Veröffentlicht am: 19.11.02

Stiftung Digitale Chancen gibt neue Anstöße für die Förderung benachteiligter Jugendlicher in Europa und den USA

Jutta Croll, Stiftung Digitale Chancen

Theo Brenner von der Jacobs Foundation

Theo Brenner von der Jacobs Foundation bei der Eröffnung des Roundtables


Teens & Technology Roundtable 2002 erfolgreich durchgeführt

Vom 7. – 8. November hat die Stiftung Digitale Chancen in Zusammenarbeit mit der Benton-Foundation Washington den 2. Transatlantischen Teens & Technology Roundtable auf Schloss Marbach am Boodensee veranstaltet. Gut 40 europäische und US-amerikanische VertreterInnen namhafter Stiftungen sowie aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft beteiligten sich an der Diskussion über den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien zur Verbesserung der Zukunftsaussichten von benachteiligten Jugendlichen.

Im 21. Jahrhundert ist die Beherrschung der neuen Technologien ein entscheidender Faktor der beruflichen Qualifikation. Zugleich kann die Beschäftigung mit IuK-Technologien die Motivation der Jugendlichen befördern und ihnen einen neuen Zugang zum Lernen und zur gesellschaftlichen Teilhabe erschließen. Demonstriert wurde dies durch die Vorstellung internationaler Best-Practice-Beispiele. So konnte Prof. Dr. Alexander Grob von der Universität Bern ein Projekt vorstellen, das mit Förderung durch die Jacobs Foundation in Zusammenarbeit mit der Universität Bonn durchgeführt wurde. Im Rahmen des Projektes wurden bildungsbenachteiligte Schüler zwischen 12 und 20 Jahren in einem dreistufigen außerschulischen Programm an die Nutzung von PC und Internet herangeführt, so dass sie in der zweiten Stufe selbst als Tutoren agieren konnten und schließlich ein Zertifikat als PC-Consultant erwarben. Aufgrund der durchweg positiven Ergebnisse im Bezug auf die Lernmotivation und das Selbstbewusstsein der beteiligten Jugendlichen steht das Projekt vor der Übertragung aus dem wissenschaftlich-experimentellen Bereich in die Praxis. In Deutschland sollen im Jahr 2003 zwölf neue Internetcafés eingerichtet werden, in denen für die Dauer von drei Jahren je zwei Sozialarbeiter das Tutorenprogramm begleiten. Die Kooperation mit einem vergleichbaren Projekt in Omsk, Sibirien ist in Vorbereitung, ebenso die Institutionalisierung des Programms in der Schweiz. Im Rahmen des Roundtables wurde eine Kooperation mit der RPS Rainer Foundation angebahnt, die an der Durchführung des Programms in Großbritannien interessiert ist.

Aus Großbritannien stellte Jean Johnson vom Ultralab an der Anglia Polytechnic University, Chelmsford das Projekt Notschool.net vor, das sich mit psychisch und physisch kranken Jugendlichen, Schulabrechern und minderjährigen Müttern zwischen zwölf und sechzehn Jahren aus sozial benachteiligten Bevölkerungsschichten befasst. Die Haushalte der Teilnehmer am Programm erhalten eine komplette Computerausstattung inkl. Drucker und Digitalkamera sowie einen schnellen Internetzugang. Erstaunlicherweise konnte dadurch sowohl bei den Jugendlichen, die zumeist bereits seit längerer Zeit die Schule nicht mehr besucht hatten, als auch bei deren Familien das Interesse am Lernen wieder geweckt werden. So entstand durch den Umgang mit verschiedenen Technologien eine Atmosphäre gegenseitiger Unterstützung, in der die Jugendlichen verschiedene Fähigkeiten erwarben und sich selbst auf die Rückkehr in das Schulsystem vorbereiteten. Noch im Jahr 2002 soll das Programm von 100 Teilnehmern auf 600 Familien ausgeweitet werden, Kooperationen mit Neuseeland und Nordirland sind für das Jahr 2003 in Vorbereitung. Insbesondere bei den Teilnehmern des Roundtable aus Osteuropa stieß das Projekt Notschool.net auf großes Interesse. Gemeinsam mit den Vertretern anderer Ländern sollen in Zukunft Finanzierungsmöglichkeiten für vergleichbare Projekte in Russland gesucht werden.

Die von Dr. Ulrike Behrens durchgeführte und beim Roundtable vorgestellte wissenschaftliche Studie zur Nutzung von Internetcafés, die im Auftrag der Bundesanstalt für Arbeit für benachteiligte Jugendliche in Deutschland eingerichtet wurden, lieferte den Teilnehmern wesentliche Erkenntnisse darüber, wie die Chancen der benachteiligten Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt durch Angebote zum Umgang mit neuen Technologien verbessert werden können. Angesichts der allgemein problematischen Arbeitsmarksituation ist die Förderung der bildungs- und sozialbenachteiligten Jugendlichen als eine vorrangige Aufgabe der kommenden Jahre anzusehen. Die Roundtableteilnehmer verständigten sich darauf, dass eine systematische Erfassung und Evaluation bereits durchgeführter bzw. laufender Projekte eine wesentliche Grundlage bildet, um im Rahmen öffentlicher und privater Förderung die strategisch richtigen Entscheidungen zu treffen und so einen breite Wirksamkeit künftiger Maßnahmen zu erreichen.

Frithjof A. Maennel von der EU-Kommission erläutert die Maßnahmen zur Digitalen Integration im 6. Rahmenprogramm
Frithjof A. Maennel von der EU-Kommission erläutert die Maßnahmen zur Digitalen Integration im 6. Rahmenprogramm

Hier finden Sie die Agenda der Veranstaltung mit Abstracts der Vorträge und Präsentationen sowie eine inhaltliche Zusammenfassung in englischer Sprache und das Verzeichnis der Referenten und Teilnehmer. Here you may find the agenda and overview.

Ein ausführlicher Bericht über den Roundtable wird voraussichtlich im Februar 2003 vorliegen.

Zu den Sponsoren der Veranstaltung zählen: Jacobs Foundation, W.T. Grant Foundation, AOL Time Warner Foundation, Benton Foundation und die Europäische Kommission.


Mehr erfahren Sie unter:
www.digitale-chancen.de/content...

Teens & Technology Roundtable (TTR)


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