Veröffentlicht am: 28.07.15

Den Anschluss halten - Programmierkompetenz für alle?

Gerhard Seiler, Stiftung Digitale Chancen

Die Forderung, Kindern frühzeitig Zugang zu Programmiersprachen zu ermöglichen stellen Politiker vor allem aufgrund der Besorgnis, dass Deutschland den Anschluss an die digitale Welt verpassen könnte. Insofern ist es verständlich, dass Wirtschaftsminister Gabriel unlängst ein „Schulfach Programmieren“ forderte. Auch Gesche Joost, die Internetbotschafterin der Bundesregierung, sieht großen Nachholbedarf in der Bildung mit Digitalmedien. Aber ist es aus pädagogischer Sicht sinnvoll, dass Kinder sich möglichst früh mit Programmiersprachen beschäftigen?

Medienbildung ist inzwischen mehr oder weniger in den Bildungsplänen der Länder verankert. Programmierkompetenz im engeren Sinne spielte bisher allerdings kaum eine Rolle in der frühen Bildung. Zunächst stellt sich die Frage: „Brauchen wir das überhaupt für alle?“ Aus der Perspektive der Medienpädagogik ist die Frage einfach zu beantworten: Nein. Was aber tatsächlich erforderlich ist für die Zukunftsfähigkeit einer modernen digitalen Gesellschaft, ist Medienkompetenz für alle! Sie ist der Schlüssel für Bildung und zur Entwicklung einer zukunftsfähigen, digital inklusiven Gesellschaft.

Es sind ausgebildete Lehrer und Erzieher in ausreichender Anzahl nötig, die wissen, wie die Medienwelt der Kinder aussieht und sich zukünftig entwickelt und so einschätzen können, ob es sinnvoll ist, wenn Kinder eine Programmiersprache kennenlernen. Und nur medienpädagogisches Fachpersonal ist in der Lage, die ersten Berührungspunkte zu ermöglichen, um Kinder altersangemessen, spielerisch, pädagogisch fundiert und didaktisch sinnvoll an das Programmieren heranzuführen. So erhalten die Kinder bessere Lernchancen. Auch die Gesellschaft kann - mit Blick auf den Fachkräftebedarf in den IT-Berufen - davon profitieren.

Geeignete pädagogisch-didaktische Ansätze befähigen die Kinder, selbst zu erkennen, wo ihre Interessen liegen und welche Talente sie haben. Zum besseren Verständnis ein Vergleich: Nicht jedes Kind ist musikalisch - aber musikalische Früherziehung und Musikunterricht bieten allen Kindern die Möglichkeit, mit Musik in Berührung zu kommen.

Jedes Kind sollte aber frühzeitig die Chance erhalten, seine Interessen und Begabungen zu entdecken. „Programmierkompetenz für alle“ sollte also vorrangig heißen, allen Kindern die Chance zu eröffnen, unvoreingenommen mit dem Thema in Berührung zu kommen, ihre Neugierde und ihr Interesse zu wecken und Talente zu entdecken und zu fördern. Unter diesem Aspekt lässt sich die Frage nach „Programmierkompetenz für alle“ mit einem klaren „Ja!“ beantworten. Das zu leisten ist Aufgabe unseres Bildungssystems.

Den vollständigen Artikel von Gerhard Seiler können Sie in der Vitako-Aktuell nachlesen, der Zeitschrift der Bundes-Arbeitsgemeinschaft der Kommunalen IT-Dienstleister e. V. Das Heft 2 der Vitako-Aktuell können Sie hier herunterladen:
http://www.vitako.de/Publikationen/Documents/Vitako_2-15_WEB.pdf (pdf, 6.8 MB)





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