Veröffentlicht am: 25.08.11

Gemeinsam lernen - Neue Spielräume für Bildung mit Medien

von Bernsmann, Boeck, Croll, Damm, Kubicek, Schuberth, Siebenhaar
B&S Siebenhaar Verlag Berlin, Kassel, 1. Auflage (2011)


Titel scoyo Bericht

Digitale Medien durchdringen unseren Alltag. Menschen gleich welchen Alters erschließen sich mit Hilfe einer allgegenwärtigen technischen Infrastruktur Informationen und viele, insbesondere junge tragen zur Generierung neuer Inhalte bei. Das Internet ermöglicht neue Formen der Kommunikation, es kann auch zu neuen Formen des Lernens beitragen.

Dieser Band beschreibt verschiedene Arten des Lernens mit digitalen Medien. Die Stiftung Digitale Chancen hat in Einrichtungen der Kinder- und Jugendsozialarbeit über einen Zeitraum von mehreren Monaten eine Erprobung der Lernplattform scoyo begleitend evaluiert. Im Rahmen dieses Projektes wurde untersucht, inwieweit das spielerische Lernen mit der Online-Plattform scoyo auch für den Einsatz in derartigen Einrichtungen geeignet ist. Zu beantworten war insbesondere die Frage, ob durch eine spielerische Beschäftigung mit online angebotenen Lerninhalten eine höhere Lernmotivation erzielt und so Bildungsbenachteiligung überwunden werden kann. In der offenen Kinder- und Jugendarbeit werden vor allem Kinder erreicht, die in ihrem familiären Umfeld wenig oder keine Unterstützung bei der Wahrnehmung von Bildungsangeboten erfahren. Begleitet durch Jugendsozialarbeiter haben sie über diese Online-Plattform Zugang zu den auf den Lehrplan ihres Jahrgangs abgestimmt Lernangeboten gefunden, aber auch den Reiz des spielerischen Umgangs mit Computer und Internet für sich entdeckt. Dass Spielen und Lernen miteinander vereinbar sind, war dabei die neue Erfahrung.

Die Ergebnisse der Projektevaluation beschreiben ein differenziertes Bild der Nutzung der Plattform in den Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Die Eignung der Lernplattform scoyo für den Einsatz in derartigen Einrichtungen konnte bestätigt werden. Trotz zum Teil erheblicher organisatorischer und personeller Schwierigkeiten besteht seitens der Mitarbeitenden ein großes Interesse daran, den Kindern und Jugendlichen ein unterstützendes Lernangebot zu unterbreiten, das deren Akzeptanz - gerade in der Freizeit orientierten Umgebung - findet.

Der Projektbericht wird ergänzt durch Beiträge von Klaus Siebenhaar, Dagmar Boeck und Steffen Damm, die sich mit verschiedenen medialen Rezeptions- und Nutzungsarten beschäftigen.

Klaus Siebenhaar befasst sich mit den gesellschaftlichen Veränderungen, die sich aus der Medialisierung und Digitalisierung ergeben und beschreibt wie damit einhergehend neue Bildungsräume entstehen können. Neue jugendkulturelle Identitäts-Muster, die aus einem veränderten Mediennutzungsverhalten resultieren und unmittelbare Auswirkungen auf Selbstverständnis, Welt- und Werteverhalten mit sich bringen, bergen Lern- und Bildungspotenziale, die es zu nutzen gilt.

Dagmar Boeck beschreibt die Umsetzung eines Empowerment-Projektes mit dem Ziel einer zentralen elektronischen Schülerzeitung für Berliner und Brandenburger Schulen. Die Besonderheit des Projektes liegt zum einen in der Zusammenarbeit verschiedener Generationen, Multiplikatorengruppen (Schüler, Studierende verschiedener Disziplinen, und Lehrer), unterschiedlicher Partner (Journalisten, Senat etc.) und zum anderen in der konsequenten Einhaltung einer ausdrücklich ästhetisch-künstlerischen Perspektive sowie der wissenschaftlichen Begleitung. Empowerment heißt in diesem Projekt, dass die beteiligten Schülerinnen und Schüler befähigt werden, eigengestalterisch mit und über die Medien ihre Lebenswelt zu erforschen und zu reflektieren. Deshalb setzt das Projekt auf spielerisch-künstlerische Medienkompetenz, die über Aneignung kultureller Techniken einen eigenverantwortlichen und auch kreativen Umgang mit den Medien ermöglicht.

Der Beitrag von Steffen Damm bildet den Abschluss dieses Bandes und ermöglicht einen ganz andern Blick auf gemeinsames Lernen. Er setzt sich mit dem Animationsfilm 'Oben' von Pete Docter aus dem Jahr 2009 auseinander und schildert ein eindrucksvolles Beispiel gemeinsamer (Lern-) Erfahrungen von Jung und Alt.

Die Kommunikation mit und mittels digitaler Medien ist heute so vielfältig wie die Kommunikation zwischen Menschen insgesamt. Dies gilt auch für alle Formen des Lernens. Die Befürchtung, dass Computer und Internet tendenziell einsam machen, kann nicht bestätigt werden. Die in diesem Band beschriebenen Projekte und medialen Produkte zeigen vielmehr, dass gemeinsames, mit- und voneinander Lernen mit digitalen Medien möglich ist. Allerdings handelt es sich auch nicht um die klassischen Fälle des Tele-Lernens oder E-Learnings, in denen ein Mensch mit einem entfernten technischen System interagiert. Vielmehr spielen Menschen in der Heranführung, Vermittlung und Begleitung eine unverzichtbare Rolle. Das Gemeinsame in diesen Lernsituationen ist nicht virtuell, sondern sehr real. Qualifizierte Lehrende und Betreuer können durch Technik nicht ersetzt werden, sondern mit neuen technischen Möglichkeiten ihre pädagogischen und sozialen Aufgaben besser erfüllen. Dafür sollen diese Beispiele Anregungen geben und Mut machen.




Spielend lernen








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