Veröffentlicht am: 20.12.17

IGF Tag 2: Domainnamen im Fokus

Autor: Jutta Croll , Organisation: Stiftung Digitale Chancen

IGF Day 2: Domain Names in the Focus (english version of the article)

19.12.2017: Tag zwei des IGF beginnt für mich mit der Session „Multistakeholder Governance of the Domain Name System, lessons learned from other Internet Governance Issues“.

Irgendwann kommen alle Unternetnutzerinnen und –nutzer mit dem Thema der Domainnamenvergabe in Berührung, zum Beispiel durch die Registrierung einer eigenen Domain für berufliche oder private Zwecke oder wenn man auf einer Website, die unter einer der neuen generischen Top Level Domains registriert ist, wie die hier verwendete .digital, landet. Kaum jemand kennt allerdings die für die Vergabe zuständige Organisation, deren Strukturen und Prozesse. ICANN ist eine zivilrechtliche Non-Profit-Organisation mit Sitz in Kalifornien, die weltweit agiert. Das spiegelt sich auch in der Zusammensetzung seiner Gremien wider, für die geographische und kulturelle Diversität vorgesehen ist. Grundsätzlich stehen die in der Regel dreimal jährlich durchgeführten mehrtägigen Meetings von ICANN jedermann offen. Allerdings verfügen zivilgesellschaftliche Organisationen und insbesondere solche, die sich für die Rechte und den Schutz von Kindern einsetzen, nur selten über die personellen und finanziellen Ressourcen für die Teilnahme an den in allen Teilen der Welt veranstalteten Treffen.

In einer Lightning Session hatten wir heute die Gelegenheit, den IGF-Teilnehmenden „Aspekte von Kinderschutz und Kinderrechten bei der Vergabe von Domainnamen“ zu erklären und mögliche Maßnahmen zur Vermeidung von Risiken aufzuzeigen.

Die Vergabe von Domainnamen bietet großes Potenzial, um die Rechte von Kindern zu wahren und ihren Schutz vor ungeeigneten Inhalten und unangemessenen Kontakten zu befördern. Bei Domainnamen, die für Kinder besonders anziehend sind, zum Beispiel solche, die unter .spiel oder .kids angeboten werden, könnte das Risiko einer missbräuchlichen Nutzung der Domain durch entsprechende Sicherheitschecks im Registrierungsprozess deutlich reduziert werden. Wie ein solcher Check für generische Top Level Domains wie etwa .bank organisiert werden kann, zeigt das Beispiel des Verified Top Level Domain Consortiums (vTLD). Die Prüfungen von Bewerbern um entsprechende Domains verursacht Aufwand, daher kostet die Registrierung einer vTLDs derzeit etwa 1.500 USD. Für Unternehmen, die eine .bank Subdomain registrieren möchten, ist das erschwinglich, nicht aber für Kinderschutzorganisationen, die sich um eine .spiel Subdomain bewerben.

In anderen Fällen sind Domains mit einschlägigen Namen ein direkter Weg zu illegalen Inhalten, wenn dort beispielsweise Darstellungen des sexuellen Missbrauchs von Kindern gehostet werden. Oft kann es ein gemeinsames Interesse der Registry, die zur Vergabe von Subdomains berechtigt ist, und der Kinderschutz-Community geben, den jeweiligen Adressraum „sauber“ zu halten. Unter einer Domain wie www.nackte-jungs. können durchaus legitime Inhalte angeboten werden, aber wenn dort Missbrauchsdarstellungen von Kindern zu finden sind, verletzt das die Rechte und die Würde von Kindern und es schadet der Reputation der jeweiligen Stadt. Um das zu ändern, braucht es die Kooperation der beteiligten Akteure, verlässliche Vereinbarungen und einen Fonds, aus dem die zusätzlichen Sicherheitschecks für kindersensible Domainnamen finanziert werden können.

Mehr Informationen sind in der Präsentation zur Lightning-Session zu finden, die hier zum Download zur Verfügung steht.

Weitere Informationen

Quelle: eigener Bericht


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Themenbereiche:
Jugendschutz