Consumers International, der weltweite Verband von Verbraucherorganisationen in 115 Ländern und
Consumer WebWatch, ein US amerikanisches nonprofit Forschungsprojekt, haben ihre Untersuchungsergebnisse zur Glaubwürdigkeit von Informationen auf Websites aus dem Bereich Gesundheit und Finanzen bekanntgegeben. Die Wissenschaftler untersuchten hierfür im Zeitraum April 2002 bis Juli 2002 mehr als 460 Websites in 13 Ländern. Die Ergebnisse zeigen vor allem, dass Verbraucher bei der Suche nach verlässlichen Informationen größte Vorsicht walten lassen sollten.
Zu den wichtigsten Ergebnissen zählen:
- 49 Prozent der Sites aus dem Gesundheits- und Finanzbereich weisen nicht auf den sachgerechten Umgang mit den erhaltenen Informationen hin. Zum Beispiel gibt es keinen Hinweis darauf, sich vor Befolgung eines auf der Website gegebenen Rates eine zweite Meinung bzw. weitere Informationen bei einem Fachmann/bei einer Fachfrau zu holen.
- Rund 50 Prozent der Websites mit gesundheitlichen oder finanziellen Informationen geben keine ausreichende Auskunft darüber, woher und von wem diese Informationen stammen. Dem User fehlt damit die Möglichkeit die Vertrauenswürdigkeit der erhaltenen Informationen zu überprüfen.
- Nur knapp über die Hälfte (57 %) der geprüften Websites mit allgemeinen Informationen beinhaltet überhaupt einen Hinweis auf die Quelle der Informationen.
- 39 Prozent der Sites, die persönliche Daten erfassen, besitzen keine Datenschutzrichtline.
- 62 Prozent der Sites beinhaltet vage oder unspezifische Aussagen.
- 55 Prozent der Sites machen keine Angaben zur Aktualität der Informationen.
- 30 Prozent der Sites geben keine Möglichkeit zum Kontakt, wie zum Beispiel Adresse oder Telefonnummer.
- Nur 41 Prozent der Websites, die Empfehlungen für bestimmte Produkte aussprechen, geben auch Informationen zur Quelle der Preisangabe bekannt.
- 26 Prozent der untersuchten Sites gaben keine Auskunft über deren Besitzer.
- 60 Prozent der Sites geben keinen Hinweis darauf, ob es sich um eine kommerziell beeinflusste Site handelt oder nicht.
„Die Ergebnisse dieser Studie sind alarmierend, wenn man bedenkt, dass die Mehrheit der Verbraucher das Web als eine Quelle von Informationen nutzt, denen sie vertrauen können.“, sagt Anna Fielder, Leitung des Consumers International’s Office for Developed and Transition Economies. „Die Verbraucher setzen sich dem Risiko irreführender, unrichtiger und unvollständiger Informationen aus, zum Beispiel wenn sie gesundheitliche oder finanzielle Hilfe suchen. Es ist dringend notwendig, die Verbraucher auf diese Gefahr aufmerksam zu machen.“
Aufgrund dieser und weiterer Ergebnisse aus ergänzenden Studien weist
Consumers International den Verbraucher (User) darauf hin:
- Glauben Sie nicht alles was Sie lesen. Viele Websites versprechen große Zeit- und Geldersparnis. Diese Versprechen können Übertreibungen sein.
- Verlassen Sie sich nicht auf die Aussagen einer Website. Vergleichen Sie stets die Ergebnisse mehrerer Websites.
- Überprüfen Sie den Hintergrund der Website, sofern er verfügbar ist. Sind keine Hintergrundinformationen gegeben (Buttons/Links: „Über uns“, „About us“, „Wer wir sind“, etc.), ist dies ein Grund von Anfang an skeptisch an die Site heranzugehen. Halten Sie Ausschau nach einem Firmennamen, einer „echten“ Adresse und Informationen zum Besitzer der Website, sowie zu Partnern und Sponsoren, die ein eigenes Interesse mit den angebotenen Informationen verfolgen könnten.
- Überprüfen Sie die Verlässlichkeit der Informationen. Wenn die Site Ratschläge erteilt, achten Sie auf die Glaubwürdigkeit und Kompetenz der Person, die hinter diesen Ratschlägen steht. Bei der Empfehlung von Produkten und Preisen, kontrollieren Sie, ob sie Site verdeutlicht, welche Bereiche des Marktes/Angebots die Suchfunktion der Website abdeckt.
- Überdenken Sie, welchen Risiken Sie sich aussetzen könnten, wenn Sie eine bestimmte Website nutzen. Geben Sie nur die persönlichen Informationen heraus, von denen Sie denken, dass sie wirklich notwendig für den Gebrauch der Website oder die Durchführung einer Transaktion sind. Suchen Sie nach den Site-/Firmeneigenen Datenschutzbestimmungen/-richtlinien. Bevor Sie dem Rat einer Website folgen, sprechen Sie mit einem Fachmann/einer Fachfrau darüber.
Von Unternehmen und Webpublishern fordert
Consumers International:
- Bieten Sie klare Informationen zur Identität ihrer Site an. Wem gehört die Site, wer ist dafür verantwortlich? Geben Sie dem User die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme: eine Adresse, eine Telefonnummer und eine E-Mail-Adresse.
- Machen Sie deutlich, welche Informationen und Inhalte von kommerziellem Interesse sind. Machen Sie Sponsoren und Werbeanzeigen kenntlich.
- Geben Sie zusätzliche Informationen und Nachweise zur Kompetenz der Autoren, die die Inhalte verfasst haben. Machen Sie klar, wo Interessenkonflikte bestehen.
- Bieten Sie Informationen an, welche Bereiche des Marktes/Angebots ihr Webangebot abdeckt und wie aktuell die gemachten Angaben sind.
Aber auch an Regierungen und Verwaltungen richtet sich
Consumers International. An diese ergeht die Forderung, darauf zu achten, dass die Unternehmenspraktiken der Online-Welt den existierenden Gesetzen entsprechen, sowie die weitere Entwicklung dieser Praktiken zu beobachten, um gegebenenfalls eingreifen zu können. Ebenso sollten Regierungen und Verwaltungen mit Verbraucherverbänden und –organisationen zusammenarbeiten, die Forschung auf diesem Gebiet erweitern und die Verbraucher zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit dem Internet anleiten.