Veröffentlicht: 05.10.2015

Rechtsextremismus online: Hass gegen Fremde alltägliche Realität

Quelle: Kommission für Jugendmedienschutz

Neonazistische Parolen mit großer Reichweite | gezielte Ansprache von Jugendlichen | Hassbotschaften ahnden und Jugendliche für die Auseinandersetzung stärken

Blanker Hass gegen Flüchtlinge, Juden, Muslime, Homosexuelle oder Sinti und Roma ist im Social Web alltägliche Realität, konstatiert der aktuelle Bericht von jugendschutz.net zu Rechtsextremismus online. über 6.000 rechtsextreme Webangebote dokumentierte das Team im vergangenen Jahr, jedes dritte verstieß gegen den Jugendmedienschutz. „Mit stylischen und provozierenden Inhalten sprechen Rechtsextreme gezielt Jugendliche an“, so Christiane Schneider, Leiterin des Bereichs politischer Extremismus bei jugendschutz.net. „Beiträge im Social Web, die an Vorurteile und ängste anknüpfen, erzielen große Reichweite, auch über Szenekreise hinaus.“ Im Zuge der aktuellen Flüchtlingsdebatte hätten sich die Hinweise auf rassistische Hetze bereits verdreifacht.

„Wir dürfen nicht dulden, dass Kinder und Jugendliche Hetze gegen Flüchtlinge, Juden, Muslime, Sinti und Roma, Homosexuelle und andere gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit als Selbstverständlichkeit im Netz erleben“, mahnt Bundesjugendministerin Manuela Schwesig. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend fördert die Arbeit im Bereich Rechtsextremismus von jugendschutz.net seit 2012. „Darum setzen wir uns für eine starke Allianz aus Plattformbetreibern, die Hassbotschaften konsequent ahnden, erwachsenen und jugendlichen Vorbildern, die offen Stellung gegen Rassismus beziehen, und einer Community, die Hetzer mit allen medialen Mitteln in ihre Schranken weist, ein.“

In 58 % der Fälle gelang es jugendschutz.net, Jugendliche schnell vor gefährdenden Inhalten zu schützen. Effektivstes Mittel war dabei der direkte Kontakt zu den großen Plattformbetreibern. „Aufrufe im Netz, Flüchtlingen mit Gewalt zu begegnen, sind auch nach dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag absolut unzulässig und müssen mit aller Konsequenz verfolgt und unterbunden werden.“, betont Siegfried Schneider, Vorsitzender der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM). jugendschutz.net leitet Verdachtsfälle, bei denen deutsche Verantwortliche bekannt sind, an die KJM weiter, die ein medienrechtliches Verfahren einleitet.

Neben der Konfrontation mit unverhohlenem Hass und Gewalt werden Jugendliche auch subtil geködert. „Wo Rechtsextreme an jugendkulturelle Phänomene anknüpfen oder mit dem Reiz des Rebellischen und Verbotenen spielen, ist erzieherischer Jugendschutz unverzichtbar.“, sagt die rheinland-pfälzische Kinder- und Jugendministerin Irene Alt. Im Mai hätten die Jugendministerien von Bund und Ländern bekräftigt, den verantwortungsbewussten, kritischen und selbstbestimmten Umgang mit Medien zu fördern. „Die Sozialen Medien werden von allen Jugendlichen tagtäglich genutzt. öffentliche Jugendhilfe und freie Träger müssen ihre bewährten Angebote weiterentwickeln, um Gefährdungen auch in der virtuellen Welt vorzubeugen.“

über jugendschutz.net

jugendschutz.net drängt Anbieter, Onlineangebote so zu gestalten, dass Kinder und Jugendliche nicht gefährdet werden. Die Stelle recherchiert als Kompetenzzentrum für den Jugendschutz im Internet Risiken in jugendaffinen Diensten. Sie nimmt über ihre Hotline Hinweise auf Verstöße gegen den Jugendmedien­schutz entgegen und sorgt dafür, dass diese schnell beseitigt werden. Im Fokus der Arbeit stehen riskante Kontakte, Selbstgefährdungen, politischer Extremismus und sexuelle Ausbeutung von Kindern.

Die Jugendministerien haben die länderübergreifende Stelle 1997 gegründet. Sie ist seit 2003 an die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) angebunden, um eine einheitliche Aufsicht über Rundfunk und Internet zu gewährleisten.

Kontakt

Murat özkilic
presse@jugendschutz.net
Tel. +49 (0) 6131 3285-20
www.jugendschutz.net.

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