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Ältere versus jüngere Onliner: Eine Sonderanalyse der ARD/ZDF-Online-Studie 2003, Teil 1

Michael Doh, Deutsches Zentrum für Alternsforschung (DZFA)

Die Ergebnisse basieren auf einer vom Bayerischen Rundfunk für das Deutsche Zentrum für Alternsforschung erstellten Sonderanalyse der ARD-ZDF-Online-Studie von 2003.

Dabei wurden zwei Altersgruppen gegenübergestellt, die jüngeren 14-49-jährigen Onliner (n = 822) den älteren ab 50-jährigen Onlinern (n = 224). Durch die Integrierung einer weiteren Sonderanalyse des Datenmaterials durch Blödorn und Gerhards (2004) konnte hier für einige Variablen eine differenziertere Beschreibung der 50plus-Gruppe (50-59 Jahre und 60plus) vorgenommen werden. Die zum Teil deutlichen Unterschiede innerhalb dieser Subgruppe untersteichen die Relevanz einer solchen differenzierten Betrachtung.
Einschränkend sei erwähnt, dass über die deskriptive Gegenüberstellung der beiden Onlinergruppen hinaus keine inferenzstatistische Absicherung der aufgezeigten Unterschiede geleistet werden kann.

1. Anteil an Onlinern:
Ein Viertel der ab 50-Jährigen gehört zu den Onlinern, bei den 14-49-Jährigen ist dieser Anteil dreimal so groß (siehe Folie 3). Als Onliner gilt eine Person, die angibt, das Internet zumindest gelegentlich zu nutzen. Innerhalb der 50plus-Gruppe differieren die Anteile ebenfalls beträchtlich: Während nahezu jeder Zweite der 50-59-Jährigen zu den Onlinern zählt, sind es bei den ab 60-Jährigen nur 13%. Unter den Rentnern und nicht Berufstätigen sind lediglich 21% Nutzer des Internets (Blödorn & Gerhards, 2004, S.170). Umgerechnet sind über 34 Millionen Personen ab 14 Jahre Onliner, davon sind etwa 7 Millionen 50 Jahre und älter. Das bedeutet, dass 80 Prozent aller Onliner zwischen 14 und 49 Jahre alt sind und nur ein Fünftel 50 Jahre und älter (s. Folie 2).

2. Erfahrung mit dem Internet:
Über die Hälfte der alten (51%) wie auch der jungen Onliner (54%) nutzen das Internet seit 2 bis 5 Jahren (s. Folie 6). Zu den erfahrenen Nutzern von mehr als 5 Jahren gehören etwa 30% in beiden Altersgruppen. Lediglich unter den älteren Onlinern gibt es mehr, die zu den Neueinsteigern zählen, die weniger als zwei Jahre, das Internet nutzen: 20% gegenüber 14% der 14-49-Jährigen. Im Durchschnitt nutzt der ältere Onliner das Internet seit 43 Monaten und der jüngere Onliner seit 47 Monaten. Deutlichere Unterschiede könnte man vermutlich aufzeigen, wenn man den Cut-Off für die ältere Onlinergruppe nicht bei 50plus sondern bei 60plus ansetzen würde, denn: die 50-59-jährigen Onliner ähneln - wie an anderer Stelle zu zeigen sein wird - in ihrem Internetverhalten weit mehr den jüngeren Onlinern, insbesondere den 40-49-Jährigen.

3. Häufigkeit der Onlinenutzung:
Vergleicht man pauschal die jüngeren Onliner mit den ab 50-jährigen, so finden sich keine wesentlichen Unterschiede in der Häufigkeit der Online-Nutzung: beide Gruppen nutzen das Internet durchschnittlich etwas häufiger als an vier Tagen pro Woche (s. Folie 23). Aufschlussreicher sind hingegen die Analysen von Blödorn und Gerhards (2004, S.170), die nach Alter und Tagen weiter differenziert haben. Dabei gleicht die Häufigkeit der wöchentlichen Online-Nutzung der 50-59-Jährigen wiederum der der Gesamtgruppe ab 14 Jahren, während es zum Teil deutliche Unterschiede zu den ab 60-jährigen Onlinern gibt. So gibt es unter den 50-59-Jährigen wesentlich mehr Vielnutzer, die das Internet mindestens fünfmal pro Woche nutzen (43%), als unter den ab 60-jährigen (29%). Umgekehrt gibt es bei den 50-59-jährigen Onlinern 18% Wenignutzer, die maximal einmal in der Woche online sind, aber über 30% bei den ab 60-jährigen Onliner.

4. Online-Nutzungsdauer:
Die ab 50-jährigen Onliner nutzen das Internet deutlich kürzer als die 14-49-Jährigen. Im Durchschnitt sind die ab 50-Jährigen täglich 98 Minuten online, die 14-49-Jährigen etwa 50 Minuten länger (s. Folie 22). Vergleicht man die Werktage mit dem Wochenende, zeigt sich bei alt und jung der gleiche Nutzungsverlauf: werktags wird das Internet deutlich weniger genutzt (ab 50 Jahren: 79 Minuten) als am Wochenende (ab 50 Jahren: 144 Minuten), wobei die Jüngeren wiederum ca. 50 Minuten darüber liegen. Daten zu 60plus liegen nicht vor; es ist anzunehmen, dass wie schon bzgl. der Frequenz auch die tägliche durchschnittliche Nutzungsdauer deutlich reduziert ist.

5. Ort der Online-Nutzung:
Das Internet wird heute vor allem privat von zu Hause aus genutzt. Dies gilt verstärkt für ältere Onliner. Während 52% der 50-59-jährigen Onliner ausnahmslos von zu Hause ins Internet gehen, sind es drei Viertel der ab 60-Jährigen. Bei den 14-49-Jährigen sind es mit 42% deutlich weniger, dafür nutzen sie weit häufiger als die Älteren das Internet auch außerhalb der Wohnung (45%; 50+: 29%) (Blödorn & Gerhards, 2004, S.171 und Folie 12). 1997 wurde das neue Medium noch überwiegend außer Haus genutzt, sprich am Arbeitsplatz, in der Universität oder in anderen öffentlichen Einrichtungen (50+: 54%, gesamt: 59%). Nur 30% der älteren Onliner nutzten 1997 das Internet ausschließlich zu Hause. Infolge günstigerer Rahmenbedingungen (Kostenrückgang, Abbau von Barrieren, Steigerung der Akzeptanz und des Mehr- und Nutzwerts) konnte sich das Internet in den letzten Jahren zu einem Privatmedium entwickeln.

6. Nutzung von Onlineanwendungen:
Nahezu alle Anwendungen werden von jüngeren Onlinern häufiger genutzt, die Rangreihe ist aber bei alt und jung ähnlich (s. Folie 4): die häufigste Nutzung ist das Versenden und Empfangen von E-Mails, gefolgt von zielgerichtetem Surfen und ziellosem Surfen. Lediglich Homebanking wird stärker von älteren Onlinern genutzt. Allerdings zeigen sich Unterschiede, wenn man die 50plus-Gruppe differenzierter betrachtet (Blödorn & Gerhards, 2004, S.172): Die 50-59-Jährigen nutzen ähnlich wie die 14-49-Jährigen nahezu alle Anwendungsoptionen häufiger als die ab 60-Jährigen. Die Ausnahme, dass mehr ältere Onliner (34%) Homebanking machen als jüngere (31%), basiert allein auf der überdurchschnittlichen Nutzung der zum Großteil noch berufstätigen 50-59-jährigen Onliner (41%). Die ab 60-jährigen Onliner machen von dieser Anwendung deutlich weniger Gebrauch (22%). Hingegen nehmen die ab 60-jährigen Onliner öfter an Gesprächsforen und Chatrooms teil (10%) als die 50-59-jährigen (6%) und machen auch mehr Computerspiele im Internet (7% versus 4%). Hierfür könnten veränderte Freizeit-, Alltags- und Kommunikationsstrukturen bzw. unterschiedliche Nutzungs- und Interessenprofile der ab 60-jährigen Onliner eine Ursache sein.

7. Nutzung von Onlineinhalten:
Generell nutzen die jungen wie auch die 50-59-jährigen Onliner wesentlich häufiger Onlineinhalte als die ab 60-Jährigen. An erster Stelle stehen aber in allen drei Altersgruppen 'aktuelle Informationen über Deutschland und das Ausland'. 29% der 14-49-Jährigen, 27% der 50-59-Jährigen, aber nur 13% der ab 60-Jährigen geben an, diesen Inhalt häufig zu nutzen (s. Folie 5 und Blödorn & Gerhards, 2004, S.171). Für die jungen Onliner folgen mit 17% 'Informationen aus Wissenschaft, Forschung und Bildung', 'aktuelle Informationen über die Region' (16%), 'Service-Informationen wie Verkehr und Wetter' (15%) und 'Freizeit- und Veranstaltungstipps' (15%). Für die 50-59-Jährigen spielen 'Regionalinformationen' (22%) sowie 'Informationen zu Wirtschaft und Börse' (19%) eine größere Rolle, an vierter Stelle kommen dann 'Informationen zu Wissenschaft' (18%). Überdurchschnittlich ist mit 14% auch die Nutzung von 'Verbraucher- und Ratgeberinformationen' (14-49: 9%); deutlich seltener hingegen ist der häufige Gebrauch von 'Unterhaltungsangeboten' (2%, 14-49: 13%). Bei der ältesten Onlinergruppe stehen neben 'aktuellen Informationen über Deutschland und das Ausland' auch 'Verkehrs- und Wetterinformationen' (12%), 'Wirtschaftsinformationen' (11%) und 'regionale Informationen' (10%) im Vordergrund. Im Gegensatz zu den 50-59-Jährigen (7%) scheinen für die ab 60-Jährigen 'Informationen aus dem Kulturbereich' mit 9% etwas mehr Bedeutung zu haben (14-49-Jährige: 15%). Keine Relevanz haben für die ältesten Onliner 'Informationen zu Wissenschaft und Forschung, Bildung' (1%) sowie 'Unterhaltungsangebote' (0%). Das Internet wird folglich von den älteren Onlinern weit mehr als Informations- und Kommunikationsmedium denn als Unterhaltungsmedium betrachtet und genutzt.

8. Auswirkungen der Onlinenutzung auf die Nutzung anderer Medien:
Bei der Frage nach den Auswirkungen der Onlinenutzung auf die Nutzung anderer Medien finden sich die deutlichsten Unterschiede wiederum zwischen den 50-59-jährigen und den ab 60-jährigen Onlinern. Über 30 Prozent der ab 14-jährigen Onliner geben an, dass sie weniger fernsehen, 25% weniger Zeitungen/Zeitschriften lesen und 23% weniger Radio hören (Blödorn & Gerhards, 2004, S.172). Die 50-59-Jährigen haben bzgl. des Fernsehens und Radiohörens die gleichen Werte wie die Gesamtgruppe, lediglich der Rückgang des Lesens fällt mit 19% geringer aus. Weitaus niedriger sind jedoch die Verdrängungstendenzen bei den ab 60-jährigen Onlinern: nur 18% behaupten, dass sie seitdem weniger fernsehen würden, 14% weniger Zeitungen lesen und 11% weniger Radio hören. Tatsächlich nutzen die ab 60-Jährigen das Internet weniger häufig und weniger intensiv, des weiteren besitzen die traditionellen Massenmedien, allen voran das Fernsehen, für sie eine weit aus größere Relevanz als für jüngere Altersgruppen.

Hier geht es weiter:
Sonderanalyse der ARD-ZDF-Online-Studie, Teil 2.

Hier gibt es die gesamten Ergebnisse als Grafiken zum Download Sonderanalyse der ARD-ZDF-Online-Studie.



Im Angebot der SDC seit 26.10.04 (mdo)


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