designelemente und ziehen die Maus häufig über den gesamten Bildschirm, um animierte Links zu finden oder einfach um die Geräusche zu hören, mit denen einzelne Grafiken animiert sind. Ergänzend mögen die Kinder vor allem 3D-Designs, wie virtuelle Dörfer, Räume oder Landkarten, die als Überblick und Eingangspunkt einer Website dienen.
Die Möglichkeit des Scrollens wird von den Kindern überwiegend nicht genutzt. Informationen, die sich nicht im sichtbaren Bereich des Bildschirms befinden, bleiben häufig unentdeckt. Außerdem lesen die Kinder Bedienungsanleitungen, bevor sie ein ihnen neues Spiel starten.
Kinder sind nicht „Bannerblind“
Große Bedeutung misst Nielsen dem Ergebnis bei, dass Kindern offenbar die bei Erwachsenen weit verbreitete „Bannerblindheit“ fehlt. Während Erwachsene so gut wie nie Bannerwerbung anklicken, können Kinder offensichtlich nicht unterscheiden, was Inhalt und was Werbung ist. Zeigt ein Werbebanner ein bekanntes Objekt (z.B. Pokémon) oder etwas, das wie ein interessantes Spiel aussieht, so klicken die Kinder es an, in dem Glauben, es gehöre zur Site. Nielsen empfiehlt allen Eltern und Erziehern dringend, den Kindern zu erklären, was Web-Werbung ist.
Umdenken bei Webdesigns
Nielsen kommt zu dem Schluss, dass Kinder offensichtlich unterhaltsame, lustige und farbenfrohe Websites mögen, am besten gespickt mit Multimediaeffekten. Gleichzeitig sollten Inhalt und Aufbau der Site einfach gestrickt und von hoher Effizienz sein. Rund 70 Regeln für den Aufbau einer für Kinder benutzerfreundlichen Website hat Nielsen seinem Bericht hinzugefügt.
Mehr erfahren Sie unter:
http://www.nngroup.com/reports/kids
Im Angebot der SDC seit 23.04.02
- Verwandte
Themenbereiche:
- Mediennutzung durch Kinder / Aktivitäten für Kinder, Forschung