Veröffentlicht am: 15.08.06

Google Accessible Search - Kommentar von Jan Eric Hellbusch

Jan Eric Hellbusch, Beratung für Barrierefreies Webdesign

Die Google Entwicklung 'Google Accessible Search' verfolgt das Ziel, für Blinde und Sehbehinderte geeignete Webseiten zu suchen. Jan Eric Hellbusch, Experte für barrierefreies Webdesign, erklärt im Folgenden, was von dieser neuen Suchfunktion zu halten ist.



Standardkonforme Internetseiten in Zukunft besser von Google bewertet

Für die allermeisten Surfer ist Google ein Begriff. Die leistungsfähige Suchmaschine führt seit vielen Jahren die Liste der Suchwerkzeuge im Netz an. Wie jedes Unternehmen entwickelt auch Google seine Produkte weiter: In den letzten Jahren sind zur Standardsuche zahlreiche Erweiterungen erschienen, etwa Google Maps oder Google Suggest.

Ende Juli 2006 ist eine weitere Entwicklung, Google Accessible Search (Google barrierefreie Suche), online gegangen.

Google Accessible Search sieht genauso aus wie die Google-Standardsuche, nur werden die Suchergebnisse zusätzlich nach Kriterien der Barrierefreiheit sortiert. Es handelt sich um eine Anpassung der Suchfunktion, die standardkonforme Seiten weiter vorne in den Suchergebnissen auflistet. Das bedeutet beispielsweise, dass Seiten besser bewertet werden, wenn Bilder mit Alternativtexten versehen sind, Seiten mit HTML gut strukturiert sind (Überschriften, Listen und Absätze werden verwendet anstatt Tabellen) und das Layout mit Cascading Style Sheets erzeugt wird (das sind Formatvorlagen für das Internet).

Google ist aber eine Maschine und kein Mensch. Entsprechend kann Google feststellen, ob beispielsweise ein Alternativtext vorhanden ist, das Werkzeug kann aber nicht feststellen, ob der Text sinnvoll ist und blinden Nutzern den Inhalt des Bildes vermittelt. Vielmehr wird nach technischen Eigenschaften der Seite eine zusätzliche Bewertung vorgenommen. D.h., das Vorhandensein von Alternativtexten für Bilder wird in den Suchergebnissen von Google belohnt, und die Seite erscheint weiter vorne in den Suchergebnissen, aber das ist noch keine Garantie, dass die Bilder gut beschriftet sind.

Google kann nur technische Aspekte bewerten und diese gehören zur Standardkonformität. Standardkonformität ist aber nicht mit Barrierefreiheit zu verwechseln. Standardkonformität ist ein Aspekt der Barrierefreiheit, der vor allem für die Darstellung und Bedienung in alternativen Ein- und Ausgabemedien vorteilhaft ist und deshalb könnten blinde und sehbehinderte Nutzer genauso wie PDA-Nutzer von dieser Suche profitieren.

Die Bezeichnung 'Google Accessible Search' lässt sich nicht mit 'mit Google barrierefreie Seiten finden' übersetzen. Es wäre ja zu schön, wenn das möglich wäre. Nein, an der Entwicklung eines solchen automatischen Verfahrens arbeiten sehr viele Leute in Deutschland seit vielen Jahren. Die beiden deutschen Testverfahren zur Barrierefreiheit, der BITV-Test und das Prüfverfahren zum BIENE-Award sind nach wie vor manuelle Verfahren.

Die Testversion von Google Accessible Search befindet sich noch in einem sehr frühen Stadium. Noch werden die Vorteile für Screenreader-Nutzer optimiert. Wenn Google eine Seite gut strukturiert vorfindet, dann wird die Sprachausgabe eines blinden Nutzers auch mit den Strukturen was anfangen können. Genauso könnten aber auch Nutzer profitieren, die auf andere Eingabegeräte angewiesen sind, denn gut strukturierte Seiten werden in der Regel für Tastaturnutzer auch besser nutzbar sein.

Denkbar ist, dass die Prüfung der Barrierefreiheit weiter ausgebaut wird und andere technische Aspekte berücksichtigt werden. Theoretisch könnten z.B. auch Kontraste von Texten gemessen werden. Es wird aber sehr schwierig sein, Aspekte der Barrierefreiheit zu prüfen, die über die reine Technik hinausgehen. Mit Sicherheit werden aber die Erkenntnisse aus dieser Erweiterung des Suchalgorithmus in die Standardsuche einfließen.

Um die Unterschiede in der Bewertung zu testen, gibt es auch ein einfaches Vergleichswerkzeug unter http://blog.outer-court.com/accessible.

Weitere Infos:
http://www.dvbs-online.de/php/dvbs-news199.htm
http://www.einfach-fuer-alle.de/blog/eintraege.php?id=1781_0_1_24

Jan Eric Hellbusch
Beratung für Barrierefreies Webdesign http://2bweb.de/
Mitglied des gemeinsamen Fachausschusses für Informations- und Telekommunikationssysteme (FIT) der Blinden- und Sehbehindertenverbände



Mehr erfahren Sie unter:
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