Veröffentlicht am: 17.07.15

Projekt Online4EDU: Schulunterricht ist noch nicht online

Katrin Schuberth und Nenja Wolbers, Stiftung Digitale Chancen

Als digital natives nutzen Kinder und Jugendliche Online-Anwendungen und Apps auf selbstverständliche Weise, doch im Schulunterricht sieht die Realität leider anders aus. Smartphones müssen meistens ausgeschaltet werden und die digitalen Lernmöglichkeiten am PC, Laptop oder Tablet werden in Deutschland immer noch sehr begrenzt genutzt. Ein Potenzial, digitale Anwendungen im Unterricht zu integrieren, liegt insbesondere darin, Lehrerinnen und Lehrer bei der Nutzung von Online-Anwendungen zu unterstützen. Die Stiftung Digitale Chancen hat im Rahmen des Projekts Online4EDU im Februar 2015 Lehrkräfte gefragt, ob und welche Online-Anwendungen sie für ihre Arbeit nutzen.

Kinder und Jugendliche wachsen mit digitalen Medien auf und erfahren sie als selbstverständlichen Teil ihrer Welt. Tablets, Smartphones und das Internet sind längst zu alltäglichen Gegenständen für die „Digital Natives“ geworden, deren Angebote für Freizeit und Schulaufgaben sie sich gerne bedienen. Tatsächlich werden digitale Medien in vielen Klassenräumen aber ausgegrenzt oder als Störfaktor wahrgenommen. Die Gründe dafür sind vielfältig und sind sowohl bei der Ausstattung der Schulen als auch bei der Bereitschaft und Kompetenz der Lehrer zu finden (Initiative D21, 2014). Mit einer Online-Umfrage, an der 99 Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen im Februar 2015 teilgenommen haben, sollte herausgefunden werden, wie sicher und erfahren Lehrkräfte im Umgang mit Anwendungen zur Online-Zusammenarbeit wie zum Beispiel Lernplattformen oder Online-Kalender sind und für wie wichtig sie die Nutzung solcher Anwendungen in der Schulbildung halten. Das Ergebnis der Umfrage zeigt, wo ein wesentliches Problem bei der „digitalen Bildung“ liegt, denn die Hälfte der Befragten Lehrerinnen und Lehrer betrachten Anwendungen zur Online-Zusammenarbeit zwar als wichtige Instrumente für den Schulunterricht und zur Unterrichtsvorbereitung , selbst nutzen sie diese Instrumente aber nie oder weniger als einmal im Monat (69 % der Befragten).

Die Online-Umfrage fand im Februar 2015 im Rahmen des EU-geförderten Projektes Online4EDU (Online Collaboration Tools in Education) statt, um Richtlinien für das Qualifizierungsangebot abzuleiten, das im Projekt entwickelt wird. Die Umfrage hat des Weiteren ergeben, dass ca. 40 Prozent der teilnehmenden Lehrkräfte im Rahmen ihrer Lehrtätigkeit weniger oder nicht vertraut sind mit Online-Anwendungen und mobilen Endgeräten; diese also nicht kennen und mit ihnen nicht umgehen können. Darüber hinaus fehlt es im schulischen Rahmen an den Momenten, in denen die Geräte und Online-Anwendungen im Unterricht zum Einsatz kommen, denn 69 Prozent der Befragten geben an, so genannte Collaborative Tools nicht im professionellen Rahmen zu nutzen.

Während die Auswertung der Umfrage in allen am Projekt beteiligten europäischen Ländern eine Diskrepanz zwischen der hohen empfundenen Wichtigkeit der Online-Anwendungen und der geringen Nutzungsgewohnheiten ergab, sind die Befragten in Deutschland eher skeptisch. 74 Prozent messen den Sozialen Medien weniger Bedeutung für den schulischen Rahmen bei. Hingegen ist für 45 Prozent wichtig oder sehr wichtig mobile Endgeräte zu verwenden, um Lernaktivitäten zu gestalten. Dabei fühlen sich die Befragten im Umgang mit Smartphones und Social Media überwiegend sicherer als bei der Nutzung von gängigen Online Anwendungen wie Google Apps oder virtuellen Treffpunkten wie Skype. 43 Prozent der befragten Lehrkräfte betrachten kollaborative Anwendungen (z.B. Online-Speicher) relevant für den Unterricht und für die Unterrichtsvorbereitung. Lehrerinnen und Lehrer brauchen also einerseits Ideen bzw. Konzepte, um Social Media im Unterricht zu integrieren, andererseits Training im Umgang mit verschiedenen Tools, um diese mit den Schülerinnen und Schülern anwenden zu können.

Neben der Online-Umfrage wurden in Deutschland Expertinnen und Experten der Lehrerausbildung und Weiterbildung interviewt und Gründe für die geringe Anwendungen von digitalen Medien im Unterricht und mögliche Lösungen nennen. Stefan Aufenanger, Universitätsprofessor für Erziehungswissenschaften und Medienpädagogik an der Universität Mainz, sieht diese zum einen bei der Lehrerausbildung, die das zukünftige Lehrpersonal kaum darauf vorbereitet, digitale Medien in den Schulunterricht einzubauen und mit Kollegen zu kollaborieren. Zum anderen fehle den Lehrkräften die Zeit sich während des regulären Lehrauftrags auch um die Technik und das Thema digitale Medien zu kümmern. Es bedürfe daher mehr Training für Lehrerinnen und Lehrer, das durch die reguläre Arbeitszeit abgedeckt ist. Lisa Rosa, Mitarbeiterin des Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung, sagt dazu: „Alle diese Zeit [für Fortbildungen, zum Experimentieren und Kollaborieren] muss ganz klar als Arbeitszeit berechnet werden - das heißt, sie muss vom Arbeitszeitkonto bezahlt werden.“

Anhand der Ergebnisse wird der Online4Edu Blended-Learning Kurs in drei Lernbereichen zuerst die technischen Aspekte und den Umgang mit Tools zur Online-Zusammenarbeit vermitteln und anschließend aufzeigen, welche didaktischen Möglichkeiten es gibt, die Anwendungen für das Unterrichten zu nutzen. Der Blended-Learning Kurs wird im Frühjahr 2016 getestet.

Wenn Sie Fragen zu dem Projekt haben oder sich für den Kurs interessieren, melden Sie sich bei Nenja Wolbers unter nwolbers@digitale-chancen.de.





Logo: Online4Edu - Co-funded by Erasmus plus

Online4Edu


Weitere inhaltlich zusammenhängende Materialien finden Sie hier.


Verwandte
Themenbereiche:
Bildungspolitik / Bildungswesen, Grund-, Haupt- und Realschulen, Gymnasien, Universitäten, Erwachsenenbildung, Sonderschulen, Medienkompetenz, Berufliche Aus- und Weiterbildung, Mediennutzung durch Jugendliche / Aktivitäten für Jugendliche, Projektmanagement, E-Learning, Öffentlichkeitsarbeit, Medienpädagogische Konzepte, Förderprogramme auf internationaler Ebene, Eltern, Kinder, Jugendliche, Medienkompetenz, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, Grund-, Haupt- und Realschulen