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Fachtagung zur politischen Bildung - Web 2.0: Potentiale, Akteure, Methoden

Carolin Bretl, Stiftung Digitale Chancen
Quelle: eigener Bericht vom 17.02.10

Fachtagung der Bundeszentrale für politische Bildung in Hattingen, 8.-10.2.2010

Die Internetnutzung hat sich in der Gesellschaft in den letzten Jahren bedeutend verändert. Jugendliche wachsen heutzutage ganz selbstverständlich mit den neuen' Medien auf. Laut JIM Studie - Jugend, Information, (Multi-)Media - des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest von 2009 nutzen 98 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren das Internet, meist sogar mehrmals täglich. Für sie - aber nicht nur für sie - stellt die Online-Präsenz in den sozialen Netzwerken des Web 2.0 eine wichtige Teilhabe an der Gesellschaft dar, über die sie sich definieren und artikulieren können.

Auch in der politischen Bildung kann das Web 2.0 in all seinen Erscheinungsformen eine große Rolle spielen. Dies war der Anlass für die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), zusammen mit dem Runden Tisch - ein Zusammenschluss von anerkannten Trägern der politischen Erwachsenenbildung, die für diese Aufgabe von der bpb gefördert werden - , eine Fachtagung zu konzipieren, die die Potentiale, Akteure und Methoden des Web 2.0 (Twitter, Podcast, Blogs, Wikis etc.) diskutiert. Zugleich sollte im Rahmen der Veranstaltung, die vom 8.-10.2.2010 in Hattingen stattfand, erörtert werden, welche Möglichkeiten sich politischen Bildungsträgern bieten, das Web 2.0 in ihre Arbeit zu integrieren, um neue Formen der politischen Partizipation und des gesellschaftlichen Engagements zu befördern.

Thomas Krüger, Präsident der bpb, fasste in seiner Eröffnungsrede das Anliegen der Tagung zusammen: Wir, die Anbieter der politischen Bildung, müssen einerseits die Möglichkeiten des modernen Internets auf die Formate der politischen Bildung übertragen, andererseits Kompetenzen vermitteln, um die gebotenen Inhalte einordnen und sich eine eigene Meinung dazu bilden zu können.

Im Laufe der zweitägigen Veranstaltung kam eine Reihe von hochkarätigen Experten zu Wort. Thomas Knüwer von der Social-Media-Beratung kpunktnull gab eine Einführung dazu, wie Web 2.0 Gesellschaft und Kultur verändert. In der Podiumsdiskussion erörterte dann Dr. Christoph Bieber von der Universität Gießen zusammen mit Markus Beckedahl von netzpolitik.org und der Journalistin Christiane Schulzki-Haddouti verschiedene Thesen zu den neuen Formen politischer Willensbildung und zu Web 2.0 als Werkzeug für politische Partizipation und gesellschaftliches Engagement. Auch die Aspekte Sicherheit und Datenschutz kamen auf der Tagung nicht zu kurz: padeluun von FoeBuD e.V. informierte darüber, was der mündige Bürger über das Web 2.0 wissen sollte. Als Abschluss präsentierte Prof. Beat Doebeli Honegger von der Pädagogischen Hochschule Schwyz seine Überlegungen dazu, wie das Web 2.0 die politische Bildung in Bewegung bringen kann. Die Aufgabe der Vermittlung von Medienkompetenz sollte seiner Ansicht nach sowohl in den klassischen Bildungseinrichtungen als auch in Institutionen der politischen Bildung verankert sein.

Web 2.0-Techniken selbst spielten bei der Fachtagung ebenfalls eine große Rolle. In verschiedenen Workshops konnten die Teilnehmenden Web 2.0-Anwendungen kennen lernen und selbst ausprobieren sowie sich mit anderen über erste Erfahrungen austauschen. Während der Plenumssitzungen zeigte die so genannte Twitterwall, wer sich parallel mit seinem Laptop oder Smartphone zu den Vorträgen und zum Verlauf der Diskussion äußerte. Zeitweise hätte man den Vortragenden aber durchaus mehr Aufmerksamkeit gewünscht, als die in 140-Zeichen gepressten Kommentare, die über die Leinwand tickerten, widerspiegelten.

Den Rahmen der Veranstaltung bildete ein Markt der Möglichkeiten, auf dem sich neben Initiativen wie netzcheckers von Jugend online und dem Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten auch die Stiftung Digitale Chancen präsentierte. Die Förderung der Internetnutzung, insbesondere der Umgang mit Web 2.0, zur politischen Bildung führt konsequenterweise zur Forderung nach der Vermittlung von Medienkompetenz. Haupt- und ehrenamtliche Bildungsarbeiter benötigen selbst Qualifizierung, um ihrer Aufgabe in diesem Feld gerecht zu werden und ihre Klientel zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit den Möglichkeiten des Internet zu befähigen. Hier setzt die auf dem Marktplatz vorgestellte Trainingskampagne Inklusive Internet' im Rahmen der Initiative Internet erfahren des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie an, die von der Stiftung Digitale Chancen durchgeführt wird. Mitarbeitende der sozialen Arbeit und informellen Bildung werden in dem eintägigen Kurs dafür qualifiziert, ihren Zielgruppen einen kompetenten und verantwortungsbewussten Umgang mit dem Internet und Web 2.0 zu vermitteln. Die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren erfahren, welche Inhalte für ihre jeweilige Zielgruppe relevant sind, wie man mit den Chancen und Risiken des Web 2.0 umgehen sollte und auf welche Art und Weise sie ihre Klientel mit den interaktiven Angeboten vertraut machen können. Die Trainingskampagne wird ab Frühjahr 2010 bundesweit in Einrichtungen der sozialen Arbeit durchgeführt, ein Teilnahmebeitrag wird nicht erhoben. Termine, Onlineanmeldung sowie Trainingsmaterialien und ein Forum für den Austausch der Teilnehmenden sind ab Frühjahr 2010 unter www.alle.de zu finden.

Eine Dokumentation mit Fotos und Videostreams finden Sie auf der Website zur Tagung.


Mehr erfahren Sie unter:
http://www.pb21.de

Im Angebot der SDC seit 17.02.10 (cbr)

Verwandte
Themenbereiche:
Bürgerrechte, Informationsfreiheit, Datenschutz, Verbraucherschutz, Jugendschutz, Bildungspolitik / Bildungswesen, Bürgerbeteiligung, Erwachsenenbildung, Medienkompetenz, Neue Technologien, Mediennutzung allgemein




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