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Virtuelle Gebärdendolmetscherin bei der britischen Post

Margit Kaiser
Quelle: ViSiCAST - Projekt

In britischen Postämtern wird die Kommunikation zwischen gehörlosen Kunden und dem Schalterpersonal jetzt in einem Pilotprojekt vereinfacht. Die virtuelle Gebärdendolmetscherin TESSA übersetzt die in ein Mikrofon gesprochenen Anfragen der Angestellten auf einem Monitor in sichtbare Gebärdensprache. Tessa ist ein sogenannter Avatar, ein computersimulierter Mensch. Entwickelt wurde Tessa in Kooperation der Schule für Informationssysteme an der Universität von East Anglia (UEA), Televirtual Consignia (dem britischen Post Office) und dem Royal National Institute for Deaf People (RNID) im Rahmen des von der Europäischen Union geförderten ViSiCAST-Projekts. Die Anwendung von Tessa ist einfach. Tritt ein Gehörloser oder schwer Hörgeschädigter an den Schalter heran und gibt sich als solcher zu erkennen, kann der Schalterbeamte/die Schalterbeamtin die zur Abwicklung des Vorgangs notwendigen Fragen in ein Mikrofon sprechen. Spracherkennungssoftware setzt die Spracheingabe in Daten um. Übersetzungssoftware wandelt die Daten in Gebärdensprache einerseits und in Schriftssprache andererseits um. Die Frage des Personals kann so vom Kunden auf einem Monitor außerhalb des Schalters gesehen und gelesen werden. Zur Zeit kann Tessa noch nicht alle Spracheingaben frei in Gebärdensprache übersetzen. Sie ermöglicht jedoch bereits über 370 der häufigsten Posttransaktionen. Auch die Übersetzung in andere Gebärdensprachen, wie zum Beispiel Französisch oder Deutsch, ist möglich. Nach Angaben der Wissenschaftler ist es einfach neue Gebärdenlexika zu erstellen und in das System zu implementieren, so dass eine Adaption von Tessa an andere Lokalitäten leicht zu ermöglichen ist. Durch ihre Flexibilität in Bezug auf andere Sprachen, ist ein Einsatz an besonders häufig von Touristen frequentierten Ämtern, Behörden und Sehenswürdigkeiten von besonderem Interesse. Zur Zeit ist die Spracherkennungssoftware mit der Tessa arbeitet auf bestimmte Phrasen festgelegt. Die Forscher arbeiten daher an einer weitergehenden Software, die Sprache nicht einfach nur erkennt, sondern sie versteht. Damit würde das System unabhängiger von vorab festgelegten Formulierungen und einfacher bei der Nutzung durch verschiedene Personen, die sich dann nicht erst einen bestimmten Wortschatz aneignen müssten. Ein weit gestecktes Ziel der Wissenschaftler ist, die derzeit nur in eine Richtung ablaufende Übersetzung von Sprache in Gebärdensprache, in eine echte Kommunikation in beide Richtungen weiterzuentwickeln. Auf der Website der Universität Hamburg, einem Kooperationspartner des ViSiCAST-Projekts, in dessen Rahmen Tessa entwickelt wurde, sind Beispielfilme zur Funktionsweise von Tessa zu sehen.


Im Angebot der SDC seit 20.03.02

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Internationale Aspekte, Förderprogramme auf Ebene der EU, Technologiepläne (Entwicklung und Umsetzung), Forschung, Neue Technologien




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