Behindertengerechte Internetseiten?
Der Begriff "Behindertengerechte Internetseite" wirkt eventuell etwas verwirrend; denn was soll bei einer Internetseite schon behindertengerecht sein?
Tatsächlich gibt es aber sehr viele Möglichkeiten, eine Internetseite so zu gestalten, daß das Lesen und der Zugriff darauf für behinderte Menschen wesentlich vereinfacht oder überhaupt erst ermöglicht wird.
Hierzu zwei Beispiele:
Sehbehinderte Menschen:
Sehbehinderte Menschen können auf Internetseiten beispielsweise mit Hilfe eines ScreenReaders zugreifen.
So ein Reader ist ein Programm, das einem sehbehinderten Menschen Bildschirminhalte (und damit auch Internetseiten) vorlesen kann. Behindertengerechte Seiten sollten also auf jeden Fall so aufgebaut sein, daß
sie sich für ScreenReader eignen. Um dies zu erreichen, sollte man z.B. auf bestimmte HTML-Elemente, mit
denen diese Reader nicht umgehen können, verzichten.
Körperbehinderte Menschen:
Körperbehinderte Menschen können teilweise die Maus nicht so genau auf dem Bildschirm positionieren. Für
diese Menschen ist es wichtig, daß eine Internetseite einen günstigen Aufbau hat, beispielsweise sollten Links nicht zu dicht beieinander liegen, damit nicht zu oft falsche Links angeklickt werden.
Informationen über die Möglichkeiten, Internetseiten behindertengerecht zu gestalten, sind im Internet meist nur in englischer Sprache erhältlich und weit verstreut und daher oft nur sehr schwer zu finden.
Deshalb habe ich eine deutsche Version dieser Informationen erstellt, in der die wichtigsten Punkte aufgeführt sind. Die entsprechenden HTML Kenntnisse für die Erstellung von Internetseiten setze ich in diesem Dokument voraus.
Christian Dobusch.
Allgemeine Tips:
Allgemeine Tips zur Erstellung von Internetseiten gibt es bereits zu hunderten im Internet. Das Suchkriterium "HTML style guide" liefert in einer beliebigen Suchmaschine mehr als genug Informationen zu diesem Thema. Deshalb beschränke ich mich hier auf Tips, die Internetseiten für behinderte Menschen leichter lesbar und bedienbar machen:
- Ein Standard-Layout für alle Seiten verwenden. Wenn alle Internetseiten einer Person, Einrichtung oder Firma etc. den gleichen Aufbau haben, erleichtert das den Zugriff auf diese Seiten für den User extrem. Er weiß dann genau, wie wichtige Daten gekennzeichnet sind und wie Links und Buttons z.B. zum Blättern angeordnet sind.
- Keine HTML Tags verwenden, die nur von wenigen Browsern unterstützt werden. Der einfachste Weg hierbei ist es, den HTML 2.0 Standard einzuhalten. Mehr Informationen über HTML Standards gibt es beim World Wide Web Consortium.
- Geschriebene Seiten mit verschiedenen Browsern testen. Oft ist es sehr überraschend, wenn man sieht, wie eine "perfekt" gestaltete Seite auf anderen Browsern aussieht. Insbesondere die großen Netscape Browser sollten nicht als Maßstab dienen.
- In Internetseiten eingebettete Bilder genau prüfen. Bilder, die in Internetseiten eingebettet werden, sollten auf Farbtiefe und Auflösung geprüft werden. Bilder, die auf meiner Highend-Grafikkarte super aussehen, wirken mit 16 oder 256 Farben bestimmt nicht mehr schön.
- Links sollten untereinander stehen. Wenn verschiedene Links nebeneinander in einer Zeile stehen, haben die Benutzer von ScreenReadern oft Probleme, sie voneinander zu unterscheiden.
- Den BLINK Tag nicht benutzen. Einige ScreenReader verursachen Fehler, wenn dieser Tag verwendet wird. Ich muß zugeben, daß dies eine Information ist, für die ich nie eine Bestätigung bekommen konnte. Aber auch so sind blinkende Buchstaben
auf dem Monitor nicht besonders geeignet für sehbehinderte Menschen.
- Benutzung von Satzzeichen in Titeln. Titel und Überschriften sollten mit Satzzeichen beendet werden. Sonst kann es passieren, daß ScreenReader das Ende der Überschrift nicht erkennen und sie mit in den nachfolgenden Text "einbauen".
- Gestaltung einer grafischen Button-Leiste zur Navigation. Für viele Menschen wird die Verwendung von Internetseiten durch grafische Symbole zur Navigation (Wechsel von Seiten etc.) enorm vereinfacht. Die Symbole sollten allerdings einen logischen Aufbau haben und auf jeder Seite gleich aussehen.
- Die Länge einer Seite: Wie lang eine behindertengerechte Seite sein soll, ist nicht einfach zu entscheiden. Dazu kommt es einfach zu sehr auf den Inhalt der Seite an. Grundsätzlich sind kleinere Seiten anzustreben, die per Link jeweils auf die Startseite, die vorherige Seite, die folgende Seite und vielleicht auf einen Index verweisen. Diese Seiten sind bequem zum Durchblättern geeignet. Trotzdem empfiehlt es sich in einigen Fällen, die kleinen Seiten zusätzlich noch zu einer einzigen Seite zusammenzufassen. Diese ist für den Fall, daß sich jemand die Daten auf seinem lokalen System speichern will; er muß dann nur eine Datei speichern und nicht viele kleine Dateien.
- Verschiedene Schriftarten: Verschiedene Schriftarten können mit dem HTML Tag FONT erzeugt werden. Dieser Tag erlaubt außerdem die Kontrolle von Schriftgrößen und -farben. Der Autor einer Internetseite sollte sich darüber im klaren sein, daß diese vollständige Kontrolle der Schriften nur scheinbar ist. Letztendlich richtet sich nämlich das Aussehen einer Internetseite und deren Schriften vor allem nach den Einstellungen des Browsers, mit dem die Seite betrachtet wird. Sehr bunte Seiten, die nur durch eine bestimmte Farbauswahl übersichtlich bleiben, können auf anders eingestellten Browsern recht chaotisch aussehen. Auch für einige ScreenReader stellen die FONT Einträge Probleme dar. So kann es beispielsweise passieren, daß von einer Überschrift, bei der jeweils der erste Buchstabe eines Wortes größer als die anderen dargestellt wird, bei einem ScreenReader nicht mehr viel übrig bleibt:
Aus: The Quick Brown Fox Jumped Over The Fence wird dann: he uick rown ox umped ver he ence
Aus diesen Gründen sollte der Einsatz des FONT Tags zumindest gut überlegt werden.
- Der Bildschirmhintergrund:Der HTML Tag BODY BACKGROUND="" erlaubt die Anzeige eines grafischen Hintergrundes. Damit ist es möglich, den Gesamteindruck der Seite zu beeinflussen.
Leider hat dieser veränderte Hintergrund diverse Nachteile. Zum einen ist die BACKGROUND-Funktion außerhalb des Netscape Navigators (noch) nicht sehr weit verbreitet, so daß auf vielen Browsern gar keine Hintergrundgrafik angezeigt wird. Außerdem wirkt sich eine Hintergrundgrafik negativ auf die Lesbarkeit des Standardtextes aus.
Auf behindertengerechten Seiten sollte auf eine solche Hintergrundgrafik verzichtet werden. Ist dies nicht möglich, sollte auf eine gute Lesbarkeit des Standardtextes geachtet werden. Die Hintergrundgrafik sollte also möglichst dezent sein.
- Die Verwendung von Spalten:Es gibt drei Möglichkeiten, um Text auf Internetseiten in Spaltenform darzustellen:
Vorformatierter Text (PRE und /PRE) ist in allen HTML Versionen vorgesehen und wird von jedem Browser "verstanden".
Tabellen (TABLE und /TABLE) sind erst ab HTML 3.0 vorgesehen. Textbrowser und ältere Grafikbrowser können keine Tabellen darstellen.
- Aufzählungen und Listen: Aufzählungen und Listen sind ein wichtiges Darstellungsmittel auf Internetseiten. Manchmal werden die Aufzählungszeichen, die vom Browser automatisch bei der Verwendung des Tags UL erzeugt werden, durch Grafiken ersetzt, weil diese besser aussehen.
In der Tat haben diese Grafiken auch bei der Verwendung von ScreenReadern ihre Vorteile. Das Problem ist nämlich, daß die Standardzeichen des UL Tags nicht von jedem Reader mit vorgelesen werden. Dadurch geht natürlich eine beabsichtigte Gliederung verloren.
Wichtig ist, daß je nach Anwendung der Grafiken ein entsprechender Alternativtext border=0 alt="(...)" angegeben wird. Bei Aufzählungszeichen kann dieser allerdings auch mal aus einem Leerzeichen (border=0 alt=" ") oder einem Stern (border=0 alt="*") bestehen.
Bei der Verwendung von numerierten Listen durch den HTML Tag OL gibt es normalerweise keine Probleme mit
ScreenReadern, weil die Numerierung als Zahl mitgelesen wird.
- Grafiken auf Internetseiten: Die Verwendung von Grafiken auf Internetseiten ist normalerweise relativ problemlos, wenn man sich an einige Regeln hält:
Grundsätzlich darf man sich nicht darauf verlassen, daß die Grafiken von jedem betrachtet werden können. Es gibt immer einige Benutzer, die keine Grafiken sehen. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um sehbehinderte Menschen oder um die Benutzer von Textbrowsern handelt.
Daraus leitet sich die Anforderung an eine Internetseite ab, daß Grafiken grundsätzlich keine Informationen enthalten sollten, die nicht noch einmal in Textform wiederholt werden.
Kleinere Grafiken kann man normalerweise schon mit dem border=0 alt="(...)" Zusatz des IMG Tags ausreichend erklären. Allerdings sollten keine zu langen Texte in den ALT-Zusatz gestellt werden.
Komplexe Grafiken, wie beispielsweise Charts, kann man mit speziellen Texterklärungen versehen. Diese Erklärungen kann man z.B. als eigenständiges Dokument anlegen, auf das über einen Link in der Nähe des Bildes verzweigt wird.
Sollte sich die Grafik dabei als zu schwierig zum Übersetzen herausstellen, dann sollte lieber auf sie verzichtet werden. Wenn selbst der Autor der Grafik nicht in der Lage ist, sie zu beschreiben, kann er auch von keinem User verlangen, daß dieser sie versteht.
Für Imagemaps gilt das gleiche: Auch hier sollten alle Links, die über das Bild angeklickt werden können, nochmal in Textform wiederholt werden.