Veröffentlicht am: 23.07.07

Schrittmacher der Informationsgesellschaft

Jutta Croll, Stiftung Digitale Chancen
Quelle: eigener Bericht

Pacemaker of the Information Society (english version of the article)

Stepping-Stones Lernpartner beim Besuch des Reichstags in Berlin, 14. Juni 2007
© Stiftung Digitale Chancen

Schritte in die digitale Welt sehen meist ganz unterschiedlich aus. Während Jugendliche oft selbstbewusst und unbekümmert den virtuellen Raum erobern, wagen sich Ältere eher vorsichtig voran. Frauen verwenden andere Strategien als Männer beim Surfen auf den Wellen des Internet, und meistens haben auch Rahmenbedingungen wie Allgemeinbildung und Sprachkenntnisse oder die technische Ausstattung, mit der man ins Netz geht, Einfluss auf den Aneignungsprozess.

Die Partner des internationalen Projektes Stepping Stones into the Digital World verstehen sich als Schrittmacher in die Digitale Welt. Mit unterschiedlichen Angeboten der Unterstützung helfen die beteiligten Organisationen Internetneulingen, aber auch Nutzerinnen und Nutzern, die bereits erste Erfahrungen gesammelt haben, dabei, sich die Chancen des Internet zu erschließen.

Der Besuch in Berlin war für die Lernpartner aus Dänemark, Finnland, Italien, Lettland, Norwegen, Portugal und Schweden die Gelegenheit, deutsche Projekte kennen zu lernen. Für den viertägigen Studienaufenthalt Anfang Juni hatte die Stiftung Digitale Chancen als Gastgeber ein umfangreiches Programm zusammengestellt. Von der Dachterrasse des Reichstags konnten sich die Teilnehmenden am Donnerstagabend bereits einen Eindruck verschaffen von der Stadt, deren Internetzugangs- und Lernorte am Freitag besucht werden sollten.

Die Tour begann morgens um 9.30 Uhr in Berlin Mitte in der e-Lernbar der Zentral- und Landesbibliothek, die ihren Besucherinnen und Besuchern ein umfangreiches Angebot von E-Learningprogrammen zur Verfügung stellt. Die angenehm gestalteten Arbeitsbereiche laden Weiterbildungsinteressierte und Anwohner zu selbstorganisiertem oder begleitetem Lernen ein. Für Menschen mit Sehbehinderungen werden entsprechend ausgestattete PC-Arbeitsplätze und Kurse angeboten. Künftig soll es auch Angebote für Multimediainteressierte geben, die hier die nötige Hard- und Software vorfinden, um in Ruhe Computerspiele kennen zu lernen. Das Angebot ist nahezu kostenlos, lediglich ein Benutzerausweis der Zentral- und Landesbibliothek (Jahresgebühr 10 Euro, ermäßigt 5 Euro) muss vorgelegt werden. Anschließend stand Käpt'n Browsers, das Internetcafé des tjfbv Berlin auf dem Programm. Hier erhielten die Gäste einen Einblick in die Nutzungsmöglichkeiten von assistiven Technologien für Menschen mit Behinderungen und konnten Einblicke in die barrierefreie Gestaltung von Internetangeboten gewinnen.

Am Nachmittag im Frauen Computer Zentrum Berlin interessierte weniger die technische Ausstattung, sondern vielmehr die Lernmethoden, mit denen Frauen und Mädchen dort an die Nutzung von Computer und Internet herangeführt werden. Das Zentrum bietet regelmäßig Kurse für Frauen in der Methode des selbstorganisierten Lernens an. Im Selbstlernzentrum können Mädchen und Frauen während offener Nutzungszeiten ihre Computerkenntnisse vertiefen und sich austauschen.

Weiter führte die Tour von Kreuzberg nach Neukölln. Die räumlich kleinste Einrichtung, die am Nachmittag besucht wurde, war sicher der Computertreff Rollberg. Der vom arabischen Kulturinstitut unterhaltene Computerraum in einer Wohnsiedlung bietet regelmäßig Kurse für die Bewohner des Viertels an. Hierher kommen vorwiegend Menschen mit Migrationshintergrund, um bei Mohamed Wendland den Umgang mit dem digitalen Medium zu erlernen. Neben der Vermittlung von spezifischen Inhalten, beispielsweise zum Onlinekontakt mit Behörden, steht insbesondere der verbindende kulturelle Austausch im Kiez im Vordergrund. Am Freitagabend schließlich landete die Gruppe auf dem Planet Düppel, einer Jugendeinrichtung im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Medienpädagogin Tanya d'Agostino erläuterte den Gästen, wie wichtig es ist, den Jugendlichen ein kombiniertes Angebot von Sport und Computernutzung zu machen. So mussten die Jungs, die gerade mit Begeisterung Autorennen am Computermonitor spielten, zuvor eine Stunde Basketball in der Sporthalle absolvieren. Der Erfahrungsaustausch der Lernpartner und der Mitarbeiter aus den besuchten Einrichtungen konnte am Abend bei einem leckeren Buffet und Berliner Weiße im Garten des van-Delden-Haus, wo die Gruppe untergebracht war, fortgesetzt werden.

Nach den Praxiserfahrungen des Vortags stand am Samstag die gegenseitige Vorstellung der unterschiedlichen Lehrmethoden und Trainingskonzepte auf der Tagesordnung der Arbeitssitzung. Anhand von Videoproduktionen und Lern-Programmen gewährten die Partner einen Einblick in die eigene Praxis der Vermittlung von Medienkompetenz. Diese Aufgabe als Schrittmacher der Informationsgesellschaft wird in den an der Lernpartnerschaft beteiligten Einrichtungen ganz unterschiedlich wahrgenommen. Alle Lernpartner haben die Erfahrung gemacht, dass die Begleitung der Schritte in die digitale Welt sehr genau auf die Bedürfnisse der jeweiligen Zielgruppe zugeschnitten sein muss, damit der Weg erfolgreich bewältigt werden kann.

Die Arbeit der Lernpartnerschaft soll für weitere zwölf Monate fortgesetzt werden. In dieser Zeit sollen neben anderen Aufgaben die verschiedenen Konzepte zur Vermittlung von Medienkompetenz zusammengestellt und auf der Website des Projektes veröffentlicht werden. So können dann auch Mitarbeitende von Einrichtungen in anderen Ländern von den Erfahrungen der Lernpartner profitieren.

Ein Rückblick auf das Programm der vergangenen drei Tage sowie Vorfreude und Planungen für die Studienaufenthalte in Lettland (November 2007) und Portugal (Frühjahr 2008) prägten die Gespräche am Samstagabend. Mit einer Schiffstour auf Berlins innerstädtischen Wasserwegen verabschiedete die Stiftung Digitale Chancen ihre internationalen Gäste nach einem von intensiver Arbeitsatmosphäre geprägten Aufenthalt.

Eine englischsprachige Version des Artikels finden Sie hier.


Mehr erfahren Sie unter:
www.stepping-stones.de

Stepping Stones


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