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Mein Internet und ich

Jutta Croll, Stiftung Digitale Chancen

Freunde finden, Kuchen backen, Autos kaufen, ‚Schnäppchen’ machen und gesund bleiben

Die neuesten Zahlen der Allensbacher Computer und Telekommunikationsanalyse (ACTA 2002) zeigen eine deutliche Veränderung der Nutzungsmuster von Computer und Internet gegenüber den bisherigen Erhebungen. Sie belegen damit einen Trend der zunehmenden Integration des Internet in das Leben der Nutzer. 46 % der Bundesbürger zwischen 14 und 64 Jahren sind bereits Onliner, und sie benutzen das Internet um ihren Alltag zu bewältigen und ihre Hobbys zu pflegen.

1998 wurde der heimische PC noch vorwiegend als intelligente Schreib- und Rechenmaschine genutzt, Textverarbeitung (95 %), Tabellenkalkulation (57 %) und die Einkommensteuererklärung (32 %) zählten zu den häufigsten Nutzungsarten. Im Jahr 2002 haben diese Anwendungen z. T. erheblich an Bedeutung verloren, wie Tabellenkalkulation (47 %) und die Einkommensteuererklärung (23 %), während die Nutzung des PCs für Internetanwendungen von 25 % auf 65 % gestiegen ist, die Nutzung für den Austausch von Nachrichten und E-Mails von 21 % auf 56 %. Spielen am PC ist inzwischen weniger wichtig, 72 % in 1998 gegenüber 59 % in 2002, während die Nutzung zur Pflege von speziellen Interessen und Hobbys wie Foto-, Video- und Musikbearbeitung einen deutlichen Anstieg von 10 % auf 20 % verzeichnet. Dies spiegelt sich auch in der Ausstattung des heimischen PCs mit Peripheriegeräten wieder, immer mehr heimische Rechner verfügen über CD-Brenner, DVD-Laufwerk, ISDN-Karte und TV-, Radio- oder Videokarte. Selbst die insgesamt noch relativ selten anzutreffenden Webcams konnten ihren Anteil bei den heimischen PC-Nutzern von 4,5 % in 2001 auf 8 % in 2002 fast verdoppeln.

Bei der Anschaffung technischer Geräte zeigen die Konsumenten ein immer stärkeres Preisbewusstsein. Der Fachhandel erlebt seit 1998 einen Einbruch seines Marktanteils von 33,9 % auf nur noch 18,5 % im Jahr 2002, selbst Technikdiscounter wie Saturn oder Media-Markt können sich mit 15,8 % in 2002 gegenüber 17,5 % in 1998 nur knapp behaupten. Gewonnen haben Anbieter von nicht Markenartikeln, wie Aldi, Baumärkte oder Tankstellen, die einen Zuwachs von 5 % auf 10,4 % erreichen. Noch relativ gering bleibt das Marktsegment der über das Internet bestellten Computer mit 1,3 %.

Die Zahl derjenigen Bundesbürger, die bereits einmal etwas über das Internet eingekauft haben, ist von 25,3 % im Jahr 2001 auf 30, 2 % gestiegen. Allerdings sagen 37 % der Internetnutzer, dass sie sich gern im Internet über die Angebote informieren, dann aber doch anderswo einkaufen. Bei der Produktrecherche stehen Reiseangebote mit 50 % an erster Stelle. Einfacher Preisvergleich, schnelle Information über die Verfügbarkeit des gewünschten Produkts und in hohem Maße das Interesse daran, über das Internet ‚Schnäppchen’ zu machen, stimulieren die Bereitschaft der Nutzer zum E-Commerce. Ein großes Potential liegt im Bereich elektronischer Tickets, die zunehmend angeboten werden und dem Käufer den Vorteil bieten, sofort – durch Ausdruck auf dem heimischen Drucker – über das erworbene Produkt verfügen zu können. Ebenfalls zeigen die Nutzer ein starkes Interesse an Auktionen, die als eine besondere Form des E-Commerce kommunikative und interaktive spielerische Elemente in sich vereinen, 44 % der Onliner haben sich bereits mindestens einmal an einer Versteigerung beim Marktführer eBay beteiligt.

Entwicklung der Internetnutzerpotentiale von 1998 bis 2002

Seit 1998, als 11,8 % der Bundesbürger das Internet nutzten und 6,1 % ihre Absicht dazu bekundeten, konnte dieses Wachstumspotential regelmäßig im darauf folgenden Jahr realisiert werden und wurde z. T. sogar übertroffen. Im Jahr 2002 zeigt sich erstmals eine Trendumkehr: 17,1 % der Bundesbürger zwischen 14 und 64 Jahren erklärten im Jahr 2001 die Absicht, innerhalb der kommenden zwölf Monate online gehen zu wollen, tatsächlich stieg die Zahl der Nutzer von 40 % nur auf 46 %, zugleich sinkt die Rate derjenigen, die die Internetnutzung planen, in 2002 auf nur noch 14,2 %. Geschlechts- und bildungsspezifische Kriterien wirken sich weiterhin auf die Nutzung aus. Von den Frauen, die noch nicht online sind, haben 56 % auch künftig nicht die Absicht, dies zu tun, bei den Männern liegt die Quote nur bei 44 %. Noch deutlicher wird die Disparität im Bildungsbereich: 62 % die Nichtnutzer mit einfacher Schulbildung haben nicht die Absicht, das Internet in Zukunft zu nutzen. Bei der Bevölkerung mit höherer Schulbildung sind dies nur noch 9 %, hier scheint eine gewisse Sättigung erreicht.

Der Umfang der Internetnutzung stabilisiert sich auf hohem Niveau, 33 % erklären in 2002, die Nutzung in gleichem Umfang wie bisher weiter betreiben zu wollen, die Zahl derjenigen, die ihre Nutzung steigern wollen sinkt von 70 % in 1998 auf 58 % in 2002. Themen wie Gesundheit und Wohnen stehen an erster Stelle des Interesses, bei Männern ergänzt durch Heimwerken und Do-it-Yourself, bei Frauen durch Kochen und Rezepte. Auch an diesen geschlechtsspezifischen thematischen Unterschieden zeigt sich die zunehmende Integration des Internet in die Lebenswelten. Keine Revolution der Mediennutzung, sondern die Bestätigung dessen, was wir schon immer gewusst haben: Wie die klassischen Medien Print, TV und Hörfunk wird das Internet eingesetzt, um den eigenen Interessen nachzugehen und ein spezifisches Informationsbedürfnis zu befriedigen.

Das große Interesse der Nutzer an den kommunikativen Elementen des Internet – E-Mails versenden liegt mit 89 % an der Spitze der Nutzungsarten, Chatten 45 % und Kontakte knüpfen 42 % sind ebenfalls stark gefragt – zeigt allerdings auch, wo die Stärken des ‚neuen’ Mediums liegen. Und hier sind dann auch durchaus geschlechtsspezifisch unterschiedliche Nutzungsmuster erkennbar, das Internet kommt dem höheren Kommunikationsbedürfnis der Frauen entgegen, den Männern dient es – immer noch – in erster Linie zur Befriedigung des Spieltriebs.


Mehr erfahren Sie unter:
http://www.acta-online.de

Im Angebot der SDC seit 29.10.02 (jcr)

Institut für Demoskopie Allensbach


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