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Frauen und Technik: zwei Welten begegnen sich?

Daphne Jackson, übersetzt von Anne Bausch , Daphne Jackson Trust

Am Weltfrauentag (8. März 2004) veröffentlichten das Institut für Physik und der Daphne Jackson Trust einen neuen Bericht, in dem es darum geht, wie Großbritannien die Abwanderung von Frauen aus Naturwissenschaft, Ingenieurwissenschaft und Technik aufhalten kann.

Übersteigen Gleichungen und elektrische Schaltkreise tatsächlich die Fähigkeiten der Frauen oder gibt es einen anderen Grund, warum so wenige Frauen eine Laufbahn in Natur- und Ingenieurwissenschaften und Technik anstreben? Gibt es ein systemimmanentes Problem, das fast 50 Prozent der Bevölkerung von Berufen in diesen Bereichen ausschließt? Der Report "Rekrutierung, Bindung und Rückgewinnung" gibt praktische Empfehlungen, die zur Umkehrung der jetzigen Trends beitragen sollen.

Dieser Bericht entstand aus einer Diskussion, die im September 2003 mit Teilnehmern aus der naturwissenschaftlich orientierten Industrie, Wissenschaft und Politik aus Großbritannien, Europa und den USA geführt wurde. Er richtet sich an die entsprechenden Wirtschafts- und Industriebereiche, die ihre Arbeitsumgebung flexibilisieren und gleichberechtigt gestalten könnten und sollten. Die vier wichtigsten Empfehlungen des Berichts lauten:

1. Harte Fakten bringen Ergebnisse: Es werden Daten über die Rolle der Geschlechter in der britischen Industrie benötigt, um diese dazu zu bewegen, sich mit dem geschlechtsspezifischen Ungleichgewicht im System zu befassen.

2. Führungspersonen aus Industrie und Wirtschaft – Männer wie Frauen – müssen zur Entwicklung von Maßnahmen verpflichtet werden, mit denen Aktionen gegen geschlechtsspezifische Ungleichheit wirkungsvoll durchgeführt werden können.

3. 'Löcher in der Pipeline stopfen': Maßnahmen sind an allen Stellen erforderlich, an denen die Menschen sich für oder gegen Berufe in Naturwissenschaft und Technik entscheiden können.

4. Kinder sollten mehr über Berufe in Naturwissenschaft und Technik wissen, damit sie nicht aus Unwissenheit eine Entscheidung gegen bestimmte Bereiche treffen.

Das Institut für Physik und der Daphne Jackson Trust wollen erreichen, dass diese Empfehlungen von der Regierung und der Industrie übernommen werden. Es ist nicht nur zum Nachteil der Frauen, sondern auch zum Nachteil der Industrie, wenn voll ausgebildete Frauen diesen Sektor bereits am Anfang ihrer Laufbahn verlassen; damit ist ihr Fachwissen verloren. Es kostet zur Zeit 51.000 £ (rund 75.000 €), um einen Physikstudenten durch die drei Jahre der Postgraduierten-Zeit zu bringen. Diese Investition rentiert sich nur, wenn die Ausgebildeten dann auch in dem Sektor tätig werden.

Julia King, die Geschäftsführerin des Instituts für Physik, sagt:

"Das Institut für Physik kennt die Schwierigkeiten, die Frauen in der Physik und in verwandten Berufen haben; wir tun unser Bestes, um Einstellungen zu verändern und bessere Arbeitsumgebungen für alle Physiker, Männer und Frauen, zu schaffen. Firmen, deren Aktivitäten auf Natur- und Ingenieurwissenschaften basieren, müssen die Situation in ihrem Unternehmen prüfen. Bei hoch qualifizierten Frauen stehen sie oft in dem Ruf, deren Bedürfnisse nicht zu erfüllen. Aber die Industrie kann diese Situation ändern."

Die vierte Empfehlung weist darauf hin, dass Kinder bessere Berufsberatung brauchen. Sie wissen oft nicht, worauf es bei einem Physikstudium ankommt und was man damit anfangen kann. Zum Beispiel ist die jetzige Chefredakteurin von Good Housekeeping, Lindsay Nicholson, eine Absolventin der Astrophysik und eine erfolgreiche Journalistin. Sie meint, dass ihr Abschluss in Astrophysik ein idealer Start für ihre Karriere war:

"Ich weiß nicht, warum Mädchen sich so zahlreich in die geisteswissenschaftlichen Fächer drängen lassen. Man kann es genießen, Bücher zu lesen, Galerien zu besuchen und ins Theater zu gehen, unabhängig davon, welche Fächer man in der Schule oder im College belegt hat. Aber wenn man keine guten Grundlagen in Mathematik und den Naturwissenschaften hat, bleiben einem viele Wunder der physischen Welt, ja sogar des Universums, verschlossen. Darüber hinaus lernt man in den Naturwissenschaften, genau zu denken und erwirbt damit ein Selbstvertrauen, das man nie wieder verliert. Mein Erfolg rührt zu einem großen Teil daher, dass ich Gedanken und Ideen weitaus klarer ausdrücken kann als meine geisteswissenschaftlich ausgebildeten Kolleginnen."

Die Empfehlungen:

1. Harte Fakten bringen Ergebnisse: Daten über die Rolle der Geschlechter in der britischen Industrie müssen zur Verfügung gestellt und bekannt gemacht werden, damit die Ungleichheiten des Systems bearbeitet werden können. (Siehe den Abschnitt "Harte Fakten bringen Ergebnisse" in dem Bericht.)

Zurzeit ist es in Großbritannien den Firmen nicht vorgeschrieben, Daten über die Rolle der Geschlechter zu sammeln und zu veröffentlichen, obwohl der Greenfield-Bericht dies empfahl. Daten geschlechtsspezifisch zu sammeln und zu veröffentlichen ist von grundlegender Bedeutung dafür, zu beurteilen, ob Prozesse oder Umgebungen in Firmen frauenfeindlich wirken, und der erste Schritt auf dem Weg, Frauen in Naturwissenschaft und Technik zu halten. Diese Daten können als wirkungsvolles Werkzeug für Veränderungen genutzt werden.

"(Daten) werden mehr Veränderungen auslösen als irgend eine andere Maßnahme, insbesondere im Hinblick auf Vorteile für in der Industrie arbeitende Frauen," sagt der Panel-Teilnehmer Sir Peter Williams, Vorsitzender des Engineering and Technology Board (ETB). Eine vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) durchgeführte Studie, die in dem Abschnitt "Harte Fakten bringen Ergebnisse" des Berichts beschrieben wird, belegt, dass dieser Ansatz funktioniert.

"Zunächst sollte man Maßnahmen, die sich mit den Rollen der Geschlechter befassen, in die Forschung und Entwicklung einbeziehen," kommentiert der Panel-Teilnehmer Gill Samuels, Direktor für Wissenschaftspolitik und wissenschaftliche Angelegenheiten bei Pfizer, "denn dies würde der Industrie wirkliche Erkenntnisse für ihre Beschäftigung mit dem Problem bringen."

2. Führungspersonal aus Industrie und Wirtschaft muss in die Entwicklung von Maßnahmen zur Bekämpfung von geschlechtsspezifischen Ungleichheiten einbezogen werden. (Siehe den Abschnitt "Ziel gerichtete Investitionen")

Führungspersonal in der Industrie, zum größten Teil Männer, hat den notwendigen Einfluss, um Initiativen zur Förderung von Frauen durchzusetzen. Maßnahmen, die Frauen zum Bleiben in der Industrie ermutigen, müssen von der Leitungsebene nicht nur unterstützt, sondern auch initiiert werden, sonst werden derartige Maßnahmen keinen Erfolg haben.

"Das ist nicht nur etwas für Frauen, ich hätte gern ein für alle faireres System. Flexible Arbeitspolitik ist möglich und führt Veränderungen herbei, aber der Wille dazu muss auf höchster Ebene vorhanden sein," sagt Gill Samuels, der bei Pfizer schon Erfahrungen gesammelt hat.

3. 'Löcher in der Pipeline stopfen': Maßnahmen sind an allen Stellen erforderlich, an denen die Menschen sich für oder gegen Berufe in Naturwissenschaft und Technik entscheiden können.

(Siehe die Abschnitte "Zurück zu den Anfängen" und "Flexibilität als Lohn für Investitionen" sowie die Fallstudien von Joanna Haigh und Margaret Rayman im Bericht)

Es ist nicht nur so, dass von Anfang an nur eine geringe Anzahl von Frauen einen Beruf in Naturwissenschaft und Technik wählt, sondern ein hoher Anteil von Frauen verlässt zu jeder Zeit diesen Bereich auch wieder. 'Die Löcher in der Pipeline zu stopfen' ist nicht nur wichtig, um die Frauen ohne Einschränkungen zu einer Fortsetzung ihrer Laufbahn zu befähigen, es bewirkt auch enorme wirtschaftliche Vorteile. Was bringt es, Frauen für einen Beruf in Naturwissenschaft und Technik zu ermutigen, wenn der spätere Arbeitsplatz so wenig flexibel ist, dass sie ihn nach der Ausbildung wieder verlassen?

"Menschen, in die in großem Umfang investiert wurde, um ihnen eine achtjährige Ausbildung zu ermöglichen, steigen danach aus und gehen. Das ist eine nationale Verschwendung von Ressourcen," sagt der Panel-Teilnehmer Professor Frances Bagenal, Professor für Astrophysik und Planetenwissenschaft an der Universität von Colorado in Boulder.

4. Kinder sollten wissen, welche beruflichen Möglichkeiten sie in Naturwissenschaft und Technik haben, so dass sie nicht aus Unwissenheit bestimmte Bereiche ausschließen.

(Siehe den Abschnitt "Zurück zu den Anfängen".)

Kinder bilden sich schon früh eine Meinung über Berufe, und wenn sie keine Wissenschaftler oder Ingenieure kennen, passiert es leicht, dass sie eine Laufbahn in Naturwissenschaft und Technik von vornherein ablehnen. Es ist nicht immer deutlich, wie viele Berufswege den Absolventen der Physik offen stehen, und falsche Vorstellungen oder Vorurteile der Eltern können auch einen negativen Einfluss auf die Berufswahl der Kinder haben.

"Über 50 Prozent der weiblichen Schulabgänger (in der EU) haben das Potential für ein Studium der Mathematik, Physik, Chemie und Ingenieurwissenschaft, aber die Universitäten verlieren einen großen Teil dieser Kandidatinnen," sagte Dr. Helga Ebeling, eine Expertin aus der Abteilung Frauen und Wissenschaft bei der Europäischen Kommission.

Wenn die Industrie den Empfehlungen des Berichts entsprechend handelt, werden die Frauen mit einem Berufswunsch in Naturwissenschaft und Technik davon ebenso profitieren wie der naturwissenschaftlich-technische Sektor selbst, der leistungsfähiger wird. Am Weltfrauentag hoffen das Institut für Physik und der Daphne Jackson Trust, dass die Wirtschaft die Augen für die Bedürfnisse der anderen Hälfte der britischen Bevölkerung öffnet.

Der englischsprachige Bericht steht unter der Überschrift Rekrutierung, Bindung, Rückgewinnung: Frauen in Naturwissenschaft und Technik zum Download zur Verfügung.


Mehr erfahren Sie unter:
http://www.daphnejackson.org

Im Angebot der SDC seit 11.03.04

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Themenbereiche:
Internationale Aspekte, Mediennutzung durch Frauen / Aktivitäten für Frauen, Zielsetzung, Vorgehensweise zur Überwindung der Digitalen Spaltung, Arbeitswelt, Forschung




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