Veröffentlicht am: 02.05.16

Kinder, Jugendliche und der Hass im Netz: Medienpädagoginnen und Medienpädagogen aus NRW diskutieren und erproben pädagogische Strategien

Hate Speech, Stimmungsmache, Shitstorm: auch Kinder und Jugendliche begegnen der dunklen Seite der Partizipation im Netz

Sie teilen vermeintlich witzige oder engagierte Seiten, ohne zu ahnen, dass sich antidemokratische Strategien dahinter verbergen können. Sie experimentieren mit Selbstdarstellungen und Meinungsäußerungen und kassieren bisweilen einen bedrohlichen Gegenwind aus Anfeindungen und Beleidigungen. Heranwachsende agieren mitunter auch selbst problematisch, indem sie Wut und Aggression im Netz freien Lauf lassen, meist ohne die Folgen ihrer üblen Bilder und Worte zu bedenken.

Wie man Shitstorms und Hate Speech begegnet, wird derzeit öffentlich debattiert, meist jenseits der Pädagogik: Da geht es um Gesetze und Regelungen, um das An- und Abschalten von Kommentarfunktionen, um Counterspeech-Strategien von Medien, Politik und Konzernen, um melden, löschen, überwachen und bestrafen. Das mögen alles sinnvolle Antworten sein. Doch eher für Erwachsene.

Für Kinder und Jugendliche sind pädagogische Ansätze gefragt! Heranwachsende müssen ein Gespür entwickeln, was Scherz, Satire, Ironie ist und was Beleidigung, Bedrohung oder menschenverachtende Äußerung. Sie müssen erkennen, dass sich hinter spaßigen Videochannels oder viralen Kampagnen, Stimmungsmache und Rekrutierung für radikale Zwecke verbergen kann. Sie brauchen kritische und kreative, altersangemessene medienpädagogische Settings und Experimentierfelder. Dazu benötigen auch pädagogische Fachkräfte Wissen und geeignete Methoden.

Genau hier setzte die stark nachgefragte Tagung der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) an:
Zentrale Fragen:

  • Wie kommt es zu den Konfliktlagen, wie entstehen Shitstorm und Hate Speech, wie kann man diesen begegnen?
  • Wie kann man problematische Agitation, Hasstiraden, Cybermobbing von legitimer Meinungsäußerung oder jugendlichem „Quatsch machen“ unterscheiden?
  • Wie können Kinder und Jugendliche lernen, deeskalierend zu kommunizieren, Angriffe richtig einzuschätzen? Welche weiteren Strategien kann man ihnen an die Hand geben?
  • Mit welchen Methoden kann das Thema in der pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen kreativ und kritisch bearbeitet werden?

Alle eingeladene Expert/-innen waren sich einig, dass Kinder und Jugendliche in der vielschichtigen, auch mit positiven Chancen verbundenen digitalen Lebenswelt, dringend Begleitung, Anregung und Förderung benötigen.

Ein wichtiges Ziel medienpädagogischer Angebote muss sein, Kindern und Jugendlichen das Durchschauen von Propagandastrategien, Fakes oder Shitstorms zu vermitteln. Sie müssen – auch durch Vorbilder – erfahren, wie sie sich couragiert und zivilisiert im Netz verhalten und wehren können.

„Der Nutzen restriktiver Maßnahmen wie Verbote ist seit jeher ambivalent“, so GMK-Vorsitzende Eder. Bei jüngeren Kindern, die im Netz unterwegs sind, könnten sie effektiv sein, bei älteren Kindern sind sogar kontraproduktive Effekte zu befürchten. Die Medienpädagogik muss ihre Konzepte für die praktische medienkritikfördernde Arbeit mit unterschiedlichen Zielgruppen kontinuierlich weiterentwickeln und vermitteln. Hierfür boten nicht zuletzt die Workshops auf der Tagung viel Gelegenheit. Die GMK wird das Thema weiter verfolgen.

Weitere Informationen

Anm. d. Redaktion: Diese Pressemitteilung wurde um die zusammenfassenden Argumente aller geladenen Experten gekürzt. Bitte folgen Sie dem genannten Link, um die vollständige Pressemeldung zu lesen.

Materialien und Methoden finden Sie im Tagungsinfo-PDF (pdf, 0,37 MB).

Kontakt:
GMK-Geschäftsstelle
Tel.: (0521) 67788
E-Mail: gmk@medienpaed.de

Die Veranstaltung wurde gefördert durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW und fand in Kooperation mit der Stadtbibliothek Bielefeld statt.

Weitere Informationen

www.gmk-net.de/index.php?id=59&tx_ttn...
Quelle: PM vom 29.04.2016



GMK

GMK - Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur in der Bundesrepublik Deutschland e.V.








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