Veröffentlicht am: 21.10.09

Interkulturelles Online-Portal "Mixopolis": Digitale Medien helfen Jugendlichen, ihre Kompetenzen zu erfahren

Das Projekt "Bridge IT" möchte das Potential der Informations- und Kommunikationstechnologien für Migrantinnen und Migranten in Europa fördern. "Bridge-IT" ist ein Netzwerk von 25 Partnerorganisationen aus 11 EU-Ländern. Die Stiftung Digitale Chancen koordiniert die Projektaktivitäten der Partner aus Deutschland (AWO Bundesverband, DGB Bildungswerk, IMES Projektwerkstatt) und initiiert die Einbeziehung weiterer Organisationen, die sich mit der Digitalen Integration von Menschen mit Migrationshintergrund beschäftigen. Sie hat mit dem Projektleiter von "Mixopolis", Dr. Kemal Bozay, gesprochen und wollte wissen, welche Möglichkeiten das Portal bietet.

SDC: Ende letzten Jahres startete das von Schulen ans Netz e.V. initiierte interkulturelle Online-Portal "Mixopolis" mit dem Hintergrund, die Berufsorientierung und gesellschaftliche Integration junger Menschen mit Migrationshintergrund zu unterstützen. Wie ist die Resonanz der Öffentlichkeit gewesen?

Dr. Kemal Bozay: Das Interesse der Öffentlichkeit - ausgehend von der eigentlichen Zielgruppe und auch den Medien - für www.mixopolis.de war beeindruckend. Denn Schulen ans Netz e.V. leistet mit diesem Projekt (gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und EU-ESF) einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Integration und Beteiligung von Migrationsjugendlichen. Mithilfe von digitalen Kommunikations- und Bildungsangeboten soll die Integration in Ausbildung, Studium und Gesellschaft verbessert werden. Dies hat uns bestätigt, dass wir mit dem interkulturellen Jugendportal Mixopolis einen sehr wichtigen und notwendigen Weg gehen, da der Bedarf und die Unterstützung an Informationen zur Lebens- und Berufsorientierung bei Jugendlichen von großer Bedeutung sind. Gerade in der Migrationsarbeit sind Best-Practice-Beispiele eine wichtige Brücke für aktive Integration und Partizipation.

SDC: Auf der Online-Plattform helfen E-Mentoren bei Fragen zu Themen wie Berufswahl, Studium oder Schule. Welchen Beitrag können digitale Medien zur direkten Unterstützung von Migrantinnen und Migranten bei beruflichen oder gesellschaftlichen Fragen leisten?

Dr. Kemal Bozay: Die digitalen Medien spielen im Leben der Migrationsjugendlichen eine bedeutende Rolle. Aktuelle Studien wie die des ARD/WDR, ZDF und (N)ONLINER bestätigen, dass unter den 14 bis 29-jährigen (mit Migrationshintergrund) das Internet das wichtigste Medium ist. Digitale Medien werden hier nicht nur als Kommunikationsmittel verstanden, sondern auch als Antrieb zur Verfeinerung der vorhandenen Kenntnisse, Fähigkeiten und Informationen. Das Wissen zu Themen wie Beruf, Studium oder Schule wird oftmals auch auf der Online-Ebene abgerufen. Deshalb stehen bei Mixopolis in allen Bereichen Online junge und kompetente Ansprechpartnerinnen und -partner zur Stelle, wenn Jugendliche Fragen zu bestimmten Themen haben. Die E-Mentorinnen und E-Mentoren wollen den Jugendlichen (insbesondere mit Migrationshintergrund) ihre Erfahrungen weitergeben, da sie dieselben Sozialisationserfahrungen haben und die Bedürfnisse und Wünsche der Zielgruppe bestens kennen. Sie wirken hier vielmehr als Türöffner und Vorbilder, und bauen auf dem Empowerment der Jugendlichen auf. Es ist wichtig, dass man Migrationsjugendliche direkt erreicht und ihnen Unterstützung anbietet. Unsere Erfahrungen zeigen, dass Digitale Medien den Jugendlichen helfen, ihre Kompetenzen zu erfahren, auszubauen und dann richtig einzusetzen.

SDC: In den Rubriken "Clubs und Foren" können die Jugendliche über Finanzen und Ehrenamt diskutieren oder sich gegenseitig bei Computerproblemen beraten. Welche Möglichkeiten bietet das Portal, ein Netzwerk für Jugendliche zu schaffen, die auf der Suche nach Orientierung sind?

Dr. Kemal Bozay: Das Portal sieht sich als ein umfassendes Netzwerk aus Informationen, dem E-Mentoring und digitalen Trainingskursen, d.h. die Jugendlichen können Mixopolis als Lernbereich für sich und als Gemeinschaftsraum mit Anderen nutzen, indem sie sich mit anderen Jugendlichen durch entsprechende Funktionen austauschen, E-Mentoren oder Fachkräfte zu bestimmten Themen direkt durch deren Profile ansprechen. Mit dem eigenen Mein Mixopolis werden die Jugendlichen mit ihrem Profil zu einem Teil der Mixopolis-Community, deren Anwendbarkeit ähnlich denen der klassischen Community-Sites ist. Somit ist auch die Usability bestens gewährleistet. Gerade Web 2.0 bietet Jugendlichen vielfältige Möglichkeiten sich online einzubringen und aktiv zu partizipieren.

SDC: Wie können interkulturelle Online-Angebote junge Menschen, die sich auf Grund ihres Migrationshintergrundes mit verschiedenen kulturellen Vorstellungen und mit ihren eigenen Wurzeln auseinandersetzen, bei der Integration begleiten?

Dr. Kemal Bozay: Die Interkulturalität wird gegenwärtig immer bedeutender. Junge Menschen mit einem Migrationshintergrund können durch interkulturelle Online-Angebote ihr vorhandenes Wissen noch intensiver kennen lernen, diese verfeinern und bewusst einsetzen. Viele Migrantinnen und Migranten wissen nicht genau, wie wertvoll die sogenannten interkulturellen Kompetenzen sind. Wir wollen sie ihnen bewusst machen, da im Berufsleben diese Kompetenzen in Zukunft immer stärker zum Tragen kommen werden. Für die aktive Integration und Partizipation sind attraktive und informative Online-Angebote eine ideale Basis, um die unterschiedlichen kulturellen Gegebenheiten bei den Migrantinnen und Migranten fundiert aufzuarbeiten und aufzuzeigen, wie eine erfolgreiche Integration aussehen kann. Eben diese Kompetenzen können auf Mixopolis (in der Rubrik Trainingscenter) online "trainiert" und vorhandene Stärken ausgebaut werden.

SDC: Wie wird es mit "Mixopolis" weitergehen - welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Dr. Kemal Bozay: Mixopolis ist derzeit aktiv im Community-Geschehen und orientiert sich an die eigenen Ziele, nämlich den Jugendlichen zu den Themen Beruf, Schule, Studium und Interkulturalität sowohl Informationen als auch Lernangebote zur Verfügung zu stellen. Daneben fokussiert das Portal seinen Blick auch auf die Zielgruppe der Multiplikatoren und pädagogisch Tätigen in der Bildungs- und Migrationsarbeit, die ebenfalls durch ihr Wissen und ihre Unterstützung auf dem Portal den Jugendlichen einen erfolgreichen integrativen Weg in das gesellschaftliche Leben und den Start in das Berufsleben ermöglichen sollen.




Mehr erfahren Sie unter:
www.mixopolis.de

Mixopolis


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