Veröffentlicht am: 01.06.11

Medien und Integration - Die Bundeskonferenz der Integrationsbeauftragten 2011

Carolin Bretl, Stiftung Digitale Chancen
Quelle: eigener Bericht vom 01.06.11

Welche Rolle spielen Medien im Integrationsprozess von Migrantinnen und Migranten? Wie berichten Medien über das Thema Integration? Und macht sich die große Vielfalt der Integrationsthemen bei der Medienberichterstattung bemerkbar? Unter dem Thema "Wahrnehmung und Wirklichkeit - Integrationsland Deutschland" beschäftigte sich die diesjährige Bundeskonferenz der Integrationsbeauftragten von Bund, Länder und Kommunen Anfang Mai 2011 vor allem mit der Rolle der Medien in der Integrationsdebatte.

Staatsministerin Maria Böhmer betonte in ihrer Rede, dass immer noch eine Diskrepanz besteht, zwischen dem, was Wirklichkeit ist und was wahrgenommen wird. Vor allem bei der Wahrnehmung spielen Medien eine tragende Rolle. Im Dialogforum "Medien und Integration" zum Nationalen Aktionsplan der Bundesbeauftragten für Migration, Flüchtlinge und Integration - in dem die Stiftung Digitale Chancen mitarbeitet - geht es deshalb darum, präzise Integrationsziele für die Bereiche "Medien und Integration" zu formulieren und möglichst konkrete Selbstverpflichtungen oder zukünftige Projekte festzuschreiben.

Joachim Preuß von der Süddeutschen Zeitung erläuterte in seinem Eröffnungsvortrag, dass "Medien oft kein differenziertes Bild vermitteln und die dortigen Darstellungen nur Zerrbilder der Realität sind. Es ist zwar nicht die Aufgabe der Journalisten, Missstände totzuschweigen, dennoch seien Medien einfach problemorientiert". Er betonte, dass es wichtig sei, auch Gemeinsamkeiten und Erfolgsgeschichten in den Mittelpunkt der Berichterstattung zu rücken.

In den einzelnen Diskussionsforen der Bundeskonferenz zu den Themen Medien und Integration, kommunale Medienarbeit, Bildung, Bürgerschaftliches Engagement und Anerkennungsgesetzgebung erhielten die Teilnehmenden aus den verschiedenen Fachbereichen die Möglichkeit zu einer intensiven und themenorientierten Diskussion und zum Ideenaustausch. Neben den Integrationsbeauftragten von Bund, Ländern und Kommunen waren auch Journalisten, Vertreter von Ausländerbehörden, Freiwilligenverbänden, Migrantenorganisationen und weiteren interessierten Vereinen und Verbänden eingeladen.

Im Forum "Medien und Integration" wurde am ersten Tag über das Bild der Zuwanderer in den Medien gesprochen. Dort erläuterte Prof. Dr. Georg Ruhrmann von der Universität Jena die Zusammenhänge der Wirkung von Medieninhalten bei unterschiedlichem Medienkonsum in unterschiedlichen Lebenswelten. Medien verstärken bzw. erzeugen kurzfristig Vorurteile - und Medien repräsentieren bzw. reflektieren langfristig Realität. Hinsichtlich der Rolle des Internet - im Vergleich zu den klassischen Medien - muss davon ausgegangen werden, dass der Informationsgehalt noch unterschiedlicher werden wird. Am zweiten Tag wurde im Forum über die Mediennutzung von Menschen mit Migrationshintergrund diskutiert. Ulrich Neuwöhner von der SWR-Medienforschung zeigte dabei in seinem Impulsreferat auf, dass sich schon verschiedene Studien in unterschiedlicher Weise diesem Thema gewidmet haben. So belegt beispielsweise die ARD/ZDF-Studie "Migranten und Medien 2007", dass die Sprachkompetenz eine wesentliche Rolle bei der Mediennutzung spielt - während TV und Internet vergleichbar genutzt wird, ist die Affinität zur Radionutzung bei Migranten geringer. Die ARD/ZDF-Studie wird im September 2011 aktualisiert erscheinen. Die SINUS-Studie von 2008 zeigt weiterhin, dass Migranten in Deutschland weitgehend unabhängig von der ethnischen Zugehörigkeit keine soziokulturell-homogene Gruppe bilden und somit auch die Mediennutzung genauso vielfältig ist wie bei der heterogenen Mehrheitsgesellschaft in Deutschland. Durch die Ergebnisse der SWR-Studie Digital Natives' von 2010 in Kooperation mit der JIM-Studie wird offensichtlich, dass die Mediennutzung immer stärker von den Online-Medien beeinflusst wird. In der sich anschließenden Diskussion wurde festgestellt, dass eine crossmediale Aufstellung der Medien somit essentiell ist, um die unterschiedlichen Lebenswelten der Migranten zu erreichen.

In ihren vielfältigen Aktivitäten zum Thema "Migrantinnen und Migranten in der digitalen Welt" stellt die Stiftung Digitale Chancen fest, dass digitale Integration durchaus einen Beitrag zur gesellschaftlichen Integration leistet. Da das Internet heutzutage soziales Leben und soziale Strukturen abbildet, wirkt die selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilhabe am sozialen Netz an der gesellschaftlichen Integration mit.

Die zweitägige Veranstaltung wurde von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration dieses Mal in Zusammenarbeit mit dem Integrationsbeauftragten des Freistaats Bayern, Herrn Martin Neumeyer MdL, sowie der Leiterin der Stelle für Interkulturelle Arbeit der Stadt München, Frau Martha Doll, durchgeführt.





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Bürgerrechte, Bildungspolitik / Bildungswesen, Regierungsaktivitäten auf Bundesebene, Mediennutzung durch Menschen mit Migrationshintergrund / Aktivitäten für Menschen mit Migrationshintergrund, Zielsetzung, Vorgehensweise zur Überwindung der Digitalen Spaltung