Veröffentlicht am: 17.11.16

Kompetenz durch Coaching

Heike Schmidt arbeitet als Betreuerin im Schülertreff des Mehrgenerationenhauses in Zwickau. Gern war die Ehrenamtlerin auch bereit, ein Projekt zur Lese- und Medienkompetenz sowie der beruflichen Orientierung mit zu begleiten. Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 13 Jahren sollten sich unter dem Motto „Helden des Alltags“ ein Berufsbild wählen, dazu recherchieren, auf dem Tablet eine Fotostory kreieren und in einer Schreibwerkstatt einen Text dazu verfassen. Grundkenntnisse im Umgang mit dem Tablet hatte Heike Schmidt zwar, „aber Fotografieren und Bildbearbeitung hatte ich mit dem Tablet auch noch nicht gemacht“, erzählt sie. Auch die für Kinder geeigneten Internetseiten sowie die Gefahren und Fallen im Dschungel des Netzes waren ihr nicht alle bekannt. So nahm sie mit anderen das Angebot eines eintägigen Coachings an, um besser auf die Projektinhalte vorbereitet zu sein. Programmpartner des Zwickauer Projekts ist der Deutsche Bibliotheksverband e. V. Für sein Programm „Lesen macht stark“ bietet er über die „Stiftung digitale Chancen“ solche Workshops an.

David Hollstein ist einer der Trainer, der die Qualifizierungen fürs Ehrenamt durchführt und bei der Verknüpfung von analoger und digitaler Welt hilft. Dabei steht er nicht selten vor einer Herausforderung: „Wir haben oft unterschiedliche Gruppen, von Senioren bis zu ehrenamtlich engagierten Schülern“, berichtet der Spezialist für die Vermittlung von Medienkompetenz. „Vor allem ältere Teilnehmer sind zwar als Lesepaten oft hochkompetent, tun sich aber mit Tablets und Smartphones schwer“, bemerkt er. „Das ist sehr spannend, alle haben unterschiedliche Vorkenntnisse und natürlich auch Ängste und Sorgen. Wir bieten einen Rahmen, um darüber zu sprechen. Wir nehmen jeden ernst, gehen auf ihn ein und versuchen, allen etwas mitzugeben, das sie stärkt und sicherer macht im Umgang mit Kindern und Jugendlichen.“ Und natürlich mit digitalen Medien – wichtig seien eine positive Haltung und Neugierde auf das, was da kommt.

„Für ein Projekt wie das in Zwickau zum Beispiel zeigen wir, welche Apps man für eine Fotostory nutzen kann, wie man Bilder macht und sie bearbeitet“, erklärt Hollstein, „außerdem zeigen wir sichere „Surfräume“, und weisen auf Gefahren wie Urheberrechts- und Persönlichkeitsrechtsverletzungen hin.“

Heike Schmidt ist froh, an dem Training teilgenommen zu haben: „Wir mussten selbst mit dem Tablet eine Fotostory erstellen und Bilder bearbeiten“, erzählt sie, „außerdem hat man uns Seiten und Suchmaschinen vorgestellt, die für Kinder geeignet sind und welche Fallen im Internet lauern. Alles war gut verständlich erklärt“, fügt sie hinzu.
Die Inhalte eines Coachings variieren laut Coach David Hollstein von Projekt zu Projekt in Abhängigkeit vom Alter der Zielgruppe. Für die Jüngsten mit wenig oder keiner Leseerfahrung seien interaktive Bilderbuchkinos ein geeignetes Medium und Bücher, die mit Hilfe von Lesestiften spielerisch zur Wissensaneignung genutzt werden können. Für die Größeren seien dann zielgerichtete Internetrecherche und medienpraktische Übungen mit Hilfe von Tablets wie z. B. „Fotostory 2.0“ ein Mittel der Wahl.

Heike Schmidt hat das Coaching geholfen, „ihre“ Kinder bei der Recherche (inklusive Zoobesuch) und der Story rund um das gewählte Berufsbild „Tierpfleger“ zu unterstützen. „Ich kann das nur empfehlen“, meint sie, „ich fühle mich sicher und kann jetzt mit den Kindern besser und schneller arbeiten.“ Und, ganz wichtig: Ein Großteil der Recherche und Projektarbeit fand in der Stadtbibliothek, natürlich auch mithilfe „analoger“ Lexika, statt. So haben viele Kinder, die zum Teil keinen Internetzugang oder Kontakt zu Lesen und Literatur haben, diesen Ort für sich entdeckt und nutzen ihn auch weiterhin regelmäßig, wie Heike Schmidt versichert.

Originalartikel Kultur macht STARK - Bündnisse für Bildung (Mai 2016).

Weitere Informationen

www.lesen-und-digitale-medien.de
Quelle: „Lesen macht stark: Lesen und digitale Medien“ – Deutscher Bibliotheksverband e.V. / Stiftung Digita



Lesen macht stark - Lesen und digitale Medien

Lesen macht stark

Ziel des Projektes Lesen macht stark: Lesen und digitale Medien der Stiftung Digitale Chancen ist die Leseförderung mit digitalen Medien von sozial- und bildungsbenachteiligten Kindern und Jugendlichen von drei bis 18 Jahren.

Weitere inhaltlich zusammenhängende Materialien finden Sie hier.


Verwandte
Themenbereiche:
Sonstige kulturelle Einrichtungen, Medienkompetenz, Förderprogramme auf Bundesebene, Mediennutzung durch Kinder / Aktivitäten für Kinder, Mediennutzung durch Jugendliche / Aktivitäten für Jugendliche, Gemeinnützige Einrichtungen / Vereine / Verbände, Ehrenamtlich tätige Organisationen, Mediennutzung allgemein, Medienpädagogische Konzepte, Medienpädagogische Projekte