Veröffentlicht am: 16.11.15

Internet Governance Forum 2015: Let us turn the Digital Divide into Digital Opportunities!

Jutta Croll, Stiftung Digitale Chancen

Opening Session IGF 2015_Lenni Montiel

Seit dem World Summit on Information Society in den Jahren 2003 und 2005 ist Sicherstellung des Zugangs zum Internet eines der Kernthemen. Das Motto des diesjährigen Internet Governance Forums lautete "Connecting the next Billion", denn auch heute, mehr zwölf Jahre nach dem ersten World Summit in Genf ist der Zugang zum Internet bei weitem noch nicht für alle gesellschaftlichen Gruppen in allen Ländern der Welt eine Selbstverständlichkeit. Im Gegenteil, in manchen Ländern ist der Zugang für einige Gruppen explizit beschränkt und in anderen ist zwar der technische Zugang vorhanden, aber der Zugriff auf bestimmte Internetangebote wird blockiert. Freedom of Expression ist daher ebenfalls ein Thema, das sich durch die Programme aller bisherigen IGFs zieht. Auch in Joao Pessoa wurde daher lebhaft diskutiert, inwieweit die Forderung, Inhalte zu löschen, die die Rechte anderer verletzen, mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung in Konflikt stehe.

Seit 2006 wird durch eine starke Lobby von Kinderschutzorganisationen beim IGF gefordert, gegen die Verbreitung von Inhalten, die Kinder und Jugendliche sexuell ausbeuten oder missbrauchen, vorzugehen. Denn diese Art von Inhalten verletzt Minderjährige in ihrer Würde und verstößt gegen ihr Recht auf Privatsphäre und körperliche Unversehrtheit. In 2015 wurde die Debatte zunehmend auch um die Löschung von Inhalten, wie "Hate Speech" oder "Dangerous Speech" geführt. Insbesondere wenn keine gesetzlichen Regelungen diese Art von Inhalten für illegal erklären, müssen anerkannte Kriterien zur neutralen Bewertung herangezogen werden, bevor eine Löschung erfolgt.

Neben dem technischen Zugang spielt in allen Ländern die Fähigkeit zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit den Möglichkeiten, die das Internet bietet, eine wesentliche Rolle. Freier Zugang zu Bildungsangeboten ist daher eine der wichtigsten Forderungen der IGF Community, die umso mehr Gewicht gewinnt, je mehr Menschen das Internet nutzen können. Internetinhalte, die als Open Educational Resources (OER) oder in Massive Open Online Courses (MOOCs) bereitgestellt werden, können wesentlich dazu beitragen, Bildungsangebote auch dort verfügbar zu machen, wo keine oder nur eine gering entwickelte Infrastruktur vorhanden ist. Voraussetzung dafür ist als erster Schritt die Vermittlung von Medienkompetenz, die sowohl die Fähigkeit zur Nutzung solcher Bildungsangebote als auch die Kompetenz zur Bewertung der Inhalte umfasst.

Aktuelle Studien zeigen, dass schon heute weltweit ein Drittel aller Internetnutzerinnen und Nutzer jünger als 18 Jahre ist, in den sich entwickelnden Ländern ist sogar die Hälfte unter 18. Eine Chance auf gleichberechtigte Teilhabe an der Informationsgesellschaft werden Kinder und Jugendliche auch in Zukunft nur dann haben, wenn ihnen neben Zugang zum Internet auch entsprechende Bildungsangebote offen stehen.





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