Entgegen der gängigen Meinung, amerikanische Berufstätige würden in einer Flut von E-Mails ersticken, berichtet die neueste Studie von Pew Internet davon, dass die Mehrheit der Berufstätigen die Erfahrung gemacht hat, die Anzahl der täglich eingehenden E-Mails durchaus handhaben zu können und sich eher erfreut über die Arbeitserleichterung durch E-Mails äußert.
Die Studie des Pew Internet and American Life Project belegt, das E-Mail ein integraler Bestandteil des Arbeitslebens von 57 Millionen US-Amerikanern ist - das sind mehr als 60 Prozent der Arbeitnehmer in den USA. Die Zahl der Arbeitnehmer die mit E-Mailing arbeiten hat sich damit in den vergangenen zwei Jahren nahezu verdoppelt.
Die Wissenschaftler des Projekts befragten 2.447 US-Amerikaner, von denen 1.003 E-Mail für ihre Arbeit nutzen. Sie fanden heraus, dass der durchschnittliche Berufstätige rund eine halbe Stunde für die Bearbeitung seiner E-Mail-Post benötigt. Die meisten Beschäftigten erhalten zehn E-Mails oder weniger und versenden bis zu fünf E-Mails.
"Zu Beginn der Untersuchung dachten wir, wir würden auf Abneigung gegen E-Mail stoßen - nicht nur gegen Spam sondern auch gegen die steigende Anzahl aller Arten von E-Mail.", sagt Deborah Fallows, Senior Research Fellow des Projekts. "Stattdessen fanden wir heraus, dass die meisten Berufstätigen sehr zufrieden mit E-Mail sind und mit der Rolle, die E-Mail in ihrem Arbeitsleben spielt. Wir fanden nahezu keinen Hinweis auf Frustration und Ernüchterung, was die Arbeit mit E-Mail angeht."
Fallows wies darauf hin, dass diese positiven Ergebnisse für arbeitsbezogene E-Mails gelten. Während die meisten Arbeitnehmer nur wenig oder sogar kein Spam in der Arbeitsmail finden, zeigen andere Pew Internet Projekt-Untersuchungen einen wachsenden Unmut gegenüber Spam in der privaten E-Mail-Box.
52 Prozent der Berufstätigen stufen Arbeits-E-Mails als für ihre Tätigkeit essentiell ein, 34 Prozent als hilfreich. Nur wenige bezeichnen E-Mail als Zeitverschwendung. Ähnlich beurteilen die Befragten die Rolle, die E-Mail bei ihrer täglichen Arbeit spielt:
- 72 % sagen, E-Mail helfe ihnen mit einer größeren Anzahl Personen zu kommunizieren.
- 71 % sehen in E-Mails eine Zeitersparnis.
- 62 % sagen, sie seien für Mitarbeiter erreichbarer; ein Drittel der Befragten gibt jedoch an, durch E-Mail zu erreichbar für die Mitarbeiter zu sein.
- 59 % geben an, dass E-Mails die Zusammenarbeit am Arbeitsplatz verbessern.
- 43 % sagen, E-Mail würde sie während ihrer Arbeitszeit hin und wieder entlasten.
Es gibt aber auch negative Aspekte bei der Nutzung von E-Mail am Arbeitsplatz. Zirka ein Viertel der Befragten fühlt sich durch E-Mail im Arbeitsablauf gestört oder abgelenkt, ein Fünftel macht E-Mail für Missverständnisse am Arbeitsplatz verantwortlich und in etwa die gleiche Anzahl Personen sagt, E-Mail wäre eine weitere Ursache für Stress bei der Arbeit.
"Arbeitgeber, die sich darüber beschweren, dass Arbeitnehmer zu viel Zeit für private E-Mails verwenden, sollten erleichtert sein zu erfahren, dass Arbeitnehmer den Inhalt ihrer E-Mails todernst nehmen.", sagt Fallow. Die Mehrheit der Befragten berichtet, dass nahezu die gesamte eingehende Mail und ein noch höherer Anteil der ausgehende Mail arbeitsbezogen ist.
Fallows identifizierte eine Gruppe von Befragten als so genannte "Power E-Mailers". Die Gruppe macht in etwa ein Fünftel aller Arbeitnehmer, die mit E-Mail arbeiten, aus. Diese Personen unterscheiden sich deutlich von der Norm, da sie eine große Anzahl an E-Mails pro Tag bearbeiten. Viele von ihnen erhalten über 50 E-Mails, versenden mehr als 20 und verbringen zwei oder mehr Stunden pro Tag mit E-Mailing. Sie kontrollieren ihre E-Mail-Eingänge mit hoher Frequenz (mehrmals pro Stunde, oft mit Benachrichtigungsfunktion) und höchstwahrscheinlich auch bevor sie zur Arbeit gehen, bevor sie zu Bett gehen und auch während des Urlaubs.
Innerhalb dieser Gruppe vermutete das Projekt die tatsächlich durch E-Mail überlasteten Arbeitnehmer. Und wirklich, elf Prozent der "Power E-Mailers" sagen, sie seien durch ihr E-Mail-Arbeitspensum überlastet, verglichen mit zwei Prozent der "Nicht Power E-Mailers". Insgesamt betrachtet fühlen sich "Power E-Mailers" jedoch gut mit der Menge der zu bewältigenden E-Mail und neigen mehr noch als andere Arbeitnehmer dazu, die Vorzüge von E-Mail hervorzuheben.
"Sie arbeiten sehr viel mehr mit E-Mail, aber sie arbeiten klug und effizient.", sagt Fallow. "Letztendlich zahlt sich E-Mail für sie aus."
Die vollständige Studie kann auf der Website
PewInternet.org heruntergeladen werden.