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Gender im Netz oder wer ist wirklich drin?

Barbara Schwarze, Kompetenzzentrum Frauen in Informationsgesellschaft und Technologie

Wenn Nielsen Netratings "the global standard for Internet audience measurement and analysis" ihre Zahlen veröffentlicht, bekommt die Welt neue geographische Zuordnungen - diejenigen die Online sind und die so genannten Offliner. Barbara Schwarze, Geschäftsführerin Kompetenzzentrum Frauen in Informationsgesellschaft und Technologie, untersucht, wie das Verhältnis von Frauen und Männern im Internet ist.

580 Millionen Menschen waren laut Nielsen Ende 2002 online, dabei sind die größten Gruppen von Nutzerinnen und Nutzern in den USA und Europa zu finden. Werden diese und andere Daten über die Internetnutzung geschlechtsspezifisch ausgewertet, fällt auf, dass beispielsweise Hongkong, China durch eine gleichberechtigte Nutzung von Frauen und Männern im Internet auf sich aufmerksam macht. Damit nimmt China, laut einer Statistik der International Telecommunication Union den dritten Platz mit 49 Prozent, nach den USA und Canada mit gut einer Hälfte weiblicher Nutzer ein. Deutschland ist mit 37 Prozent auf einem der hinteren Plätze vertreten.

Die Bundesregierung hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt

In dem Aktionsprogramm "Innovation und Arbeitsplätze in der Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts" ist eine übergreifende Zielsetzung dargestellt, die die Gewährleistung der Teilhabe aller gesellschaftlichen Gruppen und gleicher Chancen von Frauen und Männern an der umfassenden Nutzung moderner Informations- und Kommunikationstechniken bis 2005 beinhaltet.

Auf nationaler aber auch auf lokaler Ebene haben sich viele Initiativen und Projekte gegründet, die die gleichberechtigte Teilnahme von Frauen und Männer im Internet fördern. Männer sowie Frauen sollen die Möglichkeit bekommen, das Internet zu nutzen und an dessen Gestaltung teilzunehmen. Die Zahl von 580 Millionen Internetnutzerinnen und Internetnutzern weltweit sagt jedoch wenig über ihr Verhalten, die Intensität und die genutzten Inhalte und Anwendungen aus.

Eine Studie von Cyber Atlas über die Internetnutzungsgewohnheiten in den USA zeigt beispielsweise, dass Frauen dort inzwischen über die Hälfte der privaten Nutzerinnen und Nutzer stellen. Gleichwohl verbrachten diese deutlich weniger Zeit im Internet als Männer und riefen weniger Seiten auf. Dawn Brozek, Senior Internet Analyst bei Nielesen/Netratings, zog daraus den Schluss, dass Frauen den Hauptteil der Haushaltsverantwortlichkeit "schultern" und daher zu Hause über ein zu geringes Zeitpolster für umfangreichere Internetsitzungen verfügen.

Eine Untersuchung zur genderspezifischen Internetnutzung in Deutschland belegt, dass 49 Prozent der Männer aber nur 35 Prozent der Frauen online sind. Gerade bei jüngeren Frauen und Frauen im Studium ist die Nutzung des Internet sehr hoch und der Nutzung von Männern angeglichen. Betrachtet man beispielsweise die Internetnutzung bei Angestellten fällt auf, dass 30 Prozent der Frauen das Internet noch nicht nutzen, im Gegensatz zu 16 Prozent der Männer. Neben dem Geschlecht und dem Alter, spielen aber auch Bildung und Einkommen eine erhebliche Rolle, ob das Internet genutzt wird.

Der digitale Graben geht quer durch die formal besser Gebildeten, quer durch Personen mit gutem Einkommen und quer durch die Generationen.

Zu alt fürs Netz?

Der Einkauf von Lebensmitteln, die Bestellung von Fahrkarten, die Überweisungen für Rechnungen - viele dieser Alltagsaufgaben können heute bequem von zu Hause aus erledigt werden. Das Internet ermöglicht Seniorinnen und Senioren bis ins hohe Alter hinein eine selbständige Lebensführung ohne auf Fahrdienste oder andere Hilfeleistungen angewiesen zu sein.

In der Bundesrepublik sind heute etwa 29 Millionen Menschen über 50 Jahre alt. Derzeit nutzt nur etwa ein Viertel das Internet. Der Online Atlas 2003 zur Internetnutzung in Deutschland meldet zwar einen Zuwachs von rund 2 Millionen allein in dieser Altersgruppe seit dem Vorjahr, aber: Die meisten dieser insgesamt etwa 7,3 Millionen User befinden sich in der jüngeren Altersgruppe von 50 - 59 Jahren (4,5 Millionen), gut 2 Millionen Onliner sind älter als 60, aber nur 200.000 älter als 70.

Mit zunehmendem Lebensalter steigt der Anteil der Frauen in der älteren Bevölkerung, fast 60 Prozent der über 70-Jährigen sind weiblich. Ihr Anteil unter den Internetnutzern nimmt aber überproportional ab: von den 5,2 Millionen Frauen über 70 Jahren sind nur 2,5 Prozent online, aber 13,4 Prozent der 3,8 Millionen Männer dieser Altersgruppe. Fast die Hälfte der Generation 50+ in Europa gibt an sich zu alt zu fühlen, um sich mit den neuen Technologien vertraut zu machen.

In Europa nutzen insgesamt 16,5 Prozent der Personen über 50 Jahre die Internetdienste regelmäßig, immerhin 22 Prozent geben an, einen Zugang von zu Hause zu haben. Alter ist kein Hindernis zur Nutzung von neuen Technologien, dies zeigen beispielsweise die Niederlande mit 44 Prozent Internetnutzung von Seniorinnen und Senioren. Auch Schweden und Dänemark mit jeweils etwas über einem Drittel haben einen deutlich höheren Anteil an Onlinern jenseitz der 50 zu verzeichnen als Deutschland.

E-Government und ob man(n) drin ist

In der internationalen Benchmarking Studie zu Government Online vom November 2002, in der untersucht wird, wie stark die Bevölkerung bereits Internetangebote von Banken oder von Bundes-, Länder- oder kommunalen Verwaltungen annimmt, zeigt sich, dass 63 Prozent der Erwachsenen aller 31 untersuchten Länder Bedenken bezüglich der Sicherheit der vorgenommenen Transaktionen hat, und diese besonders, wenn sie mit der Preisgabe persönlicher Informationen über den Umfang des Gehalts oder der Nummer des Bankkontos verbunden ist. Dies kann, muss aber nicht eine Barriere für die Internetnutzung sein.

Zu den Ländern mit dem höchsten Anteil an Personen mit Sicherheitsbedenken beim Austausch persönlicher Daten mit Behörden gehören Japan mit 90 Prozent, Deutschland mit 82 Prozent, Frankreich mit 76 Prozent, Taiwan mit 75 Prozent und Italien mit 72 Prozent. Zusätzlich ist zu sehen, dass die größten Bedenken bei der Gruppe der Frauen und der Gruppe der 45-64 Jährigen bestehen.

In Deutschland nutzen 26 Prozent der Männer und 21 Prozent der Frauen die Vorteile der elektronischen Verwaltungsdienste und - angebote. Damit stieg der Anteil der Frauen verglichen mit 2001 um 1 Prozent auf 11 Prozent. Aber immer noch ist der durchschnittliche Besucher von Online-Behörden männlich, zwischen 25 und 34 Jahren alt, gut gebildet und verfügt über ein mittleres Haushaltsnettoeinkommen.

Internet für alle?!

Die Informationsgesellschaft besteht aus Personen unterschiedlichen Geschlechts, unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Herkunft, Sprache und Medienkompetenz. Es gilt diese Nutzergruppen zu erforschen, einzubeziehen, in ihrer Entwicklung zu begleiten, das Angebot kontinuierlich zu optimieren und zielgruppenspezifische Barrieren durch intelligente und kreative Maßnahmen abzubauen.

Die Europäische Kommission und das Europäische Parlament haben bereits in vielen Bereichen ein Verfahren eingeführt, das Männern wie Frauen bei der Entwicklung politischer Vorhaben, Programme oder Projekte eine neue Denkweise ermöglichen soll. Dieses ebenso einfache wie zukunftsweisende Prinzip, das sogenannte "Gender-Mainstreaming", tut sich ganz besonders schwer, Eingang in die Köpfe von Frauen und Männern zu finden, die diese Informationsgesellschaft gestalten sollen und wollen.

Dabei ist es ganz unproblematisch. Es geht darum, wie die Generaldirektion Beschäftigung und Soziales der Europäischen Kommission feststellt, bei allen allgemeinen politischen Planungen und Konzepten von vornherein zu überlegen, wie sich diese auf Frauen und Männer in unserer Gesellschaft auswirken können. Ziel ist es, mit Hilfe dieser neuen Strategie, Chancengleichheit für Frauen und Männer in unserer Gesellschaft herzustellen, aber auch bei der Ausgestaltung und Nutzung von neuen Technologien.


Mehr erfahren Sie unter:
http://www.frauen-technik-impulse.de/

Im Angebot der SDC seit 12.11.03 (cha)

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Themenbereiche:
Mediennutzung durch Frauen / Aktivitäten für Frauen, Mediennutzung allgemein




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